Nüdlingen

Nüdlingen: Internationale Auszeichnung für Spitzen-Schokolade

Arno Wielgoss und Frauke Fischer sind stolz, denn die Schokoladen von Perú Puro bekamen in Guatemala Silber und Bronze. Das neue Projekt in Peru lässt sich gut an.
Kakao-Ernte im peruanischen Urubamba-Tal: Aus solchen Bohnen wird bei einem Schweizer Chocolatier weltbeste Schokolade hergestellt. Foto: Archiv Arno Wielgoss

Das Start-up-Unternehmen Perú Puro (Sitz Frankfurt) von Arno Wielgoss räumte mit seinen Chuncho-Gold-Schokoladen vor ein paar Tagen im Finale der International Chocolate Awards gleich drei Medaillen ab. Aktuell plant der gebürtige Nüdlinger übrigens, zusammen mit seiner Kollegin Frauke Fischer, die Weiterverarbeitung der Kakaobohnen vor Ort in Peru, denn sein Antrag beim Bundesentwicklungsministerium auf Fördergelder war relativ schnell positiv beschieden worden.

Nicht jeder kann an diesen Weltmeisterschaften teilnehmen. Wer dort mit seiner Schokolade antritt, muss zuvor schon einmal auf größerer Ebene ausgezeichnet worden sein. Wie Wielgoss eben, der schon im Vorentscheid zu diesen internationalen Schoko-Meisterschaften mit seinen Produkten aus zertifiziertem peruanischen Edel-Kakao Silber und Bronze geholt hatte.

Jungunternehmer Dr. Arno Wielgoss hält bei seinem Vortrag im Bad Kissinger Gymnasium eine Kakao-Frucht in die Kamera. Foto: Archiv Martin Warmuth

Eine ganz besondere Nacht

Die Nacht zum 19. November 2019 war für Wielgoss und Fischer denn auch eine ganz besondere, denn in Antigua (Guatemala) wurden die Medaillen vergeben. "Wir waren natürlich eingeladen, aber als ökologisches Unternehmen wollten wir deswegen nicht nach Südamerika fliegen." Der Agrar-Ökologe hat jedoch in Guatemala Freunde. Und so kam es, dass in Antigua dann doch jemand auf die Bühne kam und die Preise für Perú Puro entgegennahm. "Wir haben das Ganze von hier aus per Live-Stream auf Facebook verfolgt - und dazu natürlich einen schönen, heißen Kakao getrunken."

Neben der Silbermedaille für die dunkle Chuncho Gold mit 70 Prozent Kakaoanteil und der Bronzemedaille für die Vollmilchschokolade mit 52 Prozent Kakao, heimste Wielgoss mit der Chuncho Gold 70 Prozent überdies Silber in der besonderen Kategorie "Taster’s Finalist" des International Institute of Chocolate and Cacao Tasting ein.

Schokolade blind verkosten

Was das genau bedeutet? Eine Reihe von frisch ausgebildeten Schokoladen-Sommeliers aus aller Welt vergibt diesen zusätzlichen Preis nach bestimmten Kriterien. Die knackigen Tafeln werden üblicherweise "doppelt blind" verkostet, sagt Wielgoss. Das heißt, der jeweilige Sommelier weiß nicht, welche Schokolade er probiert und auch derjenige, welcher die Kako-Tafel zum Verkosten bereitstellt, weiß nichts über den Hersteller.

Für den Laien ist klar: So ein Sommelier hat's gut. Denn wenn er die Schokolade verkostet, prüft er nicht nur den Geschmack, das Mundgefühl und ob es auch etwas knackt, wenn man auf das Schoko-Plättchen beißt. "Es ist ein bisschen wie beim Wein, beim Verkosten gibt man Acht auf den Hauptkörper und ob die Schokolade auch einen Nachgang hat", sagt Wielgoss.

Freude auf das neue Projekt

Der Nüdlinger unterstützt seit etwa 15 Jahren Kakao-Bauern in den peruanischen Anden darin, ökologische Landwirtschaft zu betreiben und mit ihren zertifizierten Fairtrade-Produkten auch angemessene Preise zu erzielen. Inzwischen lässt er in einer Schweizer Manufaktur aus dem hochwertigen peruanischen Ur-Kakao Schokolade herstellen. Perú Puro handelt den Kakao also ohne Zwischenhändler und zahlt den 45 Kleinbauern der Kooperative das Doppelte des Mindest-Bio-Fair-Trade-Preises, erklärt der tropische Agrar-Ökologe.

Ein Bauer der Kooperative im Urubamba-Tal erntet Kakao-Früchte. Foto: Archiv Arno Wielgoss

2020 realisiert Wielgoss in Peru ein neues Projekt: Die Weiterverarbeitung der Kakao-Bohnen, das heißt, das Rösten, Schroten, Abtrennen der Schalen und die Weiterverarbeitung zur Kakao-Masse, wird nun bald direkt vor Ort durchgeführt. Die Anlage soll von den Mitgliedern der Frauen-Kooperative betrieben werden, sagt der Nüdlinger. Somit könnten dann die Frauen erstmals einen eigenen, monetären Beitrag zum Familieneinkommen leisten.

Weiterverarbeitung vor Ort

Das Bundesentwicklungsministerium reagierte positiv auf die Anfrage wegen Fördermitteln. Aus der sogenannten Schmitz-Stiftung wurden 25 000 Euro für Perú Puro bewilligt. 10 000 Euro spendete der Nüdlinger Verein "Frederic Hilfe für Peru". Inzwischen sind die Maschinen für eine kleine Anlage zur Weiterverarbeitung der Kakaobohnen bestellt. Im Februar fliegen Wielgoss und Fischer nach Peru, um die Frauen in die Nutzung der Maschinen einzuweisen. Die Kakaobohnen der Ernte 2020 können dann schon vor Ort weiterverarbeitet werden, sagt der Nüdlinger stolz.

Am 24. November ab 19 Uhr berichtet Wielgoss bei der Veranstaltung des Vereins "Frederic Hilfe für Peru" in der Alten Schule in Nüdlingen über das, was er inzwischen in Peru und in Deutschland bewegt hat. Und er erklärt, was es mit seiner Weihnachtsaktion "900 Schoko-Kisten für 900 Hektar Regenwald" auf sich hat.

Infos: www.internationalchocolateawards.com, www.perupuro.de, www.frederic-hfp.de

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