Schätze aus den Anfängen des Buchdrucks

Historische Klosterbibliothek: Die 7000 Bände, Inkunabeln und Frühdrucke in der Bibliothek des Hammelburger Franziskanerklosters kommen im Frühjahr 2012 in die Diözesanbibliothek Würzburg.
Kunstvoll: ein bebildertes historisches Missale aus der Zeit vor 1500.

Sie ist ein einmaliges Kulturgut, die historische Bibliothek des Franziskanerklosters Altstadt in Hammelburg. Frater Pius Pfaller hat sie wie einen Schatz gehütet. Nun hat die Deutsche Franziskanerprovinz mit der Diözese Würzburg die Deponierung der 7000 Bücher in der Diözesanbibliothek Würzburg vereinbart. Ein Leihvertrag sichert das Eigentumsrecht des Ordens. Das teilte der Leiter der Schriftgutverwaltung der Diözese Würzburg, Archivdirektor Professor Dr. Johannes Merz, am Donnerstag mit.

Mit der Verlagerung der Klosterbibliothek nach Würzburg soll laut Merz ein „herausragendes Kulturgut“ dauerhaft gesichert und für die wissenschaftliche Forschung nutzbar gemacht werden. Unter den rund 7000 Bänden befinden sich zahlreiche Inkunabeln und Frühdrucke. Die Bände werden im Frühjahr 2012 in die Diözesanbibliothek Würzburg in der Domerschulstraße überführt.

Die Bibliothek des Franziskanerklosters Altstadt geht auf eine Pfarrbibliothek des 16. Jahrhunderts in Hammelburg zurück, die in der Reformationszeit vom Rat der Stadt auf einen Bestand von zirka 300 Bänden ausgebaut wurde. Nach der Gründung des Franziskanerklosters Altstadt vor den Stadtmauern von Hammelburg im Jahr 1649 wurde sie dorthin abgegeben und diente in der Folgezeit nicht nur dem Studium der Mönche, sondern auch der von diesen betriebenen Lateinschule. Die Sammlung nahm rasch zu, erlitt jedoch auch einen herben Rückschlag durch die angeordnete Abgabe eines Teils der Bibliothek an den Hof des Landesherrn in Fulda im frühen 18. Jahrhundert. Dagegen überstand die Klosterbibliothek nahezu unbeschadet die Säkularisation, weil Altstadt zwar zunächst zum sogenannten Aussterbekloster bestimmt war, dann aber unter König Ludwig I. rechtzeitig wiederbegründet worden war. Gerade wegen der Tradition der Klosterbibliothek seit dem 16. Jahrhundert, die im Gegensatz zum größten Teil der anderen geistlichen Institutionen nicht säkularisiert wurde, besitzt die Hammelburger Klosterbibliothek einen großen Wert als Ensemble weit über ihre Einzelteile hinaus.

Die Bibliothek ist eine Schatztruhe aus den Anfangsjahren des Buchdrucks. So finden sich Schriften der mittelalterlichen Theologen Petrus Lombardus, Thomas von Aquin und Jakobus von Voragine, die 1548 in Basel gedruckte Weltchronik des Sebastian Munster, ein Kräuterbuch von 1577 und das Geographische Handbuch des Matthis Quaden mit einer Weltkarte von 1600. Luthers Schriften stehen ebenso in der Klosterbibliothek wie handgeschriebene Antiphonalien, Gradualien und Responsorienbücher für das Chorgebet der Ordensmänner sowie ein Missale aus der Zeit vor 1500. Aus der Baseler Druckerei des Hammelburger Johannes Frobenius stammen 37 Bücher.

Angesichts dieses großen historischen Wertes suchte der Franziskanerorden unter dem Eindruck zurückgehender Mitgliederzahlen und der drohenden Auflösung vieler Klosterniederlassungen nach Wegen, die Einrichtung zu erhalten. Die Diözese wiederum zeigte die Bereitschaft, auf der Grundlage von „Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen“ der Deutschen Bischofskonferenz Verantwortung für diese kulturelle Überlieferung in ihrem Einzugsbereich zu übernehmen. „Mit der jetzt gefundenen Lösung ist nicht nur die Existenz der Bibliothek gesichert, sondern auch aus Hammelburger Sicht eine relativ ortsnahe Unterbringung und Benutzbarkeit gegeben“, betonte Merz.

An Weihnachten gesungen: Noten für ein weihnachtliches Lied.
Wertvoll: Dieses historische Buch enthält eine Karte des Heiligen Lands.

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