BAD KISSINGEN

Rossini: Die sechs Zugaben des Grigory Sokolov

Rossini: Die Nerven  der Cellistin       -  _

Auf den russischen Pianisten Grigory Sokolov ist Verlass. Und zwar nicht nur mit Blick auf sein meisterhaftes Spiel. Sondern auch hinsichtlich seiner Programmgestaltung. Denn er gibt immer sechs Zugaben. Das war auch bei seinem jüngsten, fantastischen Konzert im Kissinger Sommer so. Auf diese Weise wird ein Soloabend des mittlerweile 68-Jährigen stets um einen rund 45-minütigen kompletten dritten Konzertteil ergänzt.

Das ist im Grunde eine großartige Sache. Doch offensichtlich war das für einige Konzertbesucher zu viel des Guten. Denn ein paar Zuhörer verabschiedeten sich nach der vierten Zugabe.

Sie wählten hierbei eine wohlüberlegte Vorgehensweise. Zunächst erhoben sie sich von ihren Plätzen und spendeten Beifall. Was erst wie Standing Ovations für den Künstler aussah, entpuppte sich sodann als erster Schritt, um vor der nächsten Zugabe den Regentenbau verlassen zu können.

Die Abgänge erfolgten anfangs noch über den Seitenausgang in den abgetrennten Gang. Doch nach der fünften Zugabe verließen die Zuhörer den Großen Saal auch aus dem Haupteingang. Und weil danach die Tür einfach offen blieb, fiel ein ziemlich unschönes Licht aus dem Foyer in den an sich in romantisches Dämmerlicht getauchten Konzertraum.

Nun ist es freilich jedem Konzertbesucher freigestellt zu gehen, wann es ihm beliebt. Doch zumindest sollte man dafür Sorge tragen, dass die Eingangstür hernach wieder geschlossen ist, sodass nichts die dichte Stimmung des Konzerts stören kann.

Ganz abgesehen davon haben Besucher, die früher gingen, ein echtes Highlight des Abends verpasst: Debussys Prélude „Des pas sur la neige“ („Schritte im Schnee“), die Sokolov zu einem wahren Kleinod seiner Interpretationskunst werden ließ.

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