Bad Kissingen

Stühlerücken in der Bad Kissinger Stadtverwaltung

Die Stadt Bad Kissingen organisiert ihre Verwaltung neu. Das hat auch personelle Konsequenzen. Unter anderem gibt es ab März wieder einen geschäftsleitenden Beamten.
Gerhard Schneider (57), Kämmerer der Stadt Bad Kissingen, ist ab 1. März geschäftsleitender Beamter der Stadt. Foto: Siegfried Farkas

Die Stadt Bad Kissingen organisiert ihre Verwaltung neu. Das hat auch personelle Konsequenzen. Unter anderem gibt es ab März wieder einen geschäftsleitenden Beamten. Die Neuorganisation löst in der Stadtverwaltung an verschiedenen Stellen Stühlerücken aus. Die fast sieben Jahre verwaiste Position des Geschäftsleitersübernimmt Gerhard Schneider. Der 57-Jährige ist nach den Angaben von Oberbürgermeister Kay Blankenburg bei der Vorstellung der Änderungen "seit über 30 Jahren in Diensten der Stadt". In dieser Zeit habe er all die fachlichen Qualifikationen erworben, die es für so eine Aufgabe braucht. Auf der persönlichen Ebene attestierte der Oberbürgermeister Gerhard Schneider "ein hohes Maß an Integrationsfähigkeit". Im Rathaus genieße der 57-Jährige eine "ausgezeichnete Reputation".

Stefan Lang wird Kämmerer

Schneider übernimmt gleichzeitig die Leitung der neuen Abteilung I, Finanzen und Verwaltung. Die Referatsleiter dieser Abteilung sind darunter Stefan Lang, der Schneider als Kämmerer nachfolgt, Kerstin Heinisch (Haupt- und Personalverwaltung) sowie der für die Liegenschaften zuständige Maik Schmeller. Seine Aufgaben in Bezug auf die städtischen Beteiligungen behält Schneider auch weiterhin.

Insgesamt gesehen hat die Verwaltung der Großen Kreisstadt künftig vier statt drei Abteilungen. Leiter der Abteilung II, Recht und Ordnung, ist Justiziar Dr. Joachim Kohn. Die Leitung des zugehörigen Referats Zentraler Bürgerservice, in dem nach Angaben der Stadt jetzt "alle bürgernahen Dienste" zusammengefasst werden, bekommt der junge Björn Denner übertragen. Er hat nach Blankenburgs Worten die entsprechenden Qualifizierungen mit sehr guten Ergebnissen absolviert. Standesamt und Bestattungswesen, Bürgerbüro und Infotheke sind bei ihm künftig in einer Hand. Ebenfalls zu dieser Abteilung gehört das Referat Ordnungsverwaltung, das weiterhin Rainer Warzecha leitet.

Künftig vier Abteilungen

Vier Referate umfasst die weiterhin von Jan Voll geführte Bauabteilung. Für das Referat Bauverwaltung ist Horst Geier verantwortlich, Referatsleiterin Stadtplanung und Hochbau wird Christine Schwind. Den Tiefbau leitet weiter Thomas Hornung, den Servicebetrieb Jürgen Kober.

Die Abteilung IV schließlich beschäftigt sich mit dem Aufgabenbereich Kultur und Soziales. Geleitet wird sie künftig von Peter Weidisch, der ebenfalls bereits ein Vierteljahrhundert bei der Stadt tätig ist. Zudem hat Weidisch hier die Referatsleitung Archiv, Kultur und Bildung. Die anderen Referatsleiter in dieser Abteilung heißen Thomas Lutz (Kissinger Sommer und Stadtmarketing), Philipp Pfülb (Jugend, Familie und Soziales) und Bernd Hammer (Musikschule).

Seit 2012 kein geschäftsleitender Beamter mehr

Dass die Stadt nach Jahren der Vakanz die Rolle des geschäftsleitenden Beamten wieder besetzt, geschieht auf externe Bewertung und Beratung hin. Das bestätigte auch der OB. So einen Geschäftsleiter zu haben, sei "kein Muss im gesetzlichen Sinne", sagte er. Nach dem Weggang von Dr. Matthias Schneider habe sich die Stadt ohne "beholfen" und sei damit auch "zurechtgekommen".

Die Rolle des geschäftsleitenden Beamten bei der Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere grundlegende Wandlungen durchgemacht. Zu Zeiten von Hans-Georg Streng und Eberhard Gräf trug die wichtige Stelle im Rathaus sogar dazu bei, die regionalpolitische Statik des Landkreises auszutarieren und einen Ausgleich zwischen den im heutigen Bäderlandkreis aufgegangenen Altlandkreisen und der Großen Kreisstadt zu schaffen. Streng und Gräf waren jeweils auch stellvertretende Landräte.

Auch in der Stadtpolitik war ihr Einfluss dadurch größer. Der frühere Oberbürgermeister Christian Zoll (SPD) hatte zum Beispiel kein Problem damit, den CSU-Mann Gräf als seine graue Eminenz zu bezeichnen.

Früher auch politischer Einfluss

Ebenfalls noch mit einem Juristen besetzt, aber von der Wirkung her auf Rathaus und Verwaltung reduziert, war die Position bei Gräfs Nachfolger Dr. Matthias Schneider. Der damalige Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach machte Schneider sehr jung zum Verwaltungsleiter. Als Dr. Schneider dann schon unter OB Blankenburg 2012 als Professor nach Schmalkalden ging, blieb die Stelle erst einmal unbesetzt. 

Jetzt, bei Gerhard Schneider, wird die Rolle des geschäftsleitenden Beamten keine politische werden. Es gehe auch nicht um Repräsentation nach außen, so Blankenburg. Schneider werde einfach die Person sein, die ihn vertritt, wenn es um seine Position als Chef der städtischen Verwaltung geht. Schneider hat ohnehin in seiner Zeit bei der Stadt bisher keinerlei Ambitionen gezeigt, sich in stadtpolitischen Fragen zu positionieren.

Neuorganisation der Stadtverwaltung
Die Ziele der Neuorganisation der Verwaltung in der Großen Kreisstadt beschrieb bei der Vorstellung der Veränderungen David Rybak. Er ist im Rathaus förmlich mit dem Thema Verwaltungsmodernisierung betraut: Ziel der Neuorganisation sei, "den Anforderungen an eine moderne Dienstleistungsbehörde noch mehr" gerecht zu werden. Dafür sei der Aufbau der Verwaltung optimiert worden. Die Verwaltung müsse sich im Zeitalter von Digitalisierung und Bürgerdialog" permanent hinterfragen, anpassen und immer wieder auch neu aufstellen." Auch das Thema Personalmanagement werde für das Rathaus wichtiger werden. Das sei schon deshalb nötig, um die Stadt als Arbeitgeber attraktiver zu machen.

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