Windheim

Münnerstadt: Thomas Reuß ist daheim jetzt Fast-Stadtrat

Der Windheimer Thomas Reuß kandidierte auf der Münnerstädter Liste für B'90/Die Grünen. Montagfrüh war er, laut vorläufigem Ergebnis, im Stadtrat drin - aber nicht lange.
Kommunalwahl: Die Stimmenverhältnisse haben sich nach dem Wahlabend hie und da erst zurechtrütteln müssen. In Münnerstadt herrschte am Montagnachmittag Klarheit darüber, wer künftig alles im Stadtrat sitzt.
Kommunalwahl: Die Stimmenverhältnisse haben sich nach dem Wahlabend hie und da erst zurechtrütteln müssen. In Münnerstadt herrschte am Montagnachmittag Klarheit darüber, wer künftig alles im Stadtrat sitzt.

Foto: Imago/Teutopress

"Es war mein erster Versuch, bei einer Kommunalwahl auf einer Liste anzutreten", sagt Thomas Reuß zu seiner Kandidatur 2020 für B'90/Die Grünen und lacht, wenn er an seine persönliche spannende Wahlnacht und das Wechselbad der Gefühle am darauffolgenden Montag denkt.

Möglichkeiten, sich politisch aktiv in die Kommunalpolitik einzubringen, hätte der 62-jährige Windheimer durchaus schon früher haben können, schließlich war er 30 Jahre lang SPD-Mitglied. Aber das habe ihn nicht gereizt. 2019 trat er bei den Sozialdemokraten aus, weil ihn der Hickhack um die Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz und zum Verbleib in der Großen Koalition genervt habe.

Platz 5 auf der Kandidatenliste

Als sich plötzlich der Kreisverband B'90/Die Grünen dafür interessierte, eine Liste für den Münnerstädter Stadtrat aufzustellen, fand er das ziemlich spannend, sagt Reuß im Gespräch mit dieser Redaktion. Er ging zur ersten Informationsveranstaltung der Partei im November in Münnerstadt. "Drei Wochen später hatten wir die Liste aufgestellt." Ihn habe man gefragt, ob er den Wahlkampf in Münnerstadt quasi managen wolle.

Thomas Reuß (Windheim) kandidierte auf der Liste von B'90/Die Grünen für den Stadtrat.
Thomas Reuß (Windheim) kandidierte auf der Liste von B'90/Die Grünen für den Stadtrat. Foto: Volker Martin

Auf der Kandidaten-Liste für den Stadtrat stand Reuß schließlich auf Platz fünf. Chancen, als grüner Windheimer ins Gremium gewählt zu werden, habe er sich nicht ausgerechnet, sagt Reuß. "Das war nicht mein Ziel." Denn schließlich kandidierte ja auch der Windheimer Klaus Schebler (Neue Wege) wieder für das städtische Gremium.

Interessehalber sei er aber am Sonntagabend doch mal ins örtliche Wahllokal gegangen, um herauszufinden, wie B'90/Die Grünen abschnitten. "Ich hab aber nicht viel erfahren", sagt Reuß. Zu Hause am Computer habe er dann lange die einschlägigen Wahlplattformen  durchforstet. "Als ich gegen 23.30 Uhr ins Bett ging, dachte ich, es würden zwei grüne Vertreter in den Stadtrat kommen."

"Ich glaub, ich bin drin"

Als er um drei Uhr nachts aufwachte, schaltete er den Computer dann doch noch mal ein und war, nach eigenen Angaben, verdutzt, denn das Stimmenergebnis sagte aus, dass die Grünen sogar drei Mitglieder in den Stadtrat gebracht hätten - und dass er selbst dann der Dritte im Bunde wäre. Der Haken an der Sache war jedoch, dass einer der 22 Stimmbezirke noch nicht ausgezählt war, sagt Reuß und schildert amüsiert die Reaktion seiner Frau am nächsten Morgen.

"Du, ich glaub ich bin drin", sagte er zu ihr, worauf sie scherzend "Um Gottes Willen!" rief. Kurze Zeit später rief Klaus Schebler bei ihm an und beglückwünschte ihn, weil er nun mit einem weiteren Windheimer im Stadtrat sitze, erzählt Reuß. Drei Mitglieder der Grünen müssten Sitze im Stadtrat ergattert haben, das konnte man sich auch am Montag um 11 Uhr auf der Wahlplattform im Internet anhand der Stimmenergebnisse von inzwischen 22 ausgewerteten Stimmbezirken ausrechnen, so Reuß weiter. Komisch sei nur gewesen, dass der Münnerstädter Stadtrat insgesamt auf der Ergebnisliste plötzlich statt 20 nun 21 Sitze hatte? 

"Nein, ich bin draußen"

Als er am Montavormittag in Münnerstadt beim Einkaufen war, hätten ihm etliche unterwegs schon gratuliert, sagt der Windheimer. Kaum zu Hause, klingelte das Telefon und eine Parteikollegin habe ihm schonend beigebracht, dass er aus dem Stadtrat "wieder draußen" sei, weil man sich offenbar beim Auswerten der Sitzverteilung geirrt habe.

Wie gewonnen, so zerronnen. "Einen Moment lang war ich schon enttäuscht, aber später auch wieder erleichtert", gesteht der 62-Jährige. Eines hätten B#90/Die Grünen mit ihrer Liste in Münnerstadt auf jeden Fall erreicht: "Die absolute Mehrheit von CSU und Neue Wege im Gremium ist gebrochen." Zudem habe er nun daheim einen neuen Spitznamen: "Meine Frau sagt jetzt immer 'Herr Fast-Stadtrat' zu mir."

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