Mottgers

Tabbert-Werk zeigt, wie ein Wohnwagen entsteht

Am 27. September wird das neue Tabbert-Werk in Mottgers eingeweiht. Einen Tag später darf auch die Bevölkerung die Produktion für Wohnwagen besichtigen. Viele Leute aus dem Altlandkreis Bad Brückenau arbeiten hier.
"Wir sind noch mitten im Umzug", entschuldigt sich Heino Löber, Produktionsleiter bei Tabbert, gleich am Anfang. Davon ist in der neuen Fertigungshalle für Wohnwagen aber nicht viel zu spüren. Klar, das 246 Meter lange Förderband läuft noch nicht. Die Arbeiter ziehen die einzelnen Fahrgestelle, auf die nach und nach Möbel, Elektrik, Wände schließlich das Dach angebracht werden, mit eigener Kraft durch die Halle. Aber es wird gebaut, und zwar nicht zu knapp. "15 bis 20 Fahrzeuge bauen wir am Tag", sagt Löber stolz.

Seit Mitte August herrscht reger Betrieb in der neuen Fertigungshalle in Mottgers. Am 27. September wird das neue Werk eingeweiht. Das Unternehmen verbindet das Ereignis mit einem Tag der offenen Tür für die Bevölkerung am Samstag, 28. September. Das Fest bietet sich gleich doppelt an, denn Tabbert feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen.

Sechs Millionen investiert

Zurück in der Produktion. Heino Löber steht in der Schreinerei. Hier produzieren die Mitarbeiter in zwei Schichten die Einzelteile für die Wohnwagen. "Allein in dieser Halle haben wir 90 Prozent der Maschinen und Anlagen ausgetauscht", berichtet Löber, der von Schondra ins hessische Mottgers pendelt. Allein zwei computergesteuerte Fräsmaschinen kosteten rund 420.000 Euro. "Die schneiden das Material genau nach den Plänen im Computer", erklärt Löber. Auch zwei nagelneue Kantenanleim-Maschinen und eine Anlage für den Plattenzuschnitt stehen in der Schreinerei. Insgesamt hat das Unternehmen 6 Millionen Euro investiert.

Löber ist seit 1992 bei Tabbert. Er hat viele Höhen und Tiefen des Unternehmens erlebt, zum Beispiel auch die Insolvenz im Jahr 2008. Damals rettete der niederländische Investor HTP die Firma vor dem Untergang. Unter dem Namen der neu gegründete "Knaus Tabbert GmbH" lief die Produktion im März 2009 wieder an. Das Unternehmen erholte sich und konnte im September 2012 - also vor einem Jahr - eine Bürgschaft der Staatsregierung vorzeitig zurückzahlen.

Ein holpriges Jahr

Trotzdem musste im Januar die komplette Geschäftsführung gehen. Ein kurzzeitiger Baustopp des Werkes in Mottgers "überzeugte" die Mitarbeiter, einem "Zukunftstarifvertrag" für die Standorte in Mottgers und Jandelsbrunn (Niederbayern) zuzustimmen. Die Produktion lief - und zwar behelfsmäßig in einem 1200 Quadratmeter großen Zelt - aber die Stimmung war nicht gerade die beste.

"Der Druck war sehr groß", bestätigt Alexander Wehrmann, Pressesprecher bei Knaus Tabbert. Grund für den Führungswechsel seien unterschiedliche Auffassungen bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens gewesen. Die Zulassung von Freizeitfahrzeugen in Europa sei im Vergleich zum Jahr 2007 um knapp 30 Prozent eingebrochen. Inzwischen habe sich die Lage etwas stabilisiert - aber auf wesentlich niedrigerem Niveau.
"Die alte Geschäftsführung setzte auf Wachstum", erklärt Wehrmann den Hintergrund für den Konflikt. Neue Märkte in Asien und Australien sollten erschlossen werden. "HTP wollte dagegen eine gesunde Struktur schaffen und sich den geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa anpassen." Soll heißen: Das Unternehmen will sich auf die Modelle, die gut laufen, konzentrieren. Zum Beispiel auf die Premium-Marke Tabbert, die ausschließlich eben in Mottgers gebaut wird.

Inzwischen ist die Stimmung bei den Arbeitern, von denen übrigens niemand gekündigt wurde, wieder besser, erzählt Heino Löber. Das Zelt, in dem auch im Winter gebaut wurde, steht zwar noch. Aber das hat auch einen guten Grund. Am Tag der offenen Tür wird es zum Festzelt umfunktioniert.

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