BAD KISSINGEN

Nationalpark: Stadt will im Verfahren bleiben

Klauswald       -  Nationalpark-Debatte in Bad Kissingen: Mit dem Klauswald soll die Stadt ein Stück zur geplanten Gebietskulisse eines möglichen NP3 in der Rhön beisteuern.
Nationalpark-Debatte: Mit staatlichen Flächen im Klauswald ist Bad Kissingen von der geplanten Gebietskulisse eines möglichen NP3 in der Rhön betroffen. Foto: Siegfried Farkas

Zum Schluss fiel die Entscheidung klarer aus, als man es am Anfang erwarten konnte: Der Kissinger Stadtrat hat sich am Dienstag in einer Sondersitzung mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Rhön bei der Auswahl eines dritten Nationalparks für Bayern in die so genannte Konzeptphase eintreten „und dieser ergebnisoffen gegenüberstehen“ soll.

Fünf Gegenstimmen

Gegen den entsprechenden Vorschlag von OB Kay Blankenburg (SPD) hoben sich nur vier Hände aus den Reihen der CSU und dazu eine von den Freien Wählern. Leicht gemacht hatte Blankenburg den Räten die Zustimmung mit der Ergänzung, der Ausstieg aus dem Verfahren sei „bis zum Schluss der Konzeptphase jederzeit möglich“.

Wirtschaftliche Chancen

Aus Sicht des Oberbürgermeisters könnte Kissingen kaum einen größeren Fehler machen, als sich jetzt aus dem Verfahren zu verabschieden.

Man müsse die konkreten Konzepte für einen möglichen Nationalpark, die in der nächsten Phase erarbeitet werden sollen, erst gesehen haben, um definitiv entscheiden zu können:„Jetzt die Reißleine zu ziehen, ohne zu wissen, worum es genau geht, wäre verheerend.“

Starkes Argument

Ein wichtiger Grund weiterzumachen, ergibt sich für ihn auch aus dem Gutachten der Uni Würzburg zu den wirtschaftlichen Chancen der Region durch einen Nationalpark. Die Differenz zwischen möglichen Verlusten von 2,5 Millionen Euro auf der einen Seite und 27,5 Millionen Euro möglichem Zugewinn auf der touristischen Seite ist für ihn ein starkes Argument.

Fast noch eindeutiger hatte sich Dritter Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) positioniert. Kissingen liege am Rande eines Biosphärenreservats, lebe vom Tourismus und „könnte das mit dem Nationalpark noch toppen“. Vor diesem Hintergrund wäre es aus seiner Sicht völlig falsch gewesen, sich dem nächsten Schritt zu verschließen.

Dialog weiterführen

In der CSU-Fraktion waren die Meinungen ansonsten geteilt. Martina Greubel warb in einer Art Ansprache auch für einen Nationalpark. Andere waren, aus verschiedenen Gründen, dagegen. Fraktionssprecher Steffen Hörtler etwa wollte einerseits zwar „auf keinen Fall den Prozess beenden“. Ihm sei es aber wichtig, den aktuellen Dialog weiterzuführen und deshalb noch nicht in die nächste Phase einzutreten. Also stimmte er mit Nein.

Forstwirtschaftliche Gegenposition fehlte

Schon vor der Sondersitzung hatte Hörtler kritisiert, dass der forstwirtschaftliche Teil der Informationen von einem Mitarbeiter des Umweltministeriums kam, das auch das Thema Nationalpark selbst vorantreibt. Zusammen mit elf anderen Ratsmitgliedern hatte er sich als Gegenpol zu den angekündigten Erläuterungen pro Nationalpark kritische Informationen aus forstwirtschaftlicher Sicht aus der Region gewünscht. OB und Verwaltung hatten aber neben Ursula Schuster mit Karl-Friedrich Bartmann für die Forstthemen kurzfristig einen weiteren Vertreter des Umweltministeriums angekündigt. Manchen missfiel das, weil man von Bartmann kaum erwarten konnte, dass er die Gegenposition zu seiner Ministerin einnehmen würde.

Sachkundig

Im Verlauf der Sondersitzung erklärten die beiden Vertreter des Umweltministeriums dann in der Tat wortreich und sachkundig die Vorzüge eines Nationalparks und bemühten sich, wo vorhanden, Sorgen zu nehmen. Wie einzelne Stadträte danach bekannten, taten sie das zum Teil durchaus mit Erfolg. Schuster und Bartmann beschrieben das Projekt als Motor zur Entwicklung der regionalen Wirtschaft durch sanften Tourismus, das zudem selbst zusätzliche Arbeitsplätze schaffe. Einen Widerspruch zum bestehenden Biosphärenreservat sehen sie nicht, das sei eher eine Ergänzung. Gegen mögliche Schäden durch Wild wirke ein Wildtiermanagement. Die Befriedigung des üblichen Brennholzbedarfs aus der Region sei weiter gesichert. Was an Wegen nützlich und nötig sei, bleibe erhalten. Auch nach der Ausweisung des Gebiets behielten die betroffenen Kommunen Einfluss über die Einbindung in einem Nationalparkausschuss. Ohnehin werde dem Gebiet keine Käseglocke übergestülpt. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit werde geprüft, Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

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