Bad Kissingen

Vegan in Bad Kissingen: ein Restaurant wagt den Schritt

Gastronomen in Bad Kissingen setzen zunehmend auf vegane Gerichte. Es gibt Spaghetti Bolognese und Smoothies. Bleibt die Frage: kommt das auch an?
Romana und Darius Hancea betreiben das einzige Restaurant in Bad Kissingen mit einer veganen Speisekarte.  Fotos: Anja Greiner       -  Romana und Darius Hancea betreiben das einzige Restaurant in Bad Kissingen mit einer veganen Speisekarte.  Fotos: Anja Greiner
Romana und Darius Hancea betreiben das einzige Restaurant in Bad Kissingen mit einer veganen Speisekarte. Fotos: Anja Greiner
Romana und Darius Hancea sitzen an einem Freitagvormittag in ihrem Restaurant Ambiente im Bad Kissinger Süden - vor der Eingangstür die Bundesstraße, hinter den Fenstern im Gastraum der Golfplatz und vor sich auf dem Tisch eine Speisekarte mit 17 Gerichten - von Lasagne bis Kokospudding - alle vegan. Im Landkreis bislang einzigartig: neben einer "normalen" Speisekarte auch eine vegan anzubieten.


"Vorher hätte ich nicht geglaubt, dass so leckere Sachen dabei rauskommen", sagt Romana Hancea. Ein Einblick in das kleine, vegane Küchen Einmal-Eins: Sojamilch statt Kuhmilch, Sojasahne, Kokosmilch, granuliertes Soja für die Bechamelsoße, geräucherter Tofu für die Bolognese, Sojaflöckchen und geräuchertes Salz für den Speckgeschmack in der Carbonara. Und veganer Käse. Hergestellt aus Cashewkernen, Tofu oder Sojamilch mit pflanzlicher Margarine und Hefeflocken ist der vegane Käse vor allem eines: teuer. 14 Euro kostet das Kilo, knapp vier Euro würde die selbe Menge normalen Käses kosten. Im Kühlhaus von Darius Hancea steht eine vegane und eine normale Lebensmittel-Abteilung.


"Das versuchen wir mal"

Hancea, 35, ist gelernter Pizzabäcker und Koch, er und seine Frau, 37, waren einige Jahre in der Gastronomie in Hammelburg angestellt, im März 2015 haben sie sich mit dem "Ambiente" am Golfplatz selbstständig gemacht, im Sommer kam der städtische Wirtschaftsförderer Michael Wieden auf sie zu mit der Idee für eine vegane Speisekarte. "Das versuchen wir mal", hatte Darius Hancea gedacht "Damit können wir uns abheben von den anderen", war der erste Gedanke seiner Frau. Beide hatten mit veganem Lebensstil bis dahin nichts zu tun, beide essen auch heute noch Fleisch. Der Plan scheint bislang aufzugehen. Die Nachfrage ist gut, sagen sie.

Das neueste Experiment von Darius Hancea: glutenfreie Pizza. Das Problem: Gluten macht den Teig geschmeidig, Hancea braucht jetzt ein wenig mehr Geduld beim kneten, aber, sagt er: "Das kriegen wir hin."

Wirtschaftsförderer Michael Wieden ist überzeugt, dass es auch in Bad Kissingen einen Markt für vegane Ernährung gibt. Mag er auch überschaubar sein: Das Mein Kissinger Kaffee bietet Sojamilch zum Kaffee und das Zen-Bistro in der Weingasse hat vegane Snacks, Smoothies und Shakes im Angebot. Letzteres wird in Kürze schließen, der Grund sei nicht die fehlende Nachfrage. "Wir gehen auf Weltreise", sagt Noch-Inhaber Torsten Zumpe. Er hat bereits Interessenten für das Bistro, die sich vorstellen könnten, das vegane Konzept fortzuführen. Im Sommer wird es, sagt Wieden, auch veganes Eis geben.

Wieden selbst lebt seit einem Jahr vegan. Er will nicht missionieren, vielmehr will er Bad Kissingen als Gesundheitsstandort stärken. "Es kann nicht sein, dass wer vegan Essen möchte, nach Schweinfurt oder Fulda geschickt wird."

Mag die vegane Speisekarte der Hanceas einzig in Bad Kissingen sein, das Bewusstsein für den Ernährungstrend ist es nicht: Viele Restaurants im Landkreis haben doch zumindest ein veganes Gericht auf der Karte. Das Wein-Cafe´ Restaurant Ruine Aura in Aura an der Saale ist ein Beispiel von vielen. "Die Nachfrage", so Jessica Rochus, Servicekraft, "wird immer mehr". Alle drei Monate wechseln sie das vegane Gericht, wäre die Küche ein wenig größer, der Koch würde überlegen, noch mehr anzubieten.

Manchen kommt vegan aber auch nicht auf die Karte: Hermann Laudensack, Sternekoch und Gastronom sagt: "Der Markt wird nicht so sein, dass man damit Geld verdienen kann." Bad Kissingen ist nicht Berlin Prenzlauer Berg. Und vegan heißt auch nicht unbedingt gesund. Nahrungsergänzungsmittel gehören quasi mit zum Speiseplan. Eine gesunde Skepsis ist also durchaus angebracht.

Nach Rücksprache, sagt Laudensack noch, könne man aber auch bei ihm ein veganes Gericht bekommen.
"Jeder Koch", sagt Darius Hancea, "kann, wenn er will, vegane Gericht machen."

Es gibt eigentlich nur eine Sache, die nicht vegan ist, und die es auch bei Hanceas nie sein wird: Essig. In der Herstellung, bei der Filtrierung, sind Tierprodukte im Einsatz. Sie sagen es jedem Gast, bieten als Ersatz Zitrone an. "Viele", sagt Romana Hancea, "nehmen trotzdem den Essig".


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