Münnerstadt

Seit 30 Jahren byzantinische Liturgie

 Im Studienseminar St. Josef gab es 1984 die ersten Gottesdienste im Ritus der Ostkirche. Pater Dr. Gregor Hohmann gründete damals auch den Johannes-Chor. Der Vorabendgottesdienst am Samstag wird aus diesem Anlass im byzantinischen Ritus gefeiert.
Träume können ansteckend sein. Es war der Traum von Augustiner-Pater Gregor Hohmann, dem früheren Leiter des Studienseminars St. Josef, in Münnerstadt Gottesdienste im ostkirchlichen Ritus abzuhalten. Er schaffte es, Sänger und mit dem Musiklehrer Eduard Reichherzer einen Dirigenten für den Chor zu finden, ohne den ein Gottesdienst im byzantinischen Ritus unmöglich ist. Er erhielt den Namen Johannes-Chor. Es fand sich auch ein kleiner Raum im Studienseminar, der im Juli 1984 feierlich als byzantinische Kapelle geweiht wurde. Das ist inzwischen genau 30 Jahre her, und deshalb wird der Vorabendgottesdienst am Samstag, 5. Juli, ab 18.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche im byzantinischen Ritus gefeiert. Zele brant ist natürlich Archimandrit Pater Dr. Gregor Hohmann.

Studium der Ostkirche

Er hatte die ostkirchliche Theologie und den byzantinischen Ritus studiert, wollte den westlichen Katholiken die Schönheit, Frömmigkeit und geistige Tiefe des östlichen Christentums erschließen. Die ersten Chormitglieder waren hauptsächlich Schüler der oberen Gymnasialklassen, aber auch schon damals sangesfreudige Münnerstädter. Letztere sind es, die den byzantinischen Chorgesang bis heute aufrechterhalten.
In den 30 Jahren war der Johannes-Chor äußerst aktiv. Über 160 Liturgiefeiern haben sie mitgestaltet, viele davon in Städten außerhalb der Region. Auftritte im Dom zu Salzburg in Anwesenheit von Erzbischof Karl Berg, in München, Berlin, Stuttgart, Nürnberg, Fulda, Weiden und Ansbach zählten zu den Höhepunkten.

Schwerer Verlust

Aber es gab auch Tiefen. Dazu zählt der Tod des ersten Chorleiters Eduard Reichherzer im Jahr 2002. Mit letzter Kraft hatte er noch die Aufnahme einer CD geleitet. Trotzdem ging es weiter. Richard Arlt leitet seit nunmehr zwölf Jahren den Johannes-Chor. "Ich habe immer noch Spaß daran", sagt er gegenüber unserer Zeitung. Aber er erinnert sich auch an die anfänglichen Probleme. Schließlich habe er ja nicht Musik studiert. "Ich hatte am Anfang unheimliche Schwierigkeiten, mit einer Stimmgabel den Ton anzugeben", sagt er heute. "Das musste ich mir mühevoll erarbeiten."
Schwierig wird es für Richard Arlt auch heute, wenn die Stimmen fehlen, weil wenige Sänger zur Probe oder zum Gottesdienst gekommen sind. Aber der Chorleiter zeigt sich verständnisvoll: "Es sind ja überwiegend Rentner, alles Freiwillige, die auch mal etwas anderes vorhaben." Das gilt aber nicht für alle: "Nur ich muss immer anwesend sein." Ganz wichtig sei es, dass alle bereit sind, auch einmal etwas Neues einzustudieren. Das funktioniere nach wie vor.

Suche nach neuem Raum

Ende 2004 bahnte sich allerdings eine Krise an, die leicht das Ende der byzantinischen Liturgie hätte bedeuten können. Wegen der Umbauarbeiten am Studienseminar St. Josef für das Ganztagsgymnasium war kein Platz mehr für die kleine Kapelle mit ihrer Ikonostase. Die Suche nach einem geeigneten Raum gestaltete sich schwierig. Thomas Pfarr vom Johannes-Chor und die damalige Leiterin des Henneberg-Museums, Katja Schenkenberger, suchten und fanden mit dem Gewölberaum im Deutschordensschloss einen äußerst geeigneten Platz, wenn dies auch nicht ganz unumstritten war. Im Juli 2005 wurde die Schlosskapelle "Johannes der Täufer" mit der eigens umgebauten Ikonostase geweiht. Heute ist die Kapelle, in der nach wie vor an jedem ersten Donnerstag im Monat Gottesdienste im byzantinischen Ritus gefeiert werden, ein fester und anerkannter Bestandteil des Henneberg-Museums.

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