Münnerstadt

Notsicherung am Dach der Zehntscheune

Die Zehntscheune in Münnerstadt macht ernsthafte Sorgen. Bei Arbeiten im Dachgeschoss hat sich gezeigt, dass der Dachstuhl instabil geworden ist. Klar ist: Die Stadt muss handeln. Wie schnell, wird ein statisches Gutachten klären.
Eine Plane schützt den Teil des Zehnt-scheunen-Daches, der in den vergangenen Tagen abgedeckt wurde. Was darunter zum Vorschein kommt, ist erschreckend. Die Schäden am Dachstuhl sind so gravierend, dass sofort eine Notsicherung dieser Teilfläche eingeleitet werden musste."Da bekommt man es mit der Angst zu tun", resümiert der Sanierungsbeauftragte der Stadt Münnerstadt, Dag Schröder, die Situation.
Doch der richtig große Brocken steht noch aus. Schäden im Bereich der Dachgauben ziehen sich durch den gesamten Dachstuhl. Momentan prüft der Münnerstädter Statiker Peter Wolf, ob sich das Dach vorübergehend so sichern lässt, damit mit der eigentlichen Sanierung bis zum nächsten Jahr gewartet werden kann und die Stadt Zeit hat, die Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Suche nach neuer Nutzung

Überlegt wird, die Zehntscheune in das Stadtumbau-West-Programm aufzunehmen. Denn es gibt weitere Probleme. Als Feuerwehrgerätehaus kann das historische Gebäude (Entstehungszeit: 1648 - 1699) auf Dauer nicht mehr genutzt werden. Das habe die Regierung von Unterfranken deutlich gemacht, so Blank. Deshalb erarbeitet Sanierungsbeauftragter Dag Schröder ein zukünftiges Nutzungskonzept.Bürgermeister Helmut Blank könnte sich dort beispielsweise einen Bürgersaal vorstellen.

Sanierung unvermeidlich

Doch erst einmal hat das sichere Dach Vorrang. Bei der genaueren Begutachtung der abgedeckten Fläche hat sich gezeigt, dass sich das Gesims um etwa 30 bis 40 Grad gesenkt hat und nach vorne fällt. "Damit entsteht eine nicht ungefährliche Situation", beschrieb Dag Schröder in einer schriftlichen Expertise Ende März die Situation. Die Konstruktion sei nur noch von ein paar rostigen Nägeln gehalten worden, erläutert Dag Schröder auf Anfrage der Zeitung. Er spricht von "unwahrscheinlichen Schäden".
Zimmermeister Christian Radina führt die Schäden am Gesims unter anderem auf die besondere Dachkonstruktion zurück, die starken Druck auf das Gesims ausübt. An der jetzt geöffneten Stelle ist das Gesims zwischenzeitlich so gesichert, dass es nicht mehr wegbrechen kann. Helmut Blank bestätigt, dass diese Gefahr tatsächlich gegeben war.

Morsche Balken durch Wasser

Aber es gibt noch ein weiteres Problem. Zimmerer und Sanierungsbeauftragter haben festgestellt, dass die massiven Schäden auch durch undichte Dachgauben entstanden sind. Über Jahrzehnte ist dort Wasser eingedrungen und hat sich seinen Weg zum tragenden Gebälk gesucht. Selbst schwere Eichenbalken sind völlig morsch geworden. Wie lange diese Schäden bestehen, lässt sich nicht sagen. Niemand konnte das ohne die genaue Nachschau erkennen. In den Ecken des Dachbodens lagerten alte Ziegelreste und sonstiger Bauabfall. Erst als dieser jetzt beseitigt worden ist, kamen die Schäden zum Vorschein. Der Bauschutt hatte nach Ansicht Radinas ein ideales Klima für den Verrottungsprozess des Holzes geschaffen, denn die eingedrungene Feuchtigkeit konnte nicht abtrocknen.

Die Größe ist das Problem

Das Problem bei der Dachsanierung ist die Größe des Gebäudes. Auf einer Dachlänge von rund 60 Metern befinden sich sowohl auf der Süd-, als auch auf der Nordseite auf zwei Ebenen insgesamt 48 Gauben, die alle schadhaft sind und erneuert werden müssen. Alleine für deren Reparatur müsse man mit Kosten von 2000 Euro pro Dachgaube rechnen, hat Dag Schröder in seiner Expertise geschrieben. Die weitere Sanierung der morschen Dachbalken und des wackligen Gesims ist noch gar nicht beziffert.

Sind alle Gauben nötig?

Dag Schröder wirft so in seinem Schreiben die Frage auf, ob alle Gauben tatsächlich benötigt werden. Bürgermeister Helmut Blank hat dazu eine klare Meinung. Für ihn sind diese Gauben auf dem Dach ortsbildprägend. "Wenn die weg wären, wäre das für mich katastrophal".
Für den Zimmerer Christian Radina sind solche Schäden nicht außergewöhnlich bei historischen Dachstühlen. Problem im Fall der Zehntscheune sei vor allem die Größe das Gebäudes. Die Arbeiten seien dadurch langwierig und kostenintensiv, meint er. Eine Schätzung, was Dachstuhl-Sanierung letztendlich kosten könnte, wagt Radina noch nicht, da er mitten in den Untersuchungen steckt. Diese sollen eine Grundlage für die Ausschreibungen der Dachsanierung sein.
Bei den jetzt laufenden Untersuchungen zum Schadens-Ausmaß am Dach hat es für Dag Schröder eine weitere Überraschung gegeben. Die Dachziegel sind uralt. Sie stammen nach Auskunft Schröders noch aus dem frühen 19. Jahrhundert oder sogar aus dem 18. Jahrhundert und sind von Hand geformt. Diese Ziegel sollen nach Meinung Schröders auf jeden Fall wieder aufs Dach.




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