BAD KISSINGEN

Pack den Tiger in den Tank

Kraftstoffe: Auch im Landkreis wurde bleifreies Benzin einst als umweltfreundlich propagiert. Bis heute gelten Biodiesel und Erdgas als umweltverträglich. Doch jetzt kommt das „saubere“ Elektroauto.
Erdgas-Busse       -  _

Von einem Boom der Elektroautos ist zwar im Landkreis Bad Kissingen noch nichts zu spüren. Dennoch gab der Kreistag vor Kurzem ein Interkommunales Elektromobilitätskonzept in Auftrag, das vom Freistaat gefördert wird. Stromer, die nun bald ohne Auspuff auskommen, sind politisch gewollt. Nahezu weltweit setzt man nämlich – dem Klima zuliebe – nun darauf, dass bis 2030 Fahrzeuge fossile Brennstoffen nicht mehr zugelassen werden. Das Umweltbewusstsein spielte auch in der Vergangenheit stets eine Rolle, wenn neue Kraftstoffe ins Gespräch kamen. Kommunen und Landkreise gingen oft mit gutem Beispiel voran, wie ein Blick ins Foto-Archiv dieser Redaktion zeigt.

Als Stadt und Landkreis Bad Kissingen zum Beispiel im November 1984 in Bad Kissingen die erste Zapfsäule der Stadt vorstellten, an der man „Bleifrei“ tanken konnte, wurde auch propagiert, dass die Bürger nun die Möglichkeit hätten, mit dem Tanken von „Bleifrei“ einen „Beitrag zur Umwelt“ zu leisten.

Dabei verbarg sich hinter der Marke „Bleifrei“ nur eine Benzin-Sorte, der keine bleihaltigen Klopfschutzmittel zur Verbesserung der Oktanzahl mehr zugesetzt wurden. Damals war bekannt geworden, dass wasserunlösliche Bleiverbindungen sich besonders in der Nähe von Straßen an der Vegetation ablagerten. Das heißt, sie banden sich auch an Feldfrüchte, Obst und Weidegras für Milchvieh und gelangten in die Nahrungskette.

Von bleifreiem Benzin zu Biodiesel

In den 1980er Jahren hatte auch das Waldsterben allgemein zu einem steigenden Umweltbewusstsein beigetragen – insbesondere eben auch, was den Verkehr anging. Mit einer Änderung des bundesdeutschen Benzin-Bleigesetzes im Dezember 1987 wurde bleihaltiges Normalbenzin kurze Zeit später verboten. Aufgrund der gesunkenen Nachfrage wurde 1996 der weitere Verkauf auch von bleihaltigem Superbenzin eingestellt. In der ganzen EU darf seit 2000 kein verbleiter Ottokraftstoff mehr verkauft werden.

Schließlich waren in den 1990er Jahren nachwachsende Rohstoffe als Kraftstoff für Fahrzeuge stark im Kommen. Es gab zum Beispiel einen breiten gesellschaftlichen Konsens zur Einführung des Biodiesels auch in Deutschland. Man warb damit, dass er keinen Schwefel enthalte, weniger schädliche Emissionen verursache und biologisch abbaubar sei. Zudem schone er den Motor.

Im Landkreis Bad Kissingen zog im Juli 1999 auch der damalige Landrat Herbert Neder die Arbeitshandschuhe an und tankte im Oerlenbacher Bauhof offiziell zum ersten Mal seinen  neuen Dienst-Audi  mit Bio-Diesel auf (siehe Bild im Text, Mitte). Allzu viele Möglichkeiten, diesen Kraftstoff zu tanken, gab es 1999 im Landkreis zunächst allerdings nicht: Außer zwei nicht-öffentlichen Zapfsäulen im Kreisbauhof und im gemeindlichen Bauhof in Oerlenbach, die der Landkreis nutzte, gab es damals lediglich in Nüdlingen eine öffentliche Tankstelle.

Der Anteil des Biodiesels, der damals steuerlich vom Bund gefördert wurde, stieg für einige Jahre kontinuierlich an und erreichte 2007 den Spitzenwert von 12 Prozent am deutschen Dieselkraftstoffmarkt, wobei der Kraftstoff besonders von Speditionen genutzt wurde (50 Prozent). Nur sieben Prozent wurde über Tankstellen verkauft.

Seit 2009 wird in Deutschland herkömmlichem Diesel bis zu sieben Prozent Biodiesel beigemischt. Durch den Rückgang der steuerlichen Förderung seit Januar 2013 sank der Absatz von Biodiesel als Reinkraftstoff allerdings in Deutschland erheblich.

Mitte der 1990er Jahre machte die Stadt Bad Kissingen mit einem anderen, umweltfreundlichen Kraftstoff auf sich aufmerksam: Drei  Erdgas-Busse  waren ab August 1995 im innerstädtischen Liniennetz unterwegs. Es handelte sich seinerzeit um die ersten dieser Art im Regierungsbezirk Unterfranken.

Nach Angaben des damaligen Bad Kissinger Oberbürgermeisters Christian Zoll wollte die Stadt damit „ein Zeichen für den Umweltschutz“ setzen, da die Erdgas-Busse bis zu 80 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen würden, hieß es damals bei der Präsentation der neuen Fahrzeuge.

Erdgas verbrennt sauberer als Benzin oder Diesel, sagten die Fachleute. Und man prognostizierte, Erdgas sei doppelt so lange verfügbar wie Erdöl. Daher begann man, den Einsatz als Kraftstoff auch politisch zu fördern. So rief der Freistaat 1997 zum Beispiel auch die „Erdgas-Modellstadt Bayern“ aus – und Bad Kissingen war, zusammen mit zwei weiteren Staatsbädern – mit von der Partie.

Richtig durchsetzen konnte sich, zumindest das Erdgas-Auto, allerdings bis heute hierzulande nicht. Im Jahr 2018 waren im gesamten Landkreis Bad Kissingen insgesamt nur 127 Erdgas-Fahrzeuge zugelassen. Die Tankstellen wurden teilweise schlecht genutzt und einige deshalb jüngst geschlossen, wie zum Beispiel die in Bad Brückenau.

Vom Erdgas-Bus zum E-Bus

Inzwischen setzt man von Seiten der Kommunen und des Kreises eher auf Stromer. Die Bad Kissinger Stadtwerke haben schon vor zwei Jahren ein  Pilotprojekt für E-Busse  angekündigt. Im Landkreis Bad Kissingen waren Ende 2018 immerhin schon 190 Elektro-Fahrzeuge zugelassen, davon ein Großteil Dienst- und Baufahrzeuge. Ein reines E-Auto als Dienstauto hat Landrat Thomas Bold zwar noch nicht, wie er sagt. Aber im Landratsamt werde seit einiger Zeit ein Hybrid-Fahrzeug genutzt.

Das Potenzial, Flottenfahrzeuge gegen E-Mobile auszutauschen ist durchaus groß. In Bad Neustadt ging unlängst der erste elektrische Nessi-Stadtbus an den Start. Auch die DB Regio Bus testet gerade die ersten E-Busse für den Überlandverkehr. Einer davon machte jüngst in Oberthulba Halt, und Landrat Thomas Bold lud Interessierte zu einem Info-Nachmittag ein.

Ob wir alle 2030 tatsächlich elektrisch fahren, hängt freilich auch davon ab, ob die Autohersteller alltagstaugliche Fahrzeugtypen auf den Markt bringen. Da geht es um lange Reichweiten und Versorgungssicherheit. Das heißt, ein bundesweit dichtes Netz an Ladestationen ist ebenfalls Voraussetzung dafür, dass der E-Mobil-Verkehr dann reibungslos funktioniert.

1999 betankte der frühere Landrat Herbert Neder den Dienstwagen erstmals mit Bio-Diesel (mit Wolfgang Georgi).
1999 betankte der frühere Landrat Herbert Neder den Dienstwagen erstmals mit Bio-Diesel (mit Wolfgang Georgi). Foto: I. Krapf
So ändern sich die Zeiten: 1984 stellte Landrat Marko Dyga die erste Bad Kissinger Bleifrei-Zapfsäule vor(mit im Bild die Bürgermeister Horst Arand und Hans Karbacher sowie Tankstellenbesitzer Willi Knittel.
So ändern sich die Zeiten: 1984 stellte Landrat Marko Dyga die erste Bad Kissinger Bleifrei-Zapfsäule vor(mit im Bild die Bürgermeister Horst Arand und Hans Karbacher sowie Tankstellenbesitzer Willi Knittel. Foto: S. Otremba
2019 fährt Landrat Thomas Bold auch gelegentlich mal mit diesem Dienstfahrzeug, einem Audi e-tron.
2019 fährt Landrat Thomas Bold auch gelegentlich mal mit diesem Dienstfahrzeug, einem Audi e-tron. Foto: Isolde Krapf

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