Oberbach

Mobilfunkmast in Oberbach sachlich diskutiert

Oberbacher diskutieren über Mobilfunk und favorisieren Mast nahe des Hochbehälters. Bürgermeister Gerd Kleinhenz möchte nicht, dass Ort gespalten wird.
Das Handy auch in den abgelegensten Winkeln zu nutzen, macht einen Standort auch touristisch attraktiver. Demgegenüber stehen die Sorgen von Teilen der Bevölkerung um ihre Gesundheit.  Symbolfoto: Tobias Hase/dpa       -  Das Handy auch in den abgelegensten Winkeln zu nutzen, macht einen Standort auch touristisch attraktiver. Demgegenüber stehen die Sorgen von Teilen der Bevölkerung um ihre Gesundheit.  Symbolfoto: Tobias Hase/dpa
Das Handy auch in den abgelegensten Winkeln zu nutzen, macht einen Standort auch touristisch attraktiver. Demgegenüber stehen die Sorgen von Teilen der Bevölkerung um ihre Gesundheit. Symbolfoto: Tobias Hase/dpa
Still schweigt das Handy an so einigen Ecken im beschaulichen Rhöndorf Oberbach. Doch die Mobilfunklöcher bereiten dem Wildfleckener Marktgemeinderat gehörig Kopfzerbrechen. Und nicht nur den Kommunalpolitikern. Denn das Mobilfunknetz ist in Oberbach so löchrig, dass Telefonieren mit dem Handy bisweilen zur Lotterie wird. So war es denn auch kein Wunder, dass im Haus des Gastes am späten Mittwochabend kein Platz mehr frei blieb, als es um die Planungen für einen eventuellen Mobilfunkausbau ging.

"Eure Fragen, eure Ängste, eure Anregungen und eure Sorgen sollen heute gehört werden", sagte Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW).


Diskussionen seit 2004

Bereits im Jahr 2004 hatte der Gemeinderat über einen neuen Mobilfunkmast in der Nähe von Oberbach diskutiert. Doch der damalige Standort wurde seinerzeit nach Bürgerprotesten und einer Unterschriftensammlung besorgter Bürger verworfen. Aber die Diskussion ist nicht zum Erliegen gekommen. "Ich wünsche mir nun eine sachliche, faire und ergebnisorientierte Diskussion", betonte Kleinhenz. "Ich möchte auf keinen Fall, dass der Ort in dieser Sache gespalten wird."

Der Rathauschef ging im Detail auf die Entwicklung des ländlichen Raums ein. "Ich als Bürgermeister muss mich darum kümmern, dass der Ort lebens- und liebenswert bleibt. Junge Familien schauen sich auch in anderen Orten nach Bauplätzen und Häusern um. Andere Kommunen kämpfen regelrecht um eine gute Mobilfunkversorgung. Nur, wer sich zukunftsorientiert aufstellt, hat langfristig eine echte Chance." Auch für den Tourismus sei die mangelhafte Mobilfunkversorgung in Oberbach hinderlich. "Wir tun alles Mögliche, um unsere Orte attraktiv zu gestalten. Dazu gehört meiner Meinung nach auch der Mobilfunk", konstatierte Kleinhenz.


Immer mehr Daten übertragen

Karin Erhardt von der Netzplanung der Deutschen Telekom ging auf die rasante Entwicklung der mobilen Kommunikation in den zurückliegenden Jahren ein. "Das Übertragungsvolumen an Daten hat massiv zugenommen. Die Nutzung verlagert sich weg von den Gesprächen und der SMS hin zur Datenübertragung." Die mobilen Netze müssten daher grundsätzlich auch auf dem Land noch besser ausgebaut werden.

Der nächstgelegene Mobilfunkmast ist rund 4,5 Kilometer von Oberbach entfernt am Totnansberg. Von dort aus könne Oberbach nicht mehr zeitgemäß versorgt werden. Erhardt erläuterte, welche Anforderungen ein neuer Standort für einen zusätzlichen Mobilfunkmast für Oberbach erfüllen müsste. Drei lang gezogene Seitentäler müssen versorgt werden. Das mache grundsätzlich einen deutlich erhöhten Standort erforderlich. Der Standort sollte auch zukunftssicher sein.

"Sonst haben wir auf kurz oder lang wieder eine Diskussion, weil wir einen weiteren Standort brauchen." Laut Erhardt wird ein rund 15 bis 20 Meter hoher Mast oberhalb der Umgehungsstraße nötig, um möglichst ganz Oberbach zu versorgen. Ideal sei der Bereich in direkter Nähe zum Wasserhäuschen. Das Grundstück ist im Eigentum der Gemeinde. Als mögliche Alternative nannte Erhardt das Pfarrhaus in Oberbach.

Es mache aber wenig Sinn, einen Standpunkt oberhalb des Pfarrheims anzupeilen, weil dann die Entfernung wieder ungünstig werde. Er machte deutlich, dass bei einer besseren Mobilfunkversorgung die Sendeleistung der Mobilgeräte deutlich geringer als bisher ausfallen wird. "Das ist sehr wichtig, weil ja mittlerweile fast jeder Bürger ein Handy bei sich am Körper trägt."


Über Standort abgestimmt

Es gab auch kritische Stimmen aus den Reihen der Zuhörer: Michael Kirchner von der Bürgerinitiative forderte die Gemeinde dazu auf, einen geeigneten Standort für einen Mobilfunkmast in einem unabhängigen, dialogischen Verfahren zu suchen. "Es muss uns allen darum gehen, einen Standort zu finden, der eine möglichst minimierte Belastung für die Bevölkerung bedeutet. Es geht uns nicht darum, den Mobilfunk in Oberbach zu verhindern. Es geht nur darum, die gesamte Bevölkerung möglichst effektiv vor Gefahren zu schützen." Kirchner machte auch darauf aufmerksam, dass Mobilfunkmasten im Regelfall von mehreren Anbietern gleichzeitig genutzt werden. Darauf könne man von Seiten der Bürger nur schwer Einfluss nehmen.

In einer Abstimmung sprach sich die deutliche Mehrheit der Versammlung für den Standort oberhalb der Umgehungsstraße in der Nähe des Hochbehälters aus. Kirchner kündigte dennoch an, dass die Bürgerinitiative wieder aktiv werden wird. Es könnte von Seiten der besorgten Bürger eine weitere Informationsveranstaltung geben. Am Ende wird der Gemeinderat über das weitere Vorgehen zu entscheiden haben.

Vorher referierte Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt über Grundzüge elektromagnetischer Felder und Untersuchungen gesundheitlicher Auswirkungen.


Gut untersucht

Ein heutzutage typischer Mobilfunkmast hat drei Hauptstrahlrichtungen, um drei Sektoren von einem Standort aus abzudecken.

"Wir haben es mit einem gut untersuchten Forschungsgebiet zu tun. Aufgabe von nationalen und internationalen Gremien ist es, auf Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse Grenzwerte und Sicherheitsabstände für Mobilfunkmasten festzulegen."


Immer wieder Bewertungen

Auch die Weltgesundheitsorganisation nehme bei diesem Thema immer wieder Bewertungen vor.
"Wir haben hier fachübergreifend einen großen Konsens, was die Grenzwerte betrifft." In der täglichen Praxis sei man sehr weit von den Grenzwerten entfernt. "Unterhalb der Grenzwerte bestehen nach den heutigen Erkenntnissen keine gesundheitlichen Risiken für den Menschen", so Kurz.

Die elektromagnetischen Felder, die von den Mobilfunkmasten direkt ausgehen, seien im Alltag keineswegs so relevant wie die körpernah betriebenen Geräte, also die Handys der Mobilfunknutzer selbst. "Wir müssen also ein großes Interesse daran haben, dass von den Mobilgeräten eine möglichst geringe Belastung ausgeht. Das Handy ist im Alltag die relevante Quelle für elektromagnetische Felder."


Abdeckung und Sendeleistung

Je besser die Versorgung und Abdeckung mit Mobilfunk sei, desto geringer falle die Sendeleistung der Handys aus. Im Gegensatz dazu sorge die unzureichende Netzabdeckung dafür, dass die Handys ständig mit voller Leistung senden müssen. Kurz riet allgemein dazu, bei Kleinstkindern eine eventuelle Handy-Nutzung zu beschränken. "Man kann sich schon mal darüber Gedanken machen, ob zum Beispiel ein Grundschüler den ganzen Tag am Handy verbringen muss."


Relevanz

Das Fazit von Kurz lautete: Der Mobilfunkmast als Basisstation habe auf den Bürger, der sich außerhalb des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes aufhält, deutlich geringeren Einfluss als das Handy, das sich ja zumeist in Körpernähe befindet.

Bereits schon ab 15 Metern Entfernung verliere der Sendemast an Relevanz für den Menschen.

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