Bad Kissingen

Reha wird oft noch unterschätzt

Beim Kongress der baden-württembergischen Reha-Zentren im Bad Kissinger Regentenbau wurde die Diskrepanz zwischen Hight-Tech-Medizin einerseits und Vernachlässigung der Nachsorge heftig kritisiert.
Bad Kissingen — Nach Ablauf des ersten von drei Kongresstagen traf sich am Mittwochabend nur eine recht überschaubare Zahl der 220 Teilnehmer im Großen Saal des Regentenbaus zur offiziellen Eröffnung des bis Freitag dauernden 6. Reha-Kongresses der baden-württembergischen Reha-Zentren. Schon seit dem Vormittag hatten zehn namhafte Mediziner und Therapeuten über die Nachbehandlung von Krebspatienten sowie über die Diskrepanz von Einsatz teuerster High-Tech-Medizin bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Patientenseele gesprochen.
Gerade die psychologische Betreuung von Krebspatienten habe in der Rehabilitation eine wichtige Funktion, machte Gastgeberin Monika Reuss-Borst, Chefärztin der Reha-Klinik am Kurgarten, als wissenschaftliche Leiterin des Kongresses in ihrer Begrüßung deutlich. Die Liegezeiten in den Kliniken wären heute von ökonomischen, nicht von medizinischen Faktoren abhängig, kritisierte sie und fragte: "Wer übernimmt Verantwortung für den Patienten?" Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient müsse verbessert werden. Denn: "Die ärztliche Einschätzung des Gesundheitszustands unterscheidet sich oft erheblich von der des Patienten."
Miteinander zu sprechen sei gerade bei einer Krebserkrankung wichtig. Darin war sich Reuss-Borst mit Karin Renner einig. Die Bezirksrätin hatte in ihrem Grußwort auf die in den vergangenen 30 Jahren stark gestiegenen Überlebenschancen verwiesen. "Auch darüber muss man reden", sagte Renner, ebenso wie über die sich daraus ergebenden Folgen für die anschließende Rehabilitation. "Die Reha entscheidet über das Weiterleben."

Kritik an Andrea Nahles

Damit sprach sie der Geschäftsführerin aller baden-württembergischen Reha-Zentren, Constanze Schaal, aus der Seele. Diese hatte zuvor die Politik und allen voran Sozialministerin Andrea Nahles attackiert. Rehabilitation sei der Bundesministerin bei ihren öffentlichen Auftritten keine Silbe wert. Dabei sei doch der Staat verantwortlich: "Rehabilitation ist eine gesetzlich verankerte Aufgabe" und diene der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung.
"Was ist die Politik denn bereit, für die Erfüllung dieses gesetzlichen Auftrags zu zahlen?", fragte Schaal und gab gleich selbst die Antwort: Nur fünf Prozent des Gesundheitsbudgets fließen in die Reha. Eine öffentliche Debatte sei deshalb längst überfällig, "damit die Politik konkret für die Rehabilitation eintritt". Politik und Regierung müssten zur Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags ihre bisherigen Versäumnisse durch Abbau von Hürden wiedergutmachen.
Oberbürgermeister Kay Blankenburg bezeichnete seine Grüße als "Verneigung vor der Reha und den baden-württembergischen Reha-Zentren". Er sei dankbar, dass Baden-Württemberg sich die Klinik am Kurgarten "in der unterfränkischen Kolonie" als einzige Einrichtung außerhalb des eigenen Bundeslandes leiste. Aber es lohne sich, wie auch Kurdirektor Frank Oette mit Wort und Werbefilm zu beweisen versuchte.

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