ALTLANDKREIS

Rollen bald Züge statt Fahrräder?

Endstation für den geplanten Radweg? Das großgeschriebene Ziel der Allianzgemeinden scheint erstmal stillgelegt zu sein.
Endstation für den geplanten Radweg? Das großgeschriebene Ziel der Allianzgemeinden scheint erstmal stillgelegt zu sein. Foto: Michael Mahr

Es ist eine unendliche Geschichte: Seit 1988 der Personen- und 2002 der Güterverkehr eingestellt wurden, steht die Frage im Raum, was aus der Bahnstrecke von Jossa nach Wildflecken wird. Eine Lösung war bisher in weiter Ferne; die Kommunale Allianz im Altlandkreis strebte einen Radweg auf der alten Trasse an. Nun könnten dort plötzlich doch wieder Züge fahren.

Anscheinend hat der Fahrgastverband Pro Bahn ernsthaftes Interesse, die Strecke wieder zu beleben. Hierzu gab es am Montag ein Treffen mit den Bürgermeistern des Altlandkreises und Vertretern von Pro Bahn.

Wie genau die Pläne aussehen, will man bei der Bezirksgruppe Unterfranken des Fahrgastverbandes noch nicht verraten. Allerdings wurde eine offizielle Stellungnahme für die kommende Woche angekündigt.

Hinweise, wie eine solche Wiederbelebung aussehen könnte, gibt Bad Brückenaus Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks. Vorbild wäre die Ilztalbahn von Passau nach Freyung. Seit Juli fährt dort auf vorher stillgelegten Gleisen wieder ein Zug. Derzeit wird er regelmäßig am Wochenende, an Feiertagen und bei Bedarf für touristische Ausflugsfahrten betrieben. Vor Ort bemüht sich ein Förderverein um die dauerhafte Nahverkehrsanbindung.

Bahnstrecke war noch schlechter

Brigitte Meyerdierks tauschte sich mit dem befreundeten Bürgermeister von Tiefenbach aus, einem Ort an der Strecke der neuen Ilztalbahn. Auch dort sei man zu Anfang den Plänen von Pro Bahn skeptisch begegnet. „An manchen Stelle war der Zustand der Strecke noch schlechter als bei uns“, so Meyerdierks.

Dammschäden wären vor allem beim Hochwasser 2002 entstanden. „Dafür braucht man natürlich entsprechende Finanzen“, sagt Hermann Schoyerer vom Förderverein der Ilztalbahn. Wenn man zu Investitionen bereit sei und Leute sich engagierten, sei das zu schaffen.

In Brückenau war die Überraschung zunächst groß. „Eigentlich hatten wir die ganze Sache mit einer Bahn schon abgehakt“, sagt Meyerdierks. Das groß formulierte Ziel der Allianzgemeinden ist bekanntlich, einen Fahrradweg auf die Bahntrassen zu asphaltieren.

Diese Pläne sind erst einmal blockiert. „Solange sich jemand für die Bahngleise interessiert, können wir nichts machen“, so Meyerdierks. Trotz allem sieht sie den Dingen gelassen entgegen. „Bevor sich wieder Jahrzehnte lang nichts tut, soll lieber die Bahn wieder fahren.“

Es heißt wieder warten

Auch der Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich übt sich in Geduld. Er sprach die Sachlage am Dienstag im Gemeinderat an. „Der Fahrgastverband wird jetzt natürlich bevorzugt behandelt.“ Die Bahn entwidme die Schienen nicht, solange ein Interessent da sei: „Nun heißt es wieder abwarten.“

In Riedenberg sieht man das genauso. Bürgermeister Robert Römmelt: „Ich versuche da aufgeschlossen zu sein.“ Er freue sich auf die Diskussionen in den Bürgerversammlungen. Dort solle die Meinung der Bürger mitzählen und zur Entscheidung von Pro Bahn beitragen.

Realistisch ist eine Wiederbelebung offenbar schon. „Die Entstehungsgeschichte der Ilztalbahn lässt sich Eins zu Eins mit Bad Brückenau vergleichen“, sagt Meyerdierks.

Für Schoyerer vom Förderverein der Strecke von Passau nach Freyung war die Investition eine Erfolgsgeschichte. Durchschnittlich zählte man dort in der ersten Sommersaison 800 Gäste pro Fahrttag. Im Winterhalbjahr fährt dort keine Bahn, erst ab April wieder.

Bei der Ilztalbahn sieht man die Zukunft optimistisch. Allerdings zieht sich die Strecke über 50 Kilometer und hat Passau als attraktives Endziel. Für die vorher infrastrukturarme Region sei die Bahn eine Bereicherung, sagt Schoyerer.

Dass sie das einmal über ihre Bahnstrecke sagen können, hoffen auch die betroffenen Bürgermeister im Altlandkreis. Zumindest soll nach Jahrzehnten der Ungewissheit endlich etwas vorangehen.

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