Hammelburg

So läuft es, wenn der Pfarrer zum Whisky predigt

Pfarrer Thomas Eschenbacher (rechts) stieß mit seinen ersten Whisky-Exerzitien auf ein breites Interesse. Unterstützt wurde er von Nico Grundhöfer.  Foto: Wolfgang Dünnebier

 Als sich am Freitagabend die Türen des Hammelburger Pfarrsaales schlossen, bot sich drinnen für die 30 Männer eine innere Einkehr in ungewohnter Dimension. Auch Pfarrer Thomas Eschenbacher vorne am Pult wusste vorher nicht so genau, worauf er sich bei seinen ersten Whisky-Exerzitien eingelassen hatte. Seine Erwartung an die Teilnehmer: Nicht unbedingt Glaube an Gott, sondern Offenheit für etwas Neues. 

Dabei sah es für Eschenbacher die Wochen vorher nicht nach innerer Einkehr aus. Sein Angebot war rasch überbucht. In der vergangenen Woche überschlugen sich Interview-Anfragen von Medien quer durch die Republik . "Das hatte ich so  nicht erwartet", wundert er sich. Um über die Premiere dieser Exerzitien zu berichten, reiste sogar ein ukrainisches Fernsehteam aus Brüssel an.  In der Veranstaltung selbst mussten Kameras aber  draußen bleiben.

"Wasser des Lebens"

Ein Fernsehteam aus der Ukraine interessierte sich für die Hintergründe der ersten Whisky-Exerzitien in Hammelburg. Foto: Wolfgang Dünnebier

 Erwartungsgemäß wurden die Teilnehmer von jeder der fünf klitzekleinen Whiskey-Proben zur nächsten gesprächiger, ohne dabei jedoch die Tiefe und Ernsthaftigkeit bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben zu verlieren. Immer wieder zogen Pfarrer Eschenbacher und  sein Co-Moderator Niko Grundhöfer Parallelen zur biblischen Spiritualität. Anknüpfungspunkte gibt es genug, gilt doch Whisky in Schottland  als Wasser des Lebens. Das Reifen der Spirituose bis zu seiner Vollendung  lasse sich auch auf die eigene Biographie übertragen.                    

Mehrminütiges Schweigen

Besonders eindrucksvoll erlebten die Teilnehmer das mehrminütige Schweigen, bei dem ein Whisky seinen geschmacklichen Reiz erst nach und nach entfaltete. Auch dies ist für Pfarrer Eschenbacher ein Sinnbild für  den Alltag. "Nicht alles, was im ersten Augenblick bitter schmeckt, ist schlecht", weiß der Seelsorger. Erst an Herausforderungen wachsen viele Menschen.               

Die meisten der Teilnehmer meldeten sich, als der Pfarrer fragt, wer bereits Erfahrung mit Whisky hat. Sein Ziel sei es nicht, Menschen an das Trinken heran zu führen, sondern an das bewusste Genießen. Und das Teilen von Freude. Auch das sei biblisch. Erst die geteilte Freude sei die wahre Freude.    

Ganz im Sinne des in den vergangenen drei Stunden gewachsenen Gemeinschaftsgeistes klang  der Abend aus. Bei einem kleinen Lagerfeuer draußen vor der Tür, wo der rauchige Geschmack eines letzten Whiskeys und der Rauch der Flammen die Männer bei tiefgründigen Gesprächen vereint. Alle schienen zufrieden, beseelt, manche bleiben später sogar noch sitzen, um Gedanken auszutauschen.          

Wiederholungen geplant

"Ich bin überhaupt nicht betrunken", brachte ein Teilnehmer das Erlebte auf den Punkt. Dafür sorgten auch zwischendurch immer wieder sorgsam ausgewählte Kleinigkeiten zu Essen. Die Reaktion der Teilnehmer ermuntert Eschenbacher dazu, die Exerzitien künftig hin und wieder anzubieten. Vielleicht in etwas kleinerer Runde, um noch besser ins Gespräch zu kommen und mit weniger Medienrummel voraus. Eschenbacher: "Vielleicht wird es ja mehr zur Normalität, wenn man merkt dass es weniger um die Verpackung geht, als um den Inhalt, und der Pfarrer hinterher nicht betrunken aus der Kirche torkelt". Der zweite Anlauf der Exerzitien am 8. Februar ist schon wieder fast ausgebucht.                

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