Bad Brückenau

Solist macht Appetit auf Klassik

"Er kommt, er kommt", wispern die 23 Schüler der Realschul-Musikklasse 6b aufgeregt. Was für ein Schultag! Sie bekamen Besuch vom berühmten Bratschisten Nils Mönkemeyer, der seit seinem fulminanten Start 2009 die Konzertbühnen der Welt erobert und am Wochenende gemeinsam mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau ein Konzert im Staatsbad gab.
Ermöglicht hatte die Begegnung Pavol Tkac vom Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau, das die Initiative "Rhapsody in School" unterstützt. Am Tag zuvor hatten die Sechstklässler gemeinsam mit ihrem Musiklehrer Andreas Kleinhenz bereits ein Video über Mönkemeyer angeschaut, und sie hatten viele Fragen an den Solisten und Professor der Dresdner Musikhochschule.

Begeistert vom Vereinsleben

Unkompliziert stellte sich der gefragte Bratschist vor: "Hallo, ich bin der Nils." Rasch schob er den Notenständer zur Seite und spielte natürlich auswendig Teile aus Bachs erster Cellosuite zur Einstimmung. Gebannt lauschten die Elf- und Zwölfjährigen, die alle selbst ein Instrument spielen. "Ach, ihr spielt alle in Blaskapellen mit?", staunte Mönkemeyer. Das hätte er auch gerne gemacht, bekannte er. Jedoch wohnte er mit seiner Familie bei Bremen auf einem ganz kleinen Weiler mit nur einer Straße. "Bei euch im Süden gibt es viel mehr Musikvereine, die Chance hatte ich gar nicht."
Mit sieben Jahren, 1985, begann er Bratsche zu spielen, mit elf wollte er keinen Unterricht mehr nehmen und spielte lieber Handball. "Ich mochte meine Musiklehrerin nicht, sie trieb mich von einem Jugend-musiziert-Wettbewerb in den nächsten, wollte ein Wunderkind aus mir machen", schilderte er sein Dilemma. Doch aus der Hand legte er die Bratsche nie, und mit 14 wurde er Jungstudent.
"Wann wussten Sie, dass Sie Solist werden wollen?", fragte Lisa, die Querflöte spielt. "Ich war einfach zu zappelig und engagiert beim Spielen im Orchester und fiel immer auf", erklärte der Ausnahmemusiker entwaffnend offen. Er fühlte sich einfach viel besser, wenn er alleine und vornedran stand: "Da kann ich die Noten so spielen, wie ich sie fühle."

Trio mit Klarinette und Tenorhorn

"Was wisst ihr denn über die Bratsche?", wollte Nils dann von den Sechstklässlern wissen. "Sie ist größer als die Geige und klingt tiefer", sagte Kim, die Schlagzeug spielt und klassische Musik am liebsten mag, wenn sie sie selbst spielt. Mönkemeyer erzählte den Sechstklässlern auch, wo er seine Bratsche kauft, wer Paganini war ("der erste Superstar unter den Geigern"), wieso er so viel auswendig spielen kann ("das ist eine Mischung aus Text und Bewegung") und wie er sich fühlt, wenn ihm auf der Bühne eine Saite reißt.
Den Unterschied zwischen verschiedenen Bratschenbögen demonstrierte er eindrucksvoll. Erst spielte er ein Stück mit seinem alten, wertvollen Bogen aus Elfenbein, dann mit einem "Aldi-Bogen". Da staunte die ganze Klasse über den hörbaren Unterschied.
Zum Schluss tanzte Mönkemeyer noch ein Menuett mit Klarinettistin Anna und Tenorhornspieler Mattheo - und schwuppdiwupp waren 60 kurzweilige Schulminuten verstrichen. "Der ist ja voll nett", war das Resümee der Sechstklässler.

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