BAD KISSINGEN

Sparkasse: Negativzinsen schmälern den Erfolg

Halten die Sparkasse in Zeiten von Negativzinsen auf Kurs: Vorstandsmitglied Michael Rendl und Vorstandsvorsitzender Roland Friedrich. Foto: S. Farkas

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Früher hat man Banker mit diesem Satz des Stückeschreibers Bertolt Brecht vielleicht noch ärgern können. Heute lächeln die meisten vermutlich nur noch müde darüber, wenn sie ihn bei einer Aufführung der Dreigroschenoper hören. Solche Sprüche, sagte Roland Friedrich, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse in eigener Deutung, „gelten heute nicht mehr“. Das Berufsleben der Banker ist anspruchsvoller geworden. Wie anspruchsvoll, das erläuterten Friedrich und sein Vorstandskollege Michael Rendl, als sie jetzt den Jahresabschluss 2016 der Sparkasse vorstellten. Ein Geschäftsjahr in Frage und Antwort.

Was sind die Grunddaten für das Geschäftsjahr 2016 der Sparkasse?

Die Bilanzsumme der Sparkasse Bad Kissingen für 2016 geben Friedrich und Rendl mit 1,56 Milliarden Euro an. Das seien 5,4 Prozent mehr als im Jahr davor.

Die Sparkasse sei damit weiter „regionaler Marktführer“. Der Jahresüberschuss betrage 1,342 Millionen Euro und liege nur wenig unter dem des Vorjahres. Angesichts „schwieriger Umstände“ für das Wirtschaften ist die Sparkasse damit „zufrieden“, erklärte Friedrich.

Wie hoch ist das Eigenkapital der Sparkasse Bad Kissingen?

Weil der vorläufige Bilanzgewinn dem Eigenkapital zugeführt wird, erhöht sich „das bilanzielle Eigenkapital“ nach Angaben der Bank auf 92,3 Millionen Euro. Die von der Aufsicht gestellten Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung seien damit bereits jetzt höher erfüllt, als es bis 2019 noch erforderlich werde.

Warum ist das Wirtschaften für die Sparkasse zurzeit schwierig?

Die Effekte von Nierigzins oder gar Negativzins seien 2016 deutlich spürbar gewesen, berichtet die Bank. Friedrich machte das an einem „Kuriosum in unserer Unternehmensgeschichte“ deutlich. Für ihr Wachstum durch Zuwächse an hinterlegten Geldern von Kunden, die nicht als Kredite wieder ausgereicht werden können, werde die Sparkasse bestraft. Bei der Europäischen Zentralbank müsse sie dafür Negativzins von 0,4 Prozent bezahlen. Friedrich geht davon aus, dass höhere Zinsen in den nächsten ein bis zwei Jahren nur ein Traum bleiben.

Wie hoch sind die Geldanlagen von Kunden bei der Sparkasse?

Der Bestand an bilanzwirksamen Einlagen und Wertpapieren der Sparkassenkunden ist um 6,5 Prozent auf 1,553 Milliarden Euro gestiegen und hat einen neuen Rekord erreicht. Die Steigerung, so Friedrich liege deutlich über dem Durchschnittswachstum der bayerischen Sparkassen. Insgesamt hat die Sparkasse übrigens knapp 45 700 Kunden.

Und wie entwickelte sich 2016 das Wertpapiergeschäft?

Nach Angaben von Friedrich hat die Sparkasse ihr Wertpapiergeschäft 2016 „moderat ausgeweitet“. Bei Investmentfonds habe man leicht zugelegt, „Aktieneinzeltitel und Rentenpapiere waren weniger gefragt“. Als Strategie der Geldanlage empfiehlt Friedrich Kunden, ihr Geld auf verschiedene Anlageformen zu verteilen.

Wie schnitt die Sparkasse im Versicherungsgeschäft ab?

2016 hat die Sparkasse Lebensversicherungen über die Gesamtsumme von 13,9 Millionen Euro vermittelt. Das waren 14,9 Prozent mehr als 2015. Bei den Sachversicherungen berichtete Friedrich von einem Absatzrekord von 1378 Policen.

Wirkte sich auch das Interesse an Betongold auf die Geschäfte aus?

Bei der Vermittlung von Immobilien erzielte die Sparkasse vergangenes Jahr nach eigenen Angaben mit 63 vermittelten Objekten ein Rekordumsatzvolumen von 8,6 Millionen Euro. Die Nachfrage nach Objekten übersteige gerade in Bad Kissingen das Angebot deutlich.

Welchen Stand hat die Sparkasse bei Kundenkrediten erreicht?

Der Bestand an Finanzierungen der Sparkasse für Kunden ist 2016 um 2,2 Prozent auf 671,2 Millionen Euro gestiegen. Es seien aber weniger Kredite neu bewilligt worden als im Jahr davor. Bei Privatkunden betrug das Volumen neu ausgereichter Kredite 51,8 Millionen Euro, bei gewerblichen Kunden 83,1 Millionen. Zum Teil, so Friedrich, herrsche aber ein „ruinöser Konditionswettbewerb“.

Viele Banken schließen Geschäftsstellen, was macht die Sparkasse?

Die Sparkasse Bad Kissingen hat zurzeit 19 Geschäftsstellen. Wie Vorstandsmitglied Michael Rendl betonte, will sie „gegen den allgemeinen Trend“ keine schließen. Alledings hat die Bank Öffnungszeiten angepasst. In der Hauptstelle ist zum Beispiel jetzt von 12.30 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause. Grundlage solcher Änderungen seien aber immer Frequenzanalysen. Beratungstermine gebe es zudem, auch wenn der Schalter geschlossen ist.

Hat die Sparkasse auch als Arbeitgeber noch Bedeutung?

Michael Rendl beschreibt die Sparkasse mit 335 durchschnittlich Beschäftigten nach wie vor als „bedeutenden Arbeitgeber“. Der Bestand werde zwar reduziert. Dies geschehe aber „vollständig über altersbedingte Fluktuation“. 37 Prozent der bankspezifisch Beschäftigten arbeiten nach Rendls Angaben in Teilzeit. Beziehe man die Reinigungskräfte mit ein, betrage die Teilzeitquote gar 49 Prozent. Das sei der höchste Wert der Sparkassen in Bayern.

Plant die Sparkasse Gebühren fürs Abheben am eigenen Automaten?

Die Sparkasse Bad Kissingen gehörte nach Michael Rendls Angaben nicht zu jenen Sparkassen, die sich mit dem Vorstoß, Gebühren von Kunden für das Geldabheben an eigenen Automaten vorwagten. Sie habe einen solchen Schritt auch nicht vor.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bad Kissingen
  • Siegfried Farkas
  • Bertolt Brecht
  • Europäische Zentralbank
  • Michael Rendl
  • Roland Friedrich
  • Sparkasse Bad Kissingen
  • Sparkassen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!