LKR. BAD KISSINGEN

Pflegekind aus Rumänien: Hilft ärztliches Attest?

(swg) „Die Ungewissheit ist schwer erträglich“. Bei der Familie aus dem Landkreis Bad Kissingen, die die Rückführung ihres Pflegekindes nach Rumänien verhindern will, sind nach Auskunft der 42-jährigen Pflegemutter bislang keine Mitteilungen von Behördenseite eingegangen. Dies teilte sie am Dienstag im Gespräch mit der Main-Post mit.

Die Frau gibt sich allerdings weiterhin kämpferisch. „Aufgeben ist nicht drin. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Die Familie ist nach Auskunft der 42-Jährigen mittlerweile im Besitz eines ärztliches Gutachtens, welches das Kind als nicht reisefähig einstuft.

Gutachten: Kind nicht reisefähig

Eine Rückführung des Kleinkindes sei derzeit nicht zu verantworten, weil dies eine schwere körperliche und psychische Belastung für das Kind bedeuten würde, heißt es nach Auskunft der Pflegemutter in dem Gutachten.

Wie Stefan Seufert, Pressesprecher des Landratsamtes auf Anfrage mitteilte, „kann ein solches Attest nicht ignoriert werden“. Das Landratsamt sei hier zunächst aber nicht tangiert. „Da ist das rumänische Generalkonsulat zuständig.“ Seine Behörde werde nur im Rahmen der so genannten Amtshilfe tätig, falls entsprechende Anfragen von Seiten des rumänischen Staates eingingen.

Behördenweg braucht Zeit

Ein Szenario, wonach das Kind von einem Tag auf den anderen plötzlich abgeholt und mitgenommen würde, befürchtet Seufert nicht. „Jedes Konsulat muss deutsches Recht achten.“

„Es muss eine diplomatische Lösung für das Kind gefunden werden“, betonte Seufert erneut. „Es geht um seine Zukunft, die lässt uns ja nicht kalt.“ Von Seiten des rumänischen Generalkonsulats gebe es noch keine Rückmeldung zur Anfrage von Landrat Thomas Bold, so Seufert. Dies sei aber nichts Ungewöhnliches. „Der Behördenweg braucht einfach eine gewisse Zeit.“

Das Schicksal des Mädchens, das 2006 illegal nach Deutschland vermittelt wurde und seine leiblichen Eltern nicht kennt, erregt auch im Internetportal der Main-Post die Gemüter. So kommentiert ein Leser aus St. Veit in Österreich: „Sicher sind hier Fehler passiert. Fehler aber von Erwachsenen und nicht von dem Kind. Bestraft wird hier ja das Kind.“ Der Mann erwägt gar eine Unterschriftenaktion, um das Bleiben des Mädchens in Deutschland zu sichern.

Der Fernsehsender RTL hatte am Sonntag einen Beitrag über das Mädchen im Spiegel-TV-Magazin gesendet. In dem Bericht sagten die leiblichen Eltern, das Kind sei bei den Pflegeeltern besser aufgehoben als bei ihnen. Demgegenüber will das Jugendamt in Temesvar das Kind aber zurückführen, war dem Fernsehbeitrag eines rumänienstämmigen Reporters zu entnehmen.

Eine ursprünglich von den Pflegeeltern angestrebte Adoption ist rechtlich nicht möglich. Adoptionen aus Rumänien sind nur zwischen nächsten Verwandten erlaubt.

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