NEUWIRTSHAUS

Schmuse-Schwein zur tierischen Adoption

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Weintrauben mag Wildschwein „Odin“ besonders gern. Seinem Ziehvater, dem Förster Tobias Wallrapp, frisst das zahme Schwein aus der Hand. Foto: Carmen Schmitt

Odin ist kein gewöhnliches Wildschwein. Mais mag er nicht. Äpfel rührt er nicht an. Trauben und Zwetschen sind ihm lieber. Im Wald findet er die freilich nicht. Wie gut, dass sein Ziehvater Tobias Wallrapp für seinen kleinen Feinschmecker vorgesorgt hat. Doch: So klein ist der gar nicht mehr. 80 Kilo bringt Odin inzwischen auf die Waage. Seit eineinhalb Jahren lebt das Wildschwein auf dem alten Bauernhof in Neuwirtshaus (Lkr. Bad Kissingen). In einem ehemaligen Hühnerstall hat er es sich gemütlich gemacht. Jetzt soll Odin ausziehen.

Vier Tage hatte sich Tobias Wallrapp auf die Lauer gelegt. Der 34-Jährige erinnert sich noch genau. Am Ortseingang von Wartmannsroth hatte sich der Frischling unter Strohballen verkrochen. Es war im Herbst 2015. Zunächst hatte sich der Förster nichts dabei gedacht, als er das Tier alleine über die Felder flitzen sah. Doch dann wurde klar: Es hatte seine Mutter verloren. In kürzester Zeit war das kleine, einsame Schwein Dorfgespräch. Familien spazierten zu den Strohballen und brachten dem Tier Futter. Tobias Wallrapp erkannte: „Das geht nicht lange gut.“

Früher oder später wäre er der Straße gefährlich nahe gekommen oder hätte im Dorf Unfug getrieben, meint der Förster, der von einem Tag auf den anderen Wildschwein-Vater wurde.

Jagdpächter, Vermieter und Freundin hatten nichts dagegen und so holte Tobias Wallrapp vor eineinhalb Jahren den Frischling zu sich nach Neuwirtshaus. Kurz zuvor hatte ein Marder die Hühner getötet. Stall und Gehege waren gerade frei.

Verspieltes Schwein

Odin schnappt nach dem weißen Tuch, mit dem Tobias Wallrapp ihm vor der Schnauz herumwedelt. Das Wildschwein dreht sich, hopst auf der Stelle, rupft am Stoff. „Ich muss mir immer wieder etwas Neues überlegen, mit dem ich ihn bespaßen kann“, sagt Tobias Wallrapp und lacht. Intelligent sei das Schwein und verspielt, erzählt er. Deshalb sollte er in seinem Stall auch nicht allein bleiben.

„Camillo“, ein Kamerunschaf, wurde sein neuer Kumpel. Doch die Schaf-Schwein-WG währte nicht lange. Nach einem halben Jahr wurde „Camillo“ krank. Seit dem Herbst steht Odin wieder allein im Stall. Geht es nach dem Förster, soll sich das so schnell wie möglich ändern. „Es war nie auf Dauer ausgelegt“, sagt Tobias Wallrapp. „Ich würde mir wünschen, dass er irgendwo unterkommt, wo er mehr Auslauf hat.“ Immer wieder hatte er versucht, Odin an einen Wildpark zu vermitteln. „Schwer integrierbar“, lautete die Antwort. Zurück in den Wald? Keine Chance, meint der 34-Jährige. Odin ist kastriert, reinlich, handzahm und neugierig. Letzter Ausweg Wildschweinbraten? Daran will Ziehpapa Tobias Wallrapp gar nicht denken. Doch die Zeit wird knapp.

Das Abenteuer ruft

Tobias Wallrapp kümmert sich als Förster um die Wälder mehrerer Gemeinden des Landkreises. Noch. Im Frühjahr zieht es ihn und seine Freundin nach Kanada. Bei mehreren Reisen haben sie sich in das Land verliebt, erzählt er. Sie brechen ihre Zelte ab und wagen das Abenteuer. Hündin Bella darf mit. Für Wildschwein Odin wird es zu eng. „Es gibt für ganz viele Tiere eine Auffangstation, aber bei Wildschweinen ist das echt schwierig.“

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