Maßbach

Maßbach: Warum das Schlosstheater am Geduldsfaden hängt

Zahlreiche Vorstellungen sind abgesagt. Die Schauspieler haben Proben-Stopp. Aber in der Kostümwerkstatt werden Mund-Masken genäht - dafür gibt's sogar einen Großauftrag.
Zum Schutz gegen Corona: In der Kostümwerkstatt des Theaters Schloss Maßbach werden derzeit Mund-Bedeckungen genäht, wie Schneiderin Jutta Reinhard hier demonstriert.
Zum Schutz gegen Corona: In der Kostümwerkstatt des Theaters Schloss Maßbach werden derzeit Mund-Bedeckungen genäht, wie Schneiderin Jutta Reinhard hier demonstriert. Foto: Anne Maar

Mit dem Stück "Der Schimmelreiter" feierten die Schauspieler der Unterfränkischen Landesbühne gerade Erfolge auf der Bühne, ein Jugendstück hatten sie bereits am Start. Doch dann kam die Corona-Krise. Was tun, wenn man nicht mehr spielen und proben kann, wenn nicht mal absehbar ist, wann die wegen der Pandemie angesetzt Theaterpause zu Ende sein wird? Da ist guter Rat teuer, macht Theaterchefin Anne Maar klar.

Schließlich hatte jemand aus dem Ensemble die Idee, einen Schauspiel-Blog auf der Homepage des Schlosstheaters einzurichten. Dort könnte man Vorstellungen aus dem Archiv zeigen, die die Theaterleute selbst mitgefilmt hatten. "Anna Karenina" war inzwischen schon zu sehen. Das Kinderstück "Max und Moritz" ist gerade online gegangen. "Wir wollten ein bisschen präsent bleiben", sagt Maar, wenngleich ihr klar ist: "Wir sind ja irgendwie Handwerker, wir leben vom direkten Kontakt zum Publikum, und können nicht so tun, als ob wird die Menschen jetzt so einfach online unterhalten werden."

'Der Schimmelreiter hatte Anfang März 2020 im Intimen Theater Schloss Maßbach Premiere. Jetzt sind die Vorstellungen bis auf Weiteres ausgesetzt.
"Der Schimmelreiter hatte Anfang März 2020 im Intimen Theater Schloss Maßbach Premiere. Jetzt sind die Vorstellungen bis auf Weiteres ausgesetzt. Foto: Sebastian Worch

Hoffen auf die Freilichtbühne

Alle hoffen jetzt, so Maar weiter, dass die Ausgangsbeschränkungen nicht zu lange greifen müssen, so dass man im Juni möglicherweise wieder Vorstellungen geben kann. "Wir würden gerne wenigstens auf der Freilichtbühne spielen." Vielleicht sei es bis dahin möglich, wenigstens 100 Zuschauer einzulassen, die in größerem Abstand auf der Tribüne Platz nehmen könnten. "Wir würden halt öfter spielen als sonst." Dann würde es auch nur zwei Sommer-Aufführungen geben, für die man freilich noch proben müsste.

Mit den Proben zu "Honig im Kopf" hatten die Schauspieler bereits vor Corona begonnen. Möglicherweise könne man dann in absehbarer Zeit das Stück wenigstens mit großen Abständen zwischen den Schauspielern auf der Bühne einüben. Das Gleiche gelte fürs Kinderstück, das man im Sommer vielleicht mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern stattfinden lassen kann, sagt Maar. Andererseits weiß sie von einem anderen Bundesland bereits, dass dort Schulen angehalten wurden, in absehbarer Zeit keine außerschulischen Veranstaltungen zu besuchen.

'Anna Karenina', von den Maßbachern 2015 aufgeführt, gab's jetzt online auf der Homepage des Theaters Schloss Maßbach zu sehen. 
"Anna Karenina", von den Maßbachern 2015 aufgeführt, gab's jetzt online auf der Homepage des Theaters Schloss Maßbach zu sehen.  Foto: Archiv Sebastian Worch

Soforthilfe bereits eingetroffen

Wie sie und ihre 40 Mitarbeiter nun finanziell über die Runden kommen? Die Theaterchefin atmet am Telefon hörbar durch. "Für einen Monat schaffen wir es jetzt auf jeden Fall erst mal", zeigt sie sich zuversichtlich. Das Theater habe zwar jetzt keine Einnahmen, aber der vom Freistaat angekündigte Zuschuss sei für vier Wochen beantragt und auch zugesichert worden, sagt Maar. "Das Geld ist sogar schon auf unserem Konto." Inzwischen besserte man in Berlin nach, ein zweites Soforthilfe-Programm wurde aufgelegt. "Wir werden dann für die Zeit nach dem 15. April einen weiteren Antrag stellen.

Dass man für die nahe Zukunft nicht planen kann, sei "zermürbend", so die Theaterleiterin weiter. "Denn auch der Bühnenbildner will ja nun wissen, ob er die oder jene Kulisse nun bauen soll oder nicht." Zudem habe sie für das Kinderstück Gast-Schauspieler von auswärts engagiert. "Da stellt sich dann die Frage, gelten diese Verträge nun oder nicht?"

Aufruf in den sozialen Medien

Die Sorge um die Zukunft beschriebt Anne Maar als Wellenbewegung: "Manchmal denke ich, ja, das wird schon alles klappen. Und dann wieder bin ich ratlos und überlege, ob dann die Insolvenz droht und ich alle Mitarbeiter entlassen muss." Denn schließlich habe sie als Theaterleiterin ja die Verantwortung für alle.

Ein Blick in die Kostümwerkstatt des Theaters Schloss Maßbach: Im Bild (von links) Daniela Schüller, Daniela Zepper, Jutta Reinhard, Rita Wassin und Anna Schindlbeck (Mitte).
Ein Blick in die Kostümwerkstatt des Theaters Schloss Maßbach: Im Bild (von links) Daniela Schüller, Daniela Zepper, Jutta Reinhard, Rita Wassin und Anna Schindlbeck (Mitte). Foto: Anne Maar

Als sie hörte, dass an anderen Theatern jetzt Corona-Masken für den Mund genäht werden, habe sie sich mit den Schneiderinnen in der Kostümwerkstatt beraten, so die Theaterchefin weiter. Alle hätten sich bereiterklärt mitzumachen. Über die sozialen Medien startete man einen Aufruf - mit durchschlagendem Erfolg, erzählt Maar. Denn einer der Abonnenten des Schlosstheaters erfuhr davon und erzählte es an seinem Arbeitsplatz, dem Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt, weiter. Inzwischen hat das Krankenhaus 1000 dieser Mundbedeckungen bestellt.

Gummibänder werden knapp

Auch der Landkreis habe inzwischen angefragt und auch bereits Stoff vorbei gebracht. Aktuell sind die drei Schneiderinnen Jutta Reinhard, Daniela Zepper und Daniela Schüller fleißig am Nähen. Die Schauspieler helfen dann gelegentlich bei kleineren Arbeiten, sagt Maar. Maßbacher Bürger haben inzwischen Etliches an Bettwäsche gespendet. "Bloß die Gummibänder und das weiße Schrägband werden allmählich knapp, weil wir auch nirgends etwas nachkaufen können." Deshalb fände Maar es prima, wenn alle, die solche Näh-Zutaten zu Hause im Nähkorb haben, jetzt an die Maßbacher Schneiderinnen denken und vielleicht ihre Gummibänder und vor allem weißes Schrägband spenden würden. Die Mund-Masken sind übrigens kochfest.

Info: E-Mail: kasse@theater-massbach.de; Tel. (0 97 35) 2 35.

Rückblick

  1. Söder kündigt Corona-Testzentren in ganz Bayern an
  2. Corona-Krise: Poetry Slam startet Spendenaktion
  3. Wie Kultur in Bronnbach mit Abstand gelingt
  4. Stadtentwicklung: Hat Würzburgs Innenstadt (k)eine Zukunft?
  5. Klinik will Anlaufstelle für Volkskrankheiten bleiben
  6. Kitzinger Klinik zieht Corona-Zwischenbilanz
  7. Corona in MSP: Aktuell drei positiv Getestete
  8. Mellrichstadt: Restaurant Arena wieder geöffnet
  9. Grillen verboten: Warum die Stadt Würzburg jetzt durchgreift
  10. Landkreis Haßberge sagt Kirchweihen und Flohmärkte ab
  11. Pest, Cholera, Corona: Warum Covid-19 eine Seuche ist
  12. Schwimmbadbesuch in Corona-Zeit: Trotz Einschränkungen läuft's
  13. Corona: Anzeige gegen Würzburgs OB nach Kickers-Empfang
  14. Kommentar: "Corona-Gegner" müssen geächtet werden
  15. Kommentar: Wir dürfen nicht jeden Corona-Gegner aufgeben
  16. Zwei weitere Corona-Infizierte im Landkreis
  17. Tourismus: Wie beliebt ist Unterfranken jetzt als Urlaubsziel?
  18. Landratsamt: Ein neuer Corona-Fall im Landkreis Haßberge
  19. Bad Kissingen: Corona kehrt mit zwei Fällen zurück
  20. Dorothee Bär: Corona ist der Ruck, den die Digitalisierung braucht
  21. Nach Corona-Verdacht: "Bei Damir" in Mellrichstadt darf wieder öffnen
  22. Zwei neue Corona-Fälle in Rhön und Grabfeld
  23. Tourismus an der Mainschleife: Gute Umsätze trotz Corona
  24. Veitshöchheim: Weitere Testergebnisse nach Corona-Fall bekannt
  25. Fall Veitshöchheim: Warum kamen Kinder nicht in Quarantäne?
  26. Mellrichstadt: Ein Coronafall, zwei Lokale geschlossen
  27. Unvernünftige Badegäste: Droht dem Geomaris die Schließung?
  28. Sommertour von Anja Weisgerber: Corona-Sorgen und Politik-Frust
  29. Vom Lockdown bis heute: Wie die Krise Schweinfurt verändert hat
  30. Pflegestift und Corona: "Angst ist ein ganz schlechter Begleiter"
  31. Erstmal keine Verbote: Stadt Würzburg setzt auf Vernunft der Bürger
  32. Medizintechnik: Wie eine Wertheimer Firma durch Corona wächst
  33. Coronakrise: Kunstkaufhaus läuft gut, Pflasterklang abgesagt
  34. Wie die Würzburger Clubs unter der Coronakrise leiden
  35. Alte Mainbrücke: Kein Alkoholverbot, aber mehr Kontrollen
  36. Zeugnisse und Preise vom Fließband
  37. Diskussion in Würzburg: Was kann gegen Fake News getan werden?
  38. Wie steht es um die geplanten Weinfeste in Würzburg?
  39. Wie das Stramu in Würzburg trotz Corona dennoch stattfinden soll
  40. Gurkenernte im Corona-Jahr: Wenn Abstand halten schwierig ist
  41. Corona in Würzburger Kita: Keine weiteren positiven Tests
  42. Veitshöchheim: Coronafall in Schüler-Mittagsbetreuung
  43. Shoppen und Schöppeln: Ist Corona in Würzburg schon vergessen?
  44. Kommentar: Mutige Politiker müssen auch mal Spaßbremse sein
  45. Corona: Braucht es ein Alkoholverbot auf der Alten Mainbrücke?
  46. Zeil am Main: Das erwartet die Kinofreunde beim "Open Air"
  47. Ob ÖPNV oder Parkplätze: Wie die WVV durch die Coronakrise kommt
  48. FOS/BOS: Im Stadion und im Abendkleid zur  Zeugnisübrergabe
  49. Schlosspark Werneck ab 15. August wieder für alle geöffnet
  50. Weinprinzessin ohne Weinfest

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Maßbach
  • Isolde Krapf
  • Anna Karenina
  • Anne Maar
  • Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner
  • Coronavirus
  • Freilichttheater
  • Internet
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt
  • Medien und Internet
  • Mitarbeiter und Personal
  • Schauspieler
  • Social Media
  • Theater
  • Theaterchefs
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!