LKR. BAD KISSINGEN

Pflegeeltern von rumänischem Mädchen schreiben Horst Köhler

(swg) Einen rund zehnminütigen Beitrag von Spiegel-TV-Magazin über das von der Rückführung nach Rumänien bedrohte Mädchen aus dem Landkreis Bad Kissingen sendete RTL am Sonntagabend. Zu Wort kamen darin die Pflegemutter, die leiblichen Eltern, die Vermittlerin, unter deren Federführung das Mädchen vor drei Jahren nach Deutschland gebracht wurde, eine Vertreterin des Jugendamtes in Temesvar sowie der Direktor des Amtsgerichts Bad Kissingen, Matthias Göbhardt.

Die deutsch-rumänische Vermittlerin, die eigentlich in Hammelburg gemeldet ist und die das Fernsehteam in Rumänien ausfindig gemacht hatte, wies im Gespräch mit Reporter Detlev Konnerth ebenso wie schon im Verfahren vor dem Schöffengericht Bad Kissingen jegliche Schuld am Schicksal des Mädchens von sich. Das Gericht unter dem Vorsitz von Göbhardt hatte die Frau wegen versuchten Kinderhandels Anfang 2009 schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe und zu Arbeitsstunden verurteilt. Die Verteidigerin der Frau war allerdings in Berufung gegangen. Ein Termin für die Verhandlung am Landgericht Schweinfurt steht noch nicht fest.

In dem Fernsehbeitrag zeigten sich die leiblichen Eltern von Tränen erschüttert, als Konnerth ihnen Aufnahmen ihres Kindes vorspielte. Sie leben in einer ländlichen Gegend in der Nähe der Stadt Temesvar mit zehn Kindern in sehr ärmlichen Verhältnissen. Eine 16-jährige Tochter war zu sehen, wie sie ein Baby stillte. In dem Bericht äußerten die Eltern einerseits Sehnsucht nach dem in Deutschland lebenden Mädchen, sagten aber auch aus, dass es dem Kind bei seiner Pflegefamilie besser gehe als es bei ihnen der Fall wäre.

Ungeachtet dessen will der rumänische Staat das Kind zurückholen, weil es sich nach Rechtslage des EU-Landes illegal in Deutschland aufhalte, erklärte eine Vertreterin des Jugendamtes in Temesvar vor der Kamera. Die Rückführung solle so schnell wie möglich vollzogen werden, so die Frau.

Kissingens Amtsgerichtsdirektor Göbhardt äußerte in dem Fernsehbericht sein großes Bedauern über die menschliche Tragik des Falls. Er wies aber auch darauf hin, dass deutschen Behörden rechtlich die Hände gebunden seien und das Kind wohl nach Rumänien zurück müsse, weil es Bürger dieses Landes sei.

Brief an den Bundespräsidenten

Die Pflegeeltern haben sich inzwischen mit einem Schreiben auch an Bundespräsident Horst Köhler gewandt. „Wir müssen nach ganz oben, wenn uns unten niemand hilft“, so die Pflegemutter in einem Telefonat mit der Main-Post. Eine Anfrage dieser Zeitung an das Rumänische Generalkonsulat in München, bei dem auch Landrat Thomas Bold wegen des Falles interveniert hatte, blieb bislang erfolglos.

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