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Schwarzstorch-Horst: Ermittlungen abgeschlossen

Faulenzen ist schön: Auch in unseren Gefilden fühlen sich die seltenen Schwarzstörche inzwischen wieder heimisch. Foto: Horst Ossinger/dpa

Als das Windpark-Projekt Roßbacher Forst im Sommer 2013 im Kreistag vorgestellt wurde, kam zeitgleich an die Öffentlichkeit, dass in diesem Wald der Horst eines Schwarzstorchs von Unbekannten entfernt worden sei. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Beamten ermittelten. Vor zwei Wochen wurden diese Untersuchungen abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft Schweinfurt weitergeleitet.

Das den Kreistagsmitgliedern vorgestellte Projekt ist zweifellos innovativ: Der von 18 im Roßbacher Forst zu platzierenden Rotoren erzeugte Strom soll ins Netz der Deutschen Bahn eingespeist werden, hieß es. Siemens will die Technologie dazu liefern. Um diese Pläne zu realisieren, müsste das 940 Hektar große Landschaftsschutzgebiet jedoch aus seiner Schutzwürdigkeit entlassen werden. Das wurde bislang noch nicht in Angriff genommen.

Für das Vorhaben der Windpark Bayern GmbH interessierte sich schon im Frühjahr auch der LBV. Denn der Roßbacher Forst gilt als das älteste Schwarzstorch-Gebiet im Landkreis. Der Vogel kam bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts regelmäßig in der bayerischen Rhön vor. 1903 wurde dann der letzte Brutvogel bei Heiligkreuz gesichtet. Erst in den 80-er Jahren ließ sich das Tier hier wieder sehen. Auch damals wurde laut LBV bei Roßbach zum ersten Mal wieder ein Schwarzstorch in der bayerischen Rhön entdeckt. Die Vögel sind standorttreu, sobald sie günstige Bedingungen erkennen. Wenn sie einmal irgendwo brüten, kommen sie immer wieder dorthin zurück.

Das Nest bei Roßbach ist seit 2011 belegt und auch 2012 trafen die Vogelfreunde dort drei Jungtiere an. Doch inzwischen ist der Horst des Vogels weg - und das bereits zum zweiten Mal in 2013. Was die Vogelschützer stutzig machte: Kein einziges Reißigstück des 100 Kilo schweren Nestes war am Boden auffindbar. Das fanden sie mysteriös und erstatteten im April Anzeige.

Die Polizei in Bad Brückenau ging an die Ermittlungen, nahm den Tatort in Augenschein und befragte verschiedene Personen zu dem mutmaßlichen Verschwinden des Horsts. Vor rund zwei Wochen wurden diese Untersuchungen abgeschlossen, sagt der stellvertretende Bad Brückenauer Polizeichef Christian Pörtner auf Anfrage der Main-Post. Jetzt liegt der Vorgang bei der Staatsanwaltschaft. „Es wird dauern, bis Klarheit herrscht, denn es handelt sich um einen sehr ungewöhnlichen Fall“, meint Pörtner.

Das signalisiert auch die Leitende Oberstaatsanwältin Irene Singer auf Anfrage. Fachleute müssten Stellung nehmen, die Akteneinsicht könne ihren Angaben zufolge wegen der umfangreichen Thematik länger dauern, sich vermutlich sogar einige Wochen hinziehen.

Bei der mutmaßlichen Beseitigung des Vogelhorstes handelt es sich um einen Verstoß gegen den Paragrafen 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, sagt Marc Sitkewitz vom LBV-Bezirksverband (Würzburg). Demzufolge ist es verboten, Fortpflanzungsstätten streng geschützten Arten zu zerstören. „Und in diesem Fall ist das mutwillig geschehen.“ Sitkewitz fragt sich, warum jemand ein Schwarzstorch-Nest zerstören sollte. Für ihn ist relativ klar: Das geschah nur, weil nebenan Windräder geplant sind.

Aus dem Regionalplan wurde das Landschaftsschutzgebiet Roßbacher Forst bislang zwar nicht herausgenommen. „Aber die Idee ist noch nicht gestorben“, glaubt der Bezirksvorsitzende. Seiner Ansicht nach wird es aber schwer, das Projekt in diesem landschaftsgeschützen Tal durchzusetzen.

Daniel Scheffler, Kreisgruppenvorsitzender in Rhön-Grabfeld, der in seiner Eigenschaft als unterfränkischer Beringungsbeauftragter der Regierung auch im Roßbacher Forst unterwegs ist, weiß, dass die Schwarzstörche nach wie vor in diesem Wald zu Gange sind. „Sie halten an ihrem Revier fest.“ Seiner Interpretation nach ist mit dem Entfernen des 100 Kilogramm schweren Nestes auch ein Biodiversitätsschaden entstanden, für den nun eine Ausgleichsmaßnahme angeordnet werden müsste. Denn drei wichtige Bäume in Nachbarschaft des Horstes wurden gefällt. „Der Brutplatz wurde so entwertet.“

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