Singenrain

Schondras Bürger gegen SuedLink

Bürgerinitiative gegen die Stromtrasse wird in Singenrain aus der Taufe gehoben.
"Nicht zuschauen, sondern was tun und die Sache in die Hand nehmen", war die klare Ansage, die Versammlungsleiter Reiner Morshäuser bei der Infoveranstaltung zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen den Bau der Stromtrasse SuedLink machte. Das Interesse der Leute aus der Marktgemeinde Schondra war groß. Am Mittwoch kamen 64 Bürger zum ersten Informationsaustausch ins Feuerwehrhaus. Es blieb aber nicht nur bei viel Information, sondern es wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht: Nämlich die Bürgerinitiative "Ortsteile Schondra Gegen SuedLink" gegründet. 42 traten dem Verein als Gründungsmitglieder bei.

Reiner Morshäuser Vorsitzender
Die anschließende Wahl des Vorstandes erfolgte einstimmig: Vorsitzender ist Reiner Morshäuser, sein Stellvertreter Jochen Knüttel. Florian Karges fungiert als Schriftführer, Petra Vogler ist Kassenwartin. Beisitzer des Vereins sind Roland Wiegand und Oswald Türbl (abwesend). Franziskus Gerr und Andreas Stahl stellten sich als Kassenprüfer zur Verfügung.

Im Vorfeld hatte der Burkardrother Bürgermeister Waldemar Bug, dem die regenerative Energieversorgung schon lange Jahre am Herzen liegt, über die "Energiewende ganzheitlich betrachtet" referiert. Grundlage seines Vortrags war ein Geschäftsmodell des Fraunhofer- Instituts, das Wege zu einer 100 Prozent regenerativen Energieversorgung bis zum Jahr 2050 aufzeichnet. Eine politische Weichenstellung sei für dieses Vollversorgungsszenario nach Fraunhofer-Vorstellungen notwendig, fasste Bug zusammen. Nämlich der ungehinderte flächendeckende Ausbau der Binnenland-Windenergie und der Photovoltaik, die sofortige Auflage eines Markteinführungsprogramms für Kurzzeit- und Saisonspeicher für Strom und anderes. Kurz gesagt, "wir brauchen ein Stromspeichergesetz", forderte Bug. Und das ist ganz im Sinne der jungen Bürgerinitiative.

Der Schondraer Gemeinderat Jürgen Metz hatte einen denkbar schlechten Einstieg mit seinen Infos. Denn fast alle geplanten Stromtrassen würden benötigt, wusste er. Die Genehmigungsverfahren sollen noch in diesem Jahr erfolgen. Die SuedLink-Trasse, falls sie komme, sei zudem eine Pilottrasse für Erdverkabelung, wenn die Abstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden können. Das wäre in Singenrain der Fall, weil der Ort im Korridor der Trasse liegt. Feuerwehrkommandant Roland Müller machte auf das Wasserschutzgebiet aufmerksam und bezweifelte, dass dort unterirdisch verlegt werden würde.

Druck aus der Bevölkerung
Weiter sprach Metz über Bestrebungen der Bürgermeister des Altlandkreises, ebenfalls einen Verein zu gründen und über Bürgermeister Jochen Vogel den Kontakt zu den hessischen Kollegen herzustellen. "Der Widerstand formiert sich", stellte Metz fest. "Aufstellen, organisieren und dagegen vorgehen - mehr können wir nicht tun", sagte Morshäuser weiter. Der Bürger werde wohl bei der Bundesfachplanung angehört, wie Hans Kober nachfragte, hat auf die Planung aber keinen Einfluss. Als Bürgerinitiative müsse versucht werden, die Politik zu beeinflussen. Das sei sehr wichtig, bekräftigte Bug. Zwar hätten alle Bürgermeister unterschrieben, aber der Druck müsse aus der Bevölkerung kommen. Den wird die Bürgerinitiative "Ortsteile Schondra Gegen SuedLink" ausüben und den Bürgermeistertermin am 21. Mai im Landratsamt "gebührend begehen", wie Morshäuser ankündigte. Neben Protestaktionen bei ähnlichen Veranstaltungen - "Mit uns nicht" - plant der Verein Infoveranstaltungen in Schönderling und Schondra und will Leute motivieren, die gesetzten Ziele - keine Trasse, sondern Speichern von Energie - zu unterstützen.


 

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