Wartmannsroth

Mit 28 Herrin der Edelbrände

Landwirtstochter Franziska Bischof aus Wartmannsroth ist jetzt Bayerns jüngste Edelbrandsommelière. Sie wird das vom Urgroßvater gegründete Familienunternehmen weiterführen.
Nach erfolgreichem Abschluss einer dreimonatigen Ausbildung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erhielt sie kürzlich im bayerischen Landwirtschaftsministerium ihr Diplom ausgehändigt. Jetzt will sie die schon vom Urgroßvater gegründete Familienbrennerei weiterführen und auf die Zukunft ausrichten.
Als Franziska 2005 am Hammelburger Gymnasium ihr Abi tur machte, dachte sie noch nicht daran. Sie ging nach Italien, lernte im Intensivkurs die ihr völlig unbekannte Sprache und studierte anschließend an der Universität Brescia (Lombardei) internationales Marketing und Tourismusmanagement.

Zurück in die Heimat

Nach drei Jahren machte sie den Bachelor und arbeitete dann noch drei Jahre in Italien in der Automobilzulieferindustrie. Obwohl sich die junge Fränkin an die ihr ungewohnte Lebensart der Italiener gewöhnt hatte - "alles war zu laut, zu stressig, zu unorganisiert" - zog es sie Ende 2012 doch zurück ins heimatliche Wartmannsroth. Sie wollte ihre Heimatregion und den Weinbau touristisch vermarkten. "Die meisten Einwohner wissen doch gar nicht, welche Perlen sie hier haben." Heute arbeitet sie bei der Tourismus GmbH Bayerische Rhön als Produktmanagerin für die Allianz "Fränkisches Saaletal".
Noch etwas anderes wurde der Landwirtstochter nach der Rückkehr an den elterlichen Hof klar: Sie wird die Familienbrennerei weiterführen. Ihre beiden älteren Geschwister haben kein Interesse am landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters. Auch Franziska weiß: "Bäuerin werde ich nie." Aber etwas Getreide und die üppigen Streuobstwiesen braucht sie zur Weiterführung der Edelbrennerei Bischof.
Nicht erst seit ihrer Ausbildung zur Edelbrandsommelière kennt sich Franziska in diesem Fachgebiet bestens aus. Sie jong liert mit Fachausdrücken und spricht über den Wegfall des deutschen Brandweinmonopols am 30. September 2017. Wenn der Markt sich 2018 öffnet und die Preise instabil werden, "hilft nur absolute Qualität, um sich von der Masse abzusetzen", weiß sie. Deshalb startete auch das bayerische Landwirtschaftsministerium schon 2012 seine Qualitätsoffensive "Bayern Brand - wir brennen für Bayern" und fördert den Ausbildungsgang zum Edelbrandsommelier an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der heuer mit 19 Teilnehmern zum dritten Mal lief.

Die eigene Handschrift

Künftig sollen die Edelbrände aus der Brennerei Bischof "meine eigene Handschrift haben". Franziska will neue Produkte auf den Markt bringen und sich andere Geschmacksrichtungen ausdenken. Auch nach außen hin sollen modernere Flaschenformen und Etiketten der Familienbrennerei "ein moderneres Gesicht geben". In ein paar Jahren will Franziska sagen können: "Das ist mein Baby."
Auch über verbesserte Vertriebswege denkt Bayerns jüngste Edelbrandsommelière nach. Heute werden nur 20 Prozent über den Online-Shop verkauft, jeweils zehn Prozent gehen an heimische Gastronomen und ausgewählte Wiederverkäufer. Noch immer werden 60 Prozent der aus maximal 300 Liter Alkohol gewonnenen Edelbrände über Endverbraucher erwirtschaftet, die direkt auf dem Hof einkaufen. "Es ist mehr als ein Hobby", sind sich Tochter und Vater Bischof einig: Es steckt viel Arbeit in der Brennerei. Nur wenn die Eigenleistung nicht eingerechnet wird, fällt Gewinn ab.

Es geht nicht ums Geld

Für Franziska Bischof geht es aber nicht ums Geld. Auch sie würde die Brennerei nur nebenberuflich betreiben können. "Für mich zählt der Erhalt unserer Kulturlandschaft und die Stärkung der heimischen Region." Deshalb beteiligt sie sich auch am 18. und 19. Oktober mit Seminaren und Aktionen an den "Wartmannsrother Tagen der edlen Brände".

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