RANNUNGEN (BAL)

Mehr eine Sache des Prestiges

Mit der Versteigerung des 26 Meter hohen Baumes ging an Sylvester das Planfest offiziell zu Ende.
Fast genau zwei Monate lang konnte man ihn bereits von weitem sehen. Neben dem Kirchturm ragte mit 26 Metern der am 14. Oktober errichtete Planbaum in die Höhe. Rückblickend auf das traditionelle Planfest, das in Rannungen nur alle zehn Jahre gefeiert wird, bleibt nur zu sagen, das dies ein besonderes Ereignis im Leben eines jeden aktiven Teilnehmers war.

Bereits vor zehn Jahren, so berichtete der Vorsitzende des Planvereins, Markus Bretscher, als die meisten der Planpaare die ersten Schuljahre erlebten, wurde zwischen manchen Schulkameraden schon ausgemacht, wer im Jahr 2000 mit wem um den Planbaum tanzen wird. Die Zuteilung der Planmädchen auf die Planburschen wird dann nach einer alten Tradition vorgenommen.

Demnach müssen die Planburschen ein Mädchen aussuchen, welches während der Festtage zu deren Seite steht und nicht nur als Tanzpartnerin fungiert. Ein ebenso alter Brauch ist es, dass am Plansonntag nach dem gemeinsamen Kirchgang zum Essen in der Familie der Plandame geladen wird.

Das bedeutet selbstverständlich, dass die Burschen eine besonders sorgfältige Auswahl zu treffen haben. Die Mädchen jedoch müssen, sofern sie an dem Planfest teilnehmen wollen, dem ersten Jungen, der sie zur gemeinsamen Teilnahme auffordert, ihre Zusage geben.

Nachdem sich nach einer langen Zeit des Suchens insgesamt 38 Paare gefunden hatten, standen ungefähr vier Monate vor dem Planfest die ersten Arbeitseinsätze an. Immergrün sammeln im Wald oder das Seile drehen  verfehlten ihre Wirkung nicht. "Es entstand", so Bretscher, "bei vielen ein Traditionsbewusstsein und Stolz auf die Heimat".

Die Tradition des Planvereines gründet in einer Anzahl von Protokollen vorausgegangener Kirchweih-Aktivitäten, die schließlich in eine Satzung mündeten. So dürfen beispielsweise die Jungen erst ab einem Alter von 16 Jahren im Planverein aufgenommen werden. Nach oben ist dem Alter keine Grenze gesetzt - die Burschen dürfen jedoch nicht verheiratet sein. Schon allein aus diesem Grund ist die Teilnahme am Planfest ein einmaliges Erlebnis im Leben eines Rannungers und wurde im Oktober auch dementsprechend gefeiert.

Nachdem der Planbaum, bestehend aus einer Tanne und einer Fichte, nun über zwei Monate das Ortsbild Rannungens schmückte, wurde er traditionsgemäß an Silvester gefällt. Fachkundige Männer, die schon vor einigen Jahren beim Planverein aktiv waren, aber auch alle verheirateten Männer legten Hand an und brachten den Baum innerhalb kürzester Zeit zu Fall.

Am Nachmittag fand sich eine stattliche Anzahl von Besuchern ein, die bei der Versteigerung kräftig mitboten. Nicht zum ersten Mal wurde die Versteigerung in professioneller Weise von Eugen Erhard geleitet. So wurden lautstark der Planbaum, das Keilholz, die Schwalben und die selbstgedrehten blau-weißen Seile an den Mann gebracht.

Nach der fachkundigen Einschätzung von Eugen Erhard bestand der Planbaum in diesem Jahr aus einem  prachtvollen Elitestamm  mit 1,8 Festmetern, während die Spitze  nicht so wertvoll  gewesen sei wie vor zehn Jahren. Doch im eigentlichen Sinne sei dies wohl eher ein "Prestigekauf" , sagte Erhard. Bei einem Grundgebot von 500 Mark glaubten die wenigsten, dass der Stamm mehr als die vor zehn Jahren erzielten 1080 Mark einbringen werde.

Doch mit erstaunlichen 2050 Mark ging die untere Hälfte des Planbaumes nach einem langwierigen Preiskampf in den Besitz von Erhard Holzapfel über. Es ging aber auch erheblich preiswerter. Schon für 35 Mark konnte sich der ein oder andere noch ein letztes Andenken an den Planbaum des Millenniums-Jahres 2000 ergattern.

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