Westheim bei Bad Kissingen

Reifen Müller wächst um zwölf Filialen

Das Unternehmen hat in diesem Jahr nicht nur seinen Standort in Westheim ausgebaut. Es bekommt jetzt auf einen Schlag auch gleich zwölf neue Niederlassungen dazu.
Der Herbst bring die Autobesitzer wieder auf Trab: Jetzt gilt es, die Reifen zu wechseln, um auf Frost und Schnee vorbereitet zu sein. Aber auch in die Branche selbst kommt Bewegung. Dafür sorgt Reifen Müller.

Das Unternehmen hat vor wenigen Tagen die Filialen der seit Februar insolventen Reifen Ihle Service GmbH gekauft. Reifen Müller hat bisher 30 Standorte, schwerpunktmäßig im Raum Nordbayern, Thüringen, Hessen. Jetzt kommen zwölf Niederlassungen zwischen Ulm und Augsburg hinzu.

Seit 1966, seit der Eröffnung der ersten Verkaufsstelle in Bad Brückenau, hat sich das Filialnetz von Reifen Müller schrittweise ausgedehnt. Dass der Reifenhändler jetzt auf einen Schlag so stark expandiert, ist neu, wie Geschäftsführer Klaus Müller zugibt. Durch die Insolvenz des Mitbewerbers habe sich einfach die Gelegenheit dazu ergeben.

Betrieb übernimmt die Mitarbeiter

Der Geschäftsbetrieb der Ihle-Filialen geht offiziell zum 1. Januar 2015 auf den neuen Eigentümer über. Reifen Müller übernimmt alle rund 100 Mitarbeiter der Verkaufsstellen mit Werkstatt, wie die Augsburger Allgemeine unter Berufung auf den Insolvenzverwalter berichtete. Bisher zählt der Westheimer Reifenhändler laut Geschäftsführer insgesamt rund 420 Mitarbeiter.

Auch die neuen Filialen werden von der Logistik- und Verwaltungszentrale im Westheimer Industriegebiet Saaletal aus versorgt und geleitet. Dort hat das Unternehmen seine Lagerkapazitäten in den Frühjahr- und Sommermonaten ausgebaut. Müller will dabei die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landratsamt unbedingt erwähnt wissen.

Die Erweiterung war geplant worden, lange bevor die aktuelle Expansion des Filialnetzes überhaupt möglich wurde. Jetzt kommt sie dem Unternehmen aber umso mehr zugute. Bei einem Rundgang durch die Hallen erklärt Müller, weshalb das Unternehmen die zusätzlichen Kapazitäten am Hauptstandort braucht.

Das Zentrallager in Westheim besteht aus mehreren, miteinander verbundenen Hallenschiffen. Gebäudeteil 6 und 7 sind in diesem Jahr neu dazugekommen. In der Lagerhalle steuern Mitarbeiter Gabelstapler durch die Gänge. Sie fahren die von der EDV vorgegebenen Regalplätze an, wuchten Reifen in die Transportbehälter und stellen so die Lieferungen zusammen. "Das Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Reifenhersteller haben ihre Lagerhaltung zurückgefahren", erklärt Müller. Die Zentrale in Westheim puffert für die Verkaufsstellen daher Engpässe ab.

Außerdem ist Reifen Müller im Großhandelsgeschäft aktiv: Das Unternehmen beliefert auch andere, hausfremde Händler - bis ungefähr 250 Kilometer Entfernung mit Lastwagen und Transportern aus dem eigenen Fuhrpark. Für den Versand kurzfristiger Bestellungen ist seit Sommer eine automatisierte Verpackungslinie im Betrieb. Nicht erst seit der aktuellen Expansion gilt Reifen Müller in der Branche als einer der großen herstellerunabhängigen Händler.

System verhindert Altbestände

Am Vormittag gibt es zwei Anlieferungstermine für das Zentrallager. Ein Teil der Reifen kommt dabei aus dem eigenen, benachbarten Runderneuerungswerk für Nutzfahrzeug-Reifen, das der Bruder leitet. Am Nachmittag werden die Auslieferungen abgewickelt.

Die angelieferten Reifen werden dort eingelagert, wo gerade Platz in den Regalen ist. "Im Grunde ist es ein chaotisches System", sagt Müller. Die EDV behält den Überblick. "Der Reifen, der zuerst reinkommt, geht auch zuerst raus." Auf diese Weise sollen Altbestände erst gar nicht entstehen. In einer separaten Halle, die ebenfalls neu errichtet wurde, werden große Stückzahlen einer Sorte zwischengebunkert, damit die Großposten die reguläre Lagerkapazität nicht ganz in Beschlag nehmen.

Im Hauptmagazin sind nicht nur Reifen für Autos und Motorräder zu entdecken. In den Regalen warten von Traktorreifen bis hin zu Reifen für Sackkarren alle Arten von Pneus auf die Bestellungen. Müller erklärt: "Wir wollen die ganze Bandbreite abdecken und gehen auch in die Nischen." Der Geschäftsführer nennt zum Beispiel die Forst- und Landwirtschaft als Spezialbereiche.

Ohnehin sei die Vielfalt in den vergangenen Jahre gewachsen: Fast jedes Auto habe seine eigene Reifengröße. Es gibt Reifen, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind, und welche, die hohe Geschwindigkeiten aushalten. Diese Ausdifferenzierung erzwingt ebenfalls mehr Lagerfläche.

Das Grundstück im Gewerbegebiet bietet noch Spielraum für Erweiterungen. Doch Müller winkt gleich ab: Vorerst seien keine weiteren Anbauten geplant. Die Erweiterung reiche erst einmal. Außerdem hat das Unternehmen derzeit noch zwei Baustellen: Die Niederlassung in Wiesbaden wird komplett umgebaut und im Dezember soll die neue Halle am Standort in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße in Hammelburg fertig werden, damit Kunden dort ihre Reifen einlagern lassen können. Und dann ist das Unternehmen ja noch mit der Eingliederung der frisch erworbenen Filialen beschäftigt.

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