BAD KISSINGEN/SCHWEINFURT

Von Betrügern und schwarzen Schafen

Seriöse Schlüssel- und Handwerker-Notdienste finden       -  Ausgeschlossen und was jetzt? Gerade bei Schlüsseldiensten ist das Thema Abzocke auch im Raum Schweinfurt nach Erfahrung des Verbraucherschutzes immer noch ein großes.
Ausgeschlossen und was jetzt? Gerade bei Schlüsseldiensten ist das Thema Abzocke auch im Raum Schweinfurt nach Erfahrung des Verbraucherschutzes immer noch ein großes. Foto: Kai Remmers

Über mangelnde Themen kann sich Stefanie Gold von der Schweinfurter Verbraucherzentrale nicht beklagen – und das betrifft auch zahlreiche Klienten aus dem Landkreis Bad Kissingen. In ihrer Bilanz für 2018 verzeichnet sie, was die gesamte Region Main-Rhön angeht, 1076 kostenpflichtige Beratungen und 1132 Kurzauskünfte und Verweise. Das liege im Schnitt der vergangenen Jahre, sagt Gold. „Wir merken trotz des Internets, dass die persönliche Beratung vor Ort immer noch wichtig ist.“ In Bad Kissingen hat die Verbraucherzentrale übrigens auch einen regelmäßigen Energie-Stützpunkt eingerichtet.

Die Themenvielfalt der Beratung ist groß. Zuständig sind die Beraterkräfte für alle Anfragen aus den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge, sowie für Stadt und Landkreis Schweinfurt. Am meisten Beratungen gab es in 2018 zum Thema Markt und Recht, nämlich insgesamt 364. 263 Mal wurden Fragen zu Finanzen, Versicherung und Altersvorsorge beantwortet. Ein weiterer Schwerpunkt der Anfragen betraf das Thema Telekommunikation und Medien mit 188 Fällen.

Lotsenfunktion für Betroffene

„Wir erfüllen eine wichtige Lotsenfunktion und helfen Verbrauchern, den richtigen Ansprechpartner für ihr Problem zu finden“, erklärt Stefanie Gold. Dauerbrenner in ihrer Beratungsstelle sei die Telekommunikation.

Diesbezüglich hätten sich im Jahr 2018 auch zahlreiche Klienten aus dem Landkreis Bad Kissingen an sie gewandt: Ob Handy-Anbieter, Streaming-Dienste, TV-Anbieter - in allen Bereichen gebe es immer wieder Unklarheiten bei Verträgen zu Lasten der Verbraucher – und schwarze Schafe.

Golds Erfahrung: „Die Menschen wissen oft gar nicht, was sie unterschrieben haben.“ Zum Beispiel werden gerade älteren Mitbürgern immer wieder Tarife verkauft, die auch eine Internet-Flatrate enthalten, obwohl man gar keinen internetfähigen Computer zu Hause hat.

Gold spricht von „gesundem Misstrauen“, das man als Verbraucher vor allem bei Telefon-Gewinnspielen und Ähnlichem an den Tag legen sollte. Es gebe aber auch Fälle dreister Abzocke, in denen die Not der Menschen ausgenutzt werde.

Zum Beispiel beim Thema Schlüsseldienst. Das sei nach wie vor in allen mainfränkischen Landkreisen nachts ein Thema. Da hat jemand seinen Schlüssel verloren oder im Haus liegenlassen – und dann kämen angeblich seriöse Anbieter von weither gefahren und würden horrende Summen fürs Öffnen der Tür verlangen, schildert Gold das Geschehen.

Einschüchterungen der Kunden seien dabei an der Tagesordnung. Gold weiß von Fällen aus der Region, wo bis zu 1000 Euro verlangt wurden, fürs Öffnen einer Wohnungstür, nachdem man sich ausgeschlossen hatte.

Ihr grundsätzliche Rat, wenn es Ärger gibt, lautet deshalb: „Die Polizei rufen“, was aber natürlich manchmal in der Situation schwierig sein kann. Nicht nur bei Schlüsseldiensten gibt es schwarze Schafe, das Thema hat sich, laut Gold, auch erweitert auf Elektro-Notdienste oder Schädlingsbekämpfer.

3000 Euro für nichts bezahlt

Ein Thema, das zuletzt regional beim Afrika-Festival in Würzburg Schlagzeilen machte, ist der Ticketvermittler Viagogo aus der Schweiz. Gold kennt einen besonders krassen Fall aus dem Landkreis Schweinfurt, bei dem ein Fußballfan für vier Karten eines Spiels seiner Lieblingsmannschaft 3000 Euro zahlte, die Karten aber nicht bekam. Gegen Viagogo laufen Klagen der Verbraucherzentrale, so Gold, es sei aber schwierig. „Man kann nur warnen, bei diesem Portal vorsichtig zu sein.“

Grundsätzlich bestätigt Gold, dass es gerade „für die ältere Bevölkerung immer komplexer wird, den Überblick über alle Angebote zu behalten“, gerade weil man zum Beispiel bei Strom, Gas oder Telekommunikation die Anbieter mittlerweile frei auswählen kann. Da den besten und für sich passendsten Tarif zu finden, sei schwer.

Bewährt haben sich die Energieberatungen vor Ort, die seit 2019 sogar kostenlos sind. Im vergangenen Jahr wurden im Postleitzahlenbereich 97 insgesamt 154 Energie-Checks durchgeführt. Einer der Energie-Stützpunkte ist hier Bad Kissingen, sagt Gold. Jeden zweiten Donnerstag im Monat kann man sich im Rathaus Bad Kissingen von 14.30 bis 17.30 Uhr zu unterschiedlichen Themen beraten lassen, wie zum Beispiel zum Heizen, Lüften oder Stromsparen.

Termine für die Energieberatung in Bad Kissingen kann man unter Tel. (08 00) 8 09 80 24 00 oder unter (09 71) 807-0 vereinbaren. - Die Verbraucherzentrale in Schweinfurt ist geöffnet montags und mittwochs von 9 bis 13 Uhr, donnerstags von 13 bis 17 Uhr sowie freitags nach Vereinbarung geöffnet. Tel. (0 97 21) 2 17 17 oder unter

www.verbraucherzentrale-bayern.de

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