Bad Brückenau

Mehr Demente: Franz-von-Prümmer-Klinik reagiert

Die Franz-von-Prümmer-Klinik will sich künftig besser auf Demenzkranke einstellen. Dafür setzt sie auf die Wirkung von Farben und Musik.
"Wer zuletzt lacht..." steht auf der Vorderseite der Karte. Ein Sprichwörterspiel. In dem Retro-Koffer stecken außerdem eine CD voller Volkslieder und ein Spielekarton mit der Aufschrift "Erzählen Sie doch mal!". Patienten, die unter Demenz leiden, sollen in der Capio-Franz-von-Prümmer-Klinik in Bad Brückenau mit solchen Spielen gefordert werden. Mit roten Toiletten-Deckeln und neuem Geschirr will sich das Krankenhaus künftig besser auf die Bedürfnisse der Kranken einstellen.

"Viele Demenzen werden erst im Krankenhaus erkannt, wenn die Menschen nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung sind", sagt Sabine Hein, Verwaltungsdirektorin der Klinik. Die Fälle nehmen zu. Damit sich demenzkranke Patienten während ihrer Zeit im Krankenhaus wohler fühlen, will die Franz-von-Prümmer-Klinik bestimmte Details ändern. Vorbild ist ein Haus des Trägers in Hessen.

Die Zimmernummer "319" leuchtet in roten Ziffern auf dem blauen Hintergrund, daneben das Bild eines Hasen - in Rot. Der Kontrast soll die Lesbarkeit erhöhen, das Symbol-Bild bei der Orientierung helfen. Beides ist näher am Türgriff platziert, sitzt tiefer. Entsprechend der Blickrichtung eines Kranken, erklärt Sabine Hein. Nicht nur demente Patienten, auch solche mit einer Sehschwäche sollen von den Anpassungen profitieren. Wie das neue Geschirr, das bald angeschafft werden soll.


Farben als Orientierungshilfe

Der Teller ist tief. Ein blauer Rand kennzeichnet: Hier ist Schluss. Das weiße Geschirr soll auf einem roten Platzset aus Plastik stehen - der Kontrast als Abgrenzung. Nach dem gleichen Prinzip soll der rote Toiletten-Deckel wirken. Weil Demente tendentiell weniger essen, soll es in der Bad Brückenauer Klinik künftig reichhaltige Häppchen als Fingerfood geben. Freilich, eine Standard-Lösung gebe es nicht, da sind sich Pflegedienstleiter Falk Riedel und Verwaltungsdirektorin Sabine Hein sicher. "Jeder Patient reagiert anders", sagt Falk Riedel. Farben und Symbolik wirken bei den meisten Menschen, egal ob gesund oder dement, meint er. Einiges anderes müsse man testen und ausprobieren. Nächste Woche will eine Architektin Ratschläge geben, was sonst noch angepasst werden könnte. Das Bild eines Bücherregals vor einem Ausgang, damit Patienten nicht ausbüxen? Wie und wo können Schatten vermieden werden, die oft Angst auslösen? Eine Einschränkung der Kranken will die Klinik nicht produzieren: "Unser Bestreben ist es, dementen Patienen größtmöglichen Freiraum zu bieten", sagt Sabine Hein.


Vertrautheit anstelle von Angst

Das Personal der Klinik wird geschult: Auf jeder Station gibt es einen Demenzbeauftragten mit einer Zusatzausbildung. Im nächsten Jahr sollen alle Mitarbeiter einen Lehrgang absolvieren, um den Umgang mit Demenzkranken zu optimieren. Auch die Kommunikation zwischen Klinik und Seniorenheim soll verbessert werden: In Zukunft soll in der Übergabe-Akte aufgeführt werden, welche Gewohnheiten und Rituale ein Demenzkranker hat. Welche Dinge geben ihm ein gutes Gefühl? Ein Foto auf dem Nachttisch, ein besonderes Kissen, ein Kuscheltier? Das Ziel: Vertrautheit schaffen, Ängste nehmen und für Entspannung sorgen. Viele Demente reagieren aggressiv, weil sie sich nicht verstanden fühlen, meint Sabine Hein. Stimme das Umfeld, könne Stress vermieden werden. Das mache auch die Versorgung einfacher.


Musik schafft Zugang

Schon jetzt kann mit Musik als Mittel vieles bewirkt werden, meint Stationsleiterin Astrid Brust. "Wenn Patienten sehr unruhig sind, kommen wir mit Musik besser an sie heran", sagt sie. Anderen tut eine Kurzgeschichte am Abend gut, erzählt sie. "Das ist ganz individuell."

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