Bad Kissingen

Schlaganfall: Jede einzelne Minute zählt

Aller guten Dinge sind drei: Nach Stroke- und Cardio-Angel wird jetzt das System Transit-Stroke aufgebaut. Modernste Technik soll die Versorgung von Patienten mit Schlaganfall auf dem Land optimieren.
Die Intensivstation im St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen. Hier wird eine Transit-Einheit entstehen. Um einen Patienten kümmern sich (von links) Jessica Hein, Lara Bott und Lutz Weller. Foto: Edgar Bartl
Die Intensivstation im St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen. Hier wird eine Transit-Einheit entstehen. Um einen Patienten kümmern sich (von links) Jessica Hein, Lara Bott und Lutz Weller. Foto: Edgar Bartl
Wenn jemand einen Schlaganfall erleidet, ist höchste Eile geboten. Dann zähle jede Minute, sagt der Ärztliche Direktor der St. Elisabeth-Krankenhaus GmbH Bad Kissingen, Lutz Weller. Er setzt große Hoffnung auf das Projekt Transit-Stroke. Transit steht für Transregionales Netzwerk für Schlaganfallintervention mit Telemedizin. Stroke ist das englische Wort für Schlaganfall.

Läuft alles nach Plan, wird das Konzept bis Anfang April umgesetzt. Bis dahin müssen eine Telemedizinische Einrichtung vor Ort - in der Intensivstation des "Eli" - eingerichtet und ein Stroke-Team zusammengestellt werden. Dessen Ärzte und Pflegekräfte sind 24 Stunden am Tag einsatzbereit. Außerdem ist der "Satellit" Bad Kissingen/ Hammelburg an das Stroke-Zentrum Bad Neustadt anzubinden.

Spezialisten unterstützen gezielt

Ein Fall aus der Praxis: Anton P. aus Hammelburg erleidet einen Schlaganfall, der, Glück im Unglück, sofort bemerkt wird. Heute wird P. in eine Klinik in Bad Neustadt, Schweinfurt oder Würzburg gebracht. Das dauert.
Viel schneller geht es, wenn P. in Bad Kissingen oder Hammelburg eine gleichwertige Versorgung erfahren würde. Das soll Transit-Stroke ermöglichen. Dort käme er sofort in die "Röhre", würde auf fachärztlichem Niveau untersucht. So rasch wie möglich würden die Mediziner versuchen, das Blutgerinnsel im Gehirn aufzulösen.

Hochqualifizierte Spezialisten der Neurologischen Klinik Bad Neustadt würden sie dabei via Telemedizin gezielt unterstützen. Denn viele Therapien sind nur wenige Stunden nach dem Hirninfarkt sinnvoll. Der Kranke wird also in Bad Kissingen und/ oder Hammelburg so versorgt, als wenn er in Bad Neustadt in der Schwerpunktklinik läge.
Schon zwei, drei Tage später beginnt dann in Bad Neustadt die Früh-Reha. Schonen, das war früher. Heute heißt es, der Patient brauche sofort Übungen, damit er die Bewegungsabläufe wieder lernt, sagt Lutz Weller.

Transit-Stroke ist im Werden. Das Netzwerk der Uniklinik Würzburg soll Patienten in ländlichen Regionen besser versorgen. Zwölf unter- und oberfränkische Krankenhäuser machen mit. Aktuell gibt es bundesweit knapp 250 zertifizierte Stroke-Units. Meist sind sie in großen Hospitälern in städtischen Gebieten eingerichtet. Das sei für eine allerorts umfassende Versorgung nach neuesten medizinischen Erkenntnissen zu wenig, so Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Würzburg (UKW).

Kommunikation mit Telemedizin

Dort hat die Auftaktveranstaltung stattgefunden. Christoph Kleinschnitz, der Geschäftsführende Oberarzt der Neurologischen Klinik, ist einer der Koordinatoren. Hauptziel sei es, möglichst viele Schlaganfall-Patienten einer optimalen Akuttherapie zuzuführen. Dazu sollen die Partner "auf dem flachen Land" ohne eigene Stroke-Unit rund um die Uhr eine neurologische Konsultation in Anspruch nehmen können.

Diese lebensrettende Kommunikation erfolgt über ein modernes Telemedizin-System. Die Spezialisten in den Zentren können in Echtzeit über Kameras mit ihren Kollegen vor Ort und deren Patienten sprechen. Sie können sich außerdem alle relevanten Daten und Befunde auf ihren Bildschirm holen. Ende des ersten Quartals 2014 soll das System einsatzbereit sein.

Ähnlich wie Cardio-Angel

Schwer betroffene Patienten, die so nicht behandelt werden können, werden in eine Klinik der Stufe II oder III verlegt.

Darüber hinaus ist geplant, dass das Netzwerk regelmäßige Trainings- und Ausbildungsangebote macht. Eine Ausweitung über die Landesgrenzen hinaus ist denkbar und auch sinnvoll.

Transit-Stroke funktioniert im Prinzip so wie die etablierten Systeme Cardio- und Stroke-Angel ("Engel"). Daten werden dort aus dem Rettungswagen ins Hospital übertragen. Wenn der Patient eingeliefert wird, sind bereits alle Vorbereitungen getroffen, wertvolle Zeit ist gewonnen. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Lutz Weller: "Das funktioniert."

"Deutliche Verbesserung"

Notarzt Ralph Brath (Bad Kissingen) spricht von einer deutlichen Verbesserung der Patientenversorgung. Leerlaufzeiten würden vermieden, weil ambulante und stationäre Möglichkeiten besser verzahnt seien. Sein Urteil: "Eindrucksvoll."

Stufensystem Krankenhäuser der Stufe I sind Kliniken auf dem flachen Land (Bad Kissingen, Hammelburg, Ochsenfurt, Kitzingen, Haßfurt und Kronach). Kliniken der Stufe II sind besser ausgestattet (Juliusspital Würzburg. Neurologische Klinik Lohr). Häuser der Stufe III können noch mehr, etwa besondere Eingriffe (Uni-Klinikum Würzburg, Neurologische Klinik Bad Neustadt, Leopoldina Schweinfurt und Klinikum Aschaffenburg). Kosten: 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Schlaganfall 200.000 Menschen erleiden pro Jahr einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für dauerhafte Individualität. Meist wird eine Schlagader verschlossen, es kommt zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns. Erste Anzeichen eines Schlaganfalls sind plötzliches Taubheitsgefühl, Schwindel, Sprach- und Sehstörungen. Nur wenn die Angehörigen schnell handeln, können Patienten erfolgreich behandelt werden.

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