BAD KISSINGEN

Sorge um den Verbleib der Arbeitsplätze

Abgewandt: Das Wasserwirtschaftsamt muss doch nicht ins Luitpoldbad umziehen und öffnet dadurch eine Belegungslücke. Foto: Siegfried Farkas

Die überraschende Ankündigung des Finanzministeriums, das Wasserwirtschaftsamt müsse nun doch nicht von der Villa Hailmann in das geplante Behördenzentrum Luitpoldbad umziehen, hat nicht zur Mehrung des Ansehens der Staatsregierung in Bad Kissingen beigetragen. Der Verzicht so kurz vor der Unterzeichnung eines neuen Konsortialvertrags über die Staatsbad GmbH, erinnert daran, dass sich der Freistaat vor knapp zwei Jahren schon einmal als wenig verlässlicher Partner erwies. Damals verkündete München aus heiterem Himmel die Auflösung des geltenden Pachtvertrags für das Kurhaushotel.

Ziemlich verärgert über den aktuellen Vorgang beim Luitpoldbad ist CSU-Landtagsabgeordneter Robert Kiesel (Reiterswiesen). Kiesel gilt als Architekt des Projekts, dem seit vielen Jahren leer stehenden Luitpoldbad als Behördenzentrum neues Leben einzuhauchen. Er ist bekannt dafür, dass er sich, bevorzugt im Hintergrund, hartnäckig für die Region einsetzt, die er im Landtag vertritt.

Bestand der Behörden sichern

Grundgedanke seines Vorschlags ist und war, nicht nur die Zukunft denkmalgeschützten Badehauses zu sichern, sondern gleichzeitig auch den Bestand der in Bad Kissingen ansässigen Behörden. Den ersten Teil des Wunsches sieht Kiesel nach wie vor erfüllt. „Das Behördenzentrum entsteht trotzdem“, sagt er.

Sorge bereitet Kiesel eher der zweite Teil des Gedankens: „Wir müssen sehen, dass die Arbeitsplätze vor Ort bleiben.“ Der Wettbewerb von Kommunen und Landkreisen um die Ansiedlung von Behörden sei sehr groß. Da befürchte er schon, das erst vor einigen Jahren im Tausch mit dem Staatlichen Hochbauamt aus Schweinfurt nach Kissingen geholte Wasserwirtschaftsamt könnte „bei der nächsten Behördenstrukturreform“ plötzlich wieder weg sein.

Leonhard Rosentritt, der neue Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, zeigte sich auf Anfrage bemüht, solche Sorgen zu zerstreuen. Seine Behörde fühle sich in der Villa Hailmann gut untergebracht. In das Gebäude sei auch investiert worden. Schon deshalb scheue man einen Umzug. Ihm seien „keinerlei Planungen bekannt, nach Schweinfurt zurückzugehen“.

Dass die Staatsregierung über Jahre hinweg unbeirrt mit der Wasserwirtschaft im Behördenzentrum Luitpoldbad plant und nun plötzlich doch einen Rückzieher macht, habe nichts damit zu tun, dass er bis zu seiner Rückkehr nach Kissingen einige Jahre am Umweltministerium in München tätig war. Der Grund sei einfach, wie vom Finanzministerium dargestellt.

Aufwand nicht vertretbar?

Ein Wasserwirtschaftsamt müsse bei Hochwasser funktionsfähig sein. Das sicherzustellen sei beim Luitpoldbad „mit vertretbarem Aufwand“ aber nicht möglich, meint Rosentritt. Diese Erkenntnis sei beim Einstieg in die feinere Detailplanung immer klarer geworden.

Einwände hatte das Wasserwirtschaftsamt zuvor unter anderem beim laufenden Verfahren der Stadt zur Änderung des Bebauungsplans Sondergebiet Kurgebiet geltend gemacht. Diese Gelegenheit nutzte im Übrigen auch das Vermessungsamt, um deutlich zu machen, was es von einem Umzug ins Luitpoldbad hält. Die dort drohenden Hochwasser könnten zeitweise einen geregelten Dienstbetrieb stark beeinträchtigen oder gar unmöglich machen. Bei Hochwasser könnten Dienstfahrzeuge das Luitpoldbad nicht verlassen. Hochwasser könne auch zu Gebührenausfällen führen. Wie die Stadtverwaltung bei der Behandlung der Einwände berichtete, schlägt das Vermessungsamt deshalb baulichen Schutz „des Luitpoldbads gegen Extremhochwasser“ und eine hochwasserfreie Zufahrt durch einen Damm oder eine Brücke vor.

Vom Finanzministerium war bis zum Mittwochabend keine Stellungnahme zu erhalten.

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