ROTTERSHAUSEN (RP)

Schwarze Pfütze: Es hat sich ausgeswingt

Einst beschäftigte er sogar die höchste Instanz, das Bundesverwaltungsgericht. Jetzt hat es sich im Swingerclub Rio in der Schwarzen Pfütze ausgeswingt.
Derzeit dicht: Der Gasthof Schwarze Pfütze sowie der Swingerclub Rio im ersten Stock des Anwesens.
Derzeit dicht: Der Gasthof Schwarze Pfütze sowie der Swingerclub Rio im ersten Stock des Anwesens. Foto: FOTO Roland Pleier

Hatte das Leipziger Urteil im November 2002 noch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, so ging die Schließung sang- und klanglos vonstatten: Club und Gaststätte Schwarze Pfütze, an der Bundesstraße 19 auf Rottershäuser Gemarkung liegend, wurden peu au peu dicht gemacht.

Offiziell am 15. März 2006, bestätigte Gabriele Frühwald, Juristin in Diensten des Landratsamtes, auf Anfrage dieser Zeitung. An diesem Tag habe Thuy Topsnik ihre Konzession nach 27-monatigem Betrieb zurückgegeben. Allerdings hatte die Polizei dem Landratsamt gemeldet, dass zumindest die Gaststätte im April und Juli noch geöffnet war.

„Aus privaten Gründen“, so Frühwald, habe Thuy Topsnik ihre Schankerlaubnis abgegeben. Die gebürtige Vietnamesin und Gerold Topsnik, die 2000 geheiratet hatten, hätten sich getrennt. Und mit der Wirtin ging auch die Konzession.

Gerold Topsnik war es gewesen, der jene Klage angestrengt hatte, die für Schlagzeilen gesorgt hatte: Das Swingen, so der Tenor der Bundesrichter, sei im Sinne des Gaststättengesetzes nicht als unsittlich einzustufen. Diesem Spruch musste sich letztlich das Landratsamt Bad Kissingen beugen und die entsprechende Nutzungsänderung – entgegen der ursprünglichen Ablehnung wegen Unsittlichkeit – bewilligen.

Topsnik einen Strich durch die Rechnung gemacht hat dann der Verwaltungsgerichtshof in München – allerdings aus einem anderen Grund: Weil dieser 40 000 Euro Steuerschulden hatte, sei ihm die Konzession zu versagen, so Bayerns oberstes Verwaltungsgericht im Mai 2003.

Schließlich wurde der Swingerclub Rio dann nach jahrelangen Geburtswehen Ende 2004 doch noch aus der Taufe gehoben – mit Topsniks Frau Thuy als Konzessionsnehmerin. Was gut zwei Jahre später bleibt, ist ein kleiner Trümmerhaufen: Einen anderen Betreiber hat Topsnik, der die Gaststätte seit 1976 betrieben hatte, offenbar nicht gefunden. Seine Frau ist weggezogen. Das Insolvenzverfahren, das er im November 2003 initiiert hatte, ist zwar seit kurzem abgeschlossen. Eine Konzession allerdings würde ihm das Landratsamt laut Frühwald nicht mehr erteilen.

Indes bietet ein Makler das Anwesen Schwarze Pfütze, das dem Bruder Gerold Topsniks gehört, zum Verkauf an. 40 Plätze im Gastraum und 60 Plätze im Nebenzimmer warten ebenso auf einen neuen Wirt und neue Gäste wie der Biergarten.

Die Schwarze Pfütze war der zweite Swingerclub im Landkreis Bad Kissingen. Der erste offiziell genehmigte, das Haus No. 6 in Münnerstadt, das im Juni 2003 eröffnet wurde, erfreut sich guter Resonanz, so Mary Bock, die den Club seit Juli 2005 mit ihrem Mann Willy betreibt.

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