Bad Kissingen

Mehr Auszeit fürs Handy

Striktes Smartphone- Verbot in der Schule, und dann? Bad Kissinger Gymnasium hat Vertrag zwischen Eltern und Kindern entworfen, andere Schulen klären auf.
Öfter mal das Smartphone schlafen legen: Lotsin Christina Keller (von links), Mutter Patrizia Klauda, Schulleiter Frank Kubitza und Elternbeiratsvorsitzender Marco Vedder machen es im Bad Kissinger Gymnasium schon mal vor. Foto: Ralf Ruppert       -  Öfter mal das Smartphone schlafen legen: Lotsin Christina Keller (von links), Mutter Patrizia Klauda, Schulleiter Frank Kubitza und Elternbeiratsvorsitzender Marco Vedder machen es im Bad Kissinger Gymnasium schon mal vor. Foto: Ralf Ruppert
Öfter mal das Smartphone schlafen legen: Lotsin Christina Keller (von links), Mutter Patrizia Klauda, Schulleiter Frank Kubitza und Elternbeiratsvorsitzender Marco Vedder machen es im Bad Kissinger Gymnasium schon mal vor. Foto: Ralf Ruppert
Gerade mal fünf Kinder haben in der 5. Klasse der zehnjährigen Sophia (Name von der Redaktion geändert) noch kein Smartphone. "Ich hätte schon gerne eins", sagt sie. Andererseits sei es aber auch "nicht so schlimm", ohne auskommen zu müssen: "Die anderen machen auch viel Unsinn damit", weiß Sophia.

Anni Krysa aus Oberthulba dagegen ist 16 Jahre alt und geht in die 11. Klasse des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg (FGH). Erst in der 8. Klasse hat sie ein Smartphone bekommen - und ist eher zurückhaltend, was die Nutzung für die Schule angeht: "Ich bin in drei Fächern auf Lernplattformen angewiesen, das ist mir zu viel", sagte sie im Rahmen des Vortrags "Smart statt süchtig". Weil sie lieber mit Büchern und Arbeitsblättern auf Papier lerne, habe sie zum Teil bereits Nachteile gehabt. "Da muss man eine Vereinbarung finden", regt sie feste Regeln zum Einsatz des Internets im Unterricht an.

"Das Internet ist eine irre Erfindung für uns Menschen - wenn wir es sinnvoll nutzen", sagt FGH-Beratungslehrer Andreas Strehler. Deshalb setzt er auf Aufklärung: Unter dem Motto "Smart statt süchtig" wies er gemeinsam mit dem Diplom-Psychologen Michael Hinn auf Gefahren hin. Hinn ist unter anderem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, hat selbst Kinder am FGH. "Das Smartphone bestimmt immer mehr den Lebensalltag der Jugendlichen", berichtet er, und: "Die ständige Verfügbarkeit birgt auch eine ganz enorme Suchtgefahr."
"Wir verteufeln digitale Medien nicht", stellt Frank Kubitza, Leiter des Bad Kissinger Gymnasiums, klar. Allerdings werde an der Schule sehr strikt das gesetzliche Handy-Verbot durchgesetzt. "Wir haben festgestellt, dass die Kinder sonst in den Pausen nur noch in ihr Handy vertieft sind", berichtet Kubitza, und: "Wir wollen aber, dass sich unsere Schüler als Gemeinschaft erleben."

Deshalb werden angeschaltete Handys konsequent weggenommen und so lange behalten, bis ein Elternteil sie im Sekretariat abholt. Das ist strikter als an anderen Schulen: Am FGH etwa bekommen die Schüler ihre Handys nach Unterrichtsende zurück, um sie auf dem Heimweg zur Verfügung zu haben. Wenn am Jack-Steinberger-Gymnasium (JSG) ein Schüler mit Handy in der Tasche bei einer Prüfung erwischt wird, sind die Folgen laut Kubitza auch eindeutig: "Das ist das Bereithalten von unerlaubten Hilfsmitteln", stellt der Schulleiter klar. Konsequenz: Note 6, bei der Abitur-Prüfung null Punkte, also durchgefallen.


Feste Regeln für die Freizeit

Seit diesem Schuljahr geht das JSG noch einen Schritt weiter: Im Rahmen der Bad Kissinger Erziehungspartnerschaft "Kisspäd" wurden in den Klassen 5 bis 7 Verträge ausgeteilt, die die Handy-Nutzung in der Freizeit regeln. Wie viele Minuten am Tag? Wie wird das überwacht? Welche Zeiten, welche Tage sind komplett handyfrei? Wann ist das Handy am Abend spätestens aus? Das sind einige Fragen, über die sich Eltern und Kinder verständigen sollen.

"Bei Kisspäd ist generell ein Thema, dass Eltern Grenzen setzen müssen", berichtet Christina Keller über die Idee zum Handy-Vertrag. Keller ist Grundschullehrerin und Lotsin am JSG - und selbst Mutter von drei Kindern. "Wir haben immer wieder Diskussionen, das ist ganz normal", weiß sie aus eigener Erfahrung. In ihrer eigenen Familie sei Fernsehen und Smartphone unter der Woche, also von Montag bis Donnerstag, ganz tabu. Das älteste Kind in der 7. Klasse habe zwar ein Smartphone, dürfe aber nur über das heimische WLAN ins Internet. Das zweite Kind in der 5. Klasse habe eh nur ein altes Tasten-Handy, könne also ausschließlich telefonieren.
Auch der Elternbeirat habe sich schon oft mit dem Thema beschäftigt, berichtete dessen Vorsitzender Marco Vedder. "Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal entschieden, dass der Ski-Kurs handyfrei bleibt", berichtet er. Das sei sehr gut gelaufen und werde deshalb in Zukunft so bleiben. Interessant sei, dass das Verbot bei den Schülern größtenteils akzeptiert wurde, dass aber einige Eltern ihren Kindern ein Handy zusteckten.

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