BAD KISSINGEN

Rossini: Mit den Füßen so zielsicher wie mit den Fingern

Rossini: Die Nerven  der Cellistin

Khatia Buniatishvili, 31-jährige georgisch-französische Starpianistin, bewies bei ihrem Kissinger-Sommer-Auftritt nicht nur großes Können auf der Bühne, sondern auch auf dem Weg dorthin.

Sechs große Holzstufen müssen die Solisten nämlich vom Parkett hinauf auf das Podium nehmen. Angesichts des langen üppigen Abendkleides von Buniatishvili konnten einem da schon Zweifel kommen, ob sie das ohne Stolperer schaffen würde. Aber sie strafte jeden Zweifler Lügen, indem sie jedes Mal, wenn es bei ihren Auf- und Abgängen nach oben und wieder nach unten ging, die riesige Stofffülle elegant ein wenig raffte. Dann setzte sie einen Fuß vor den anderen und traf die Stufen genauso zielsicher, wie sie oben am Flügel mit den Fingern die Tasten traf.

Das Programm brachte es mit sich, dass beim Konzert der Wiener Symphoniker unter Gustavo Gimeno nach dem ersten kurzen Programmpunkt (der Zarenbraut-Ouvertüre von Rimski-Korsakow) für Khatia Buniatishvilis Auftritt (sie spielte das erste Tschaikowsky-Konzert) die Orchestermusiker die Bühne wieder verlassen mussten, damit der riesige Konzertflügel vom linken Bühnenrand in die Mitte des Orchesters geschoben werden konnte. Mit wie viel Ruhe und Selbstverständlichkeit die Techniker die Instrumentalistenstühle und Notenpulte beiseite schoben, den Steinway an seinen Platz bugsierten und dann im Orchester wieder alles ordentlich an seinen Platz räumten, hatte eigentlich einen Extra-Applaus verdient. Und so sahen es offenbar auch einige Konzertbesucher, die den Bühnenarbeitern nach vollbrachter Tat vom Balkon aus lauten Beifall spendeten. Recht so. Frank Kupke

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