Zeitlofs

Südlink: Alternativ-Trasse durch Zeitlofs?

Bürgerinitiativen warnen schon länger vor einer Alternativ-Trasse durch den Sinngrund. Nun bestätigt der Projektplaner Tennet, dass diese Variante geprüft wird - neben 30 weiteren.
Der Protest gegen die geplante Stromtrasse Südlink von Norddeutschland nach Grafenrheinfeld entlang der Rhönautobahn schwappt nun aus dem Landkreis Bad Kissingen nach Main-Spessart. Anlass sind Prüfungen des Netzbetreibers Tennet für Alternativ-Trassen. Sie könnten den Sinn- und Bachgrund treffen - und damit auch den Markt Zeitlofs (siehe Grafik). Detaillierte Planungen über den tatsächlich angestrebten Verlauf soll es laut dem Unternehmen aber erst im September geben.

Zunächst hatte Tennet im Frühjahr einen Trassenkorridor für die bis zu 80 Meter hohen Masten vorgestellt. Im Bereich der Landkreise Fulda und Bad Kissingen führt die Trasse nach dem aktuellen Stand der Planungen direkt an der Autobahn A7 durch die Rhön. Gleichzeitig zeigte sich das Unternehmen für Alternativen offen. Bei Dialogveranstaltungen informierte Tennet über das Projekt und nahm Hinweise entgegen.

Biosphärenreservat als Trumpf?

Entlang des geplanten Trassenkorridors formierte sich indes heftiger Widerstand. Allein im Landkreis Bad Kissingen fanden sich drei Bürgerinitiativen zusammen. Ende Juni gipfelte der Protest in der Gründung von "RhönLink" - einem landkreisübergreifenden Protest-Verein gegen die Trasse. Neben Auswirkungen auf den Tourismus fürchtet man gesundheitliche Risiken. Ein Trumpf der Trassengegner im Landkreis Bad Kissingen gegen den ursprünglich angepeilten Verlauf könnte das gerade erweiterte Biosphärenreservat werden. Soweit der Sachstand bis jetzt.

Ja, eine Alternativ-Trasse durch Sinn- und Bachgrund werde geprüft, bestätigte ein Sprecher von Tennet. Insgesamt hätten sich bei den Dialogveranstaltungen insgesamt 30 alternative Trassenvorschläge ergeben - bei einer Planungslänge von rund 600 Kilometern ist das auch kein Wunder. Für den Markt Zeitlofs heißt das: In die Untersuchungen einbezogen sind auch das Umfeld der neuen Gasleitung und der nie fertiggestellten Reichsautobahn.

Günther Felbinger sieht rot

Alarmiert zeigt sich der Freie Wähler-Landtagsabgeordnete Günther Felbinger aus Gemünden. "Die Alarmzeichen stehen auf rot, mehrere mögliche Stromtrassen durch das Sinntal nach Gemünden und weiter in den Bachgrund würden den Tod für jeglichen Tourismus in unserer Region bedeuten", schreibt er unter Verweis auf die Proteste im Nachbarlandkreis. Auch im Main-Spessart-Kreis müsse es öffentlichen Widerstand geben.

"Eher durch Zufall habe ich erfahren, dass Tennet eine Alternativ-Trasse entlang der Eisenbahnstrecke im Sinngrund bis Gemünden und dann weiter entlang des Bachgrunds mit diesen 80 Meter hohen Masten in Erwägung zieht. Das ist doch ein Irrsinn in diesem engen Tal überhaupt auf die Idee zu kommen, dort eine solche Leitung entlang führen zu wollen", wettert der Volksvertreter. Dass auch der Main-Spessarter Teil des Sinngrunds und weiter entlang des Maintals als Alternativtrasse in Erwägung gezogen wird, sei bisher nicht durch Tennet an die kommunalpolitischen Entscheidungsträger der Region herangetragen worden.

Bürgermeister ist empört

Vera Haydu, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Brückenauer Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse" erzählt, dass beim jüngsten Treffen des Vereins Vertreter aus dem Nachbar-Landkreis Main-Spessart gekommen sind, um sich überhaupt erst einmal über Südlink zu informieren. "Die Zeit bis zur Entscheidung ist so kurz", beklagt Haydu, dass Alternativ-Trassen den Bürgern erst im September vorgestellt werden sollen. Tennet dagegen weist darauf hin, dass die Planer eine gewisse Zeit benötigen, um alle Hinweise zu prüfen. Bis Ende des Jahres will Tennet den ersten Antrag für das Projekt bei der Bundesnetzagentur stellen.

Wilhelm Friedrich (CSU), Bürgermeister in Zeitlofs, will seine Empörung über Südlink nicht zurückhalten: "Die wollen auf die Billigheimer-Tour eine Trasse quer durch Deutschland ziehen. Das kann es nicht sein!" In unmittelbarer Nähe verlaufen bereits zwei unterirdische Gasleitungen und eine ICE-Trasse. Friedrich kann sich nicht vorstellen, dass da noch Platz für Riesen-Masten sein soll.

"Außerdem ist da noch das Bibergebiet zwischen Zeitlofs und Mottgers", sagt Friedrich, der sich erklärtermaßen nicht zu den Freunden der geschützten Art zählt. Aber: Um die Trasse zu verhindern - oder zumindest unter die Erde zu bringen - ist jedes Mittel recht. Eigens für Zeitlofs entwarf die Bürgerinitiative einen Flyer, der die Situation im Sinngrund erläutert. Er liegt in der Apotheke sowie im Friseursalon aus.

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