Bad Kissingen

Vorsichtige Umschichtung im Programm des Kissinger Sommers

Der Kissinger Sommer und Tilman Schlömp müssen sich regelmäßig kritisch prüfen lassen. Im Stadtrat lieferte der Intendant jetzt Antworten auf Fragen zur Festivalstruktur.
Die Stadt Bad Kissingen betreibt den Kissinger Sommer nicht nur aus Freude an der Musik, sondern auch als Marketinginstrument. Das Festival steht daher dauernd unter Beobachtung.
Die Stadt Bad Kissingen betreibt den Kissinger Sommer nicht nur aus Freude an der Musik, sondern auch als Marketinginstrument. Das Festival steht daher dauernd unter Beobachtung. Foto: Siegfried Farkas

Der Kissinger Sommer 2019 ist erst ein paar Tage zu Ende. Über seine Zahlen wird aber zumindest in Teilen schon diskutiert. Als Intendant Tilman Schlömp und Thomas Lutz, der Leiter des Büros Kissinger Sommer bei der Stadt, am Mittwoch dem Stadtrat zum Festival 2019 Rede und Antwort standen, berichtete Lutz zwar schon vom Umsatz bei den Kartenverkäufen. Für 20 297 verkaufte Karten wurden demnach 1,018 Millionen Euro eingenommen. Das sind wohl etwa 90 000 Euro weniger als vorab angesetzt. Die in der Sitzungsunterlage angekündigte Bilanz des unvermeidlichen Defizits gab es aber noch nicht. Die Bilanzierung sei erst im Oktober möglich.

Dafür antwortete Schlömp ausführlich auf Fragen zur Struktur des Festivals und seines Programms, die Stadträtin Karin Renner im nichtöffentlichen Teil einer vergangenen Ratssitzung vorgebracht hatte. Zunächst trat der Intendant der Einschätzung entgegen, sein Festival habe zu wenig Orchesterkonzerte im Programm. Grundsätzlich bildeten Orchesterkonzerte und Kammermusik nach wie vor den Schwerpunkt des Programms. 

Ein bis zwei Orchesterkonzerte pro Jahr weniger

Es gebe auch eine leichte Tendenz zu ein bis zwei Orchesterkonzerten pro Festival weniger als bei seiner Vorgängerin Kari Kahl-Wolfsjäger. Schlömp spricht aber auch von Umschichtung und Ausdifferenzierung im Programm. Neue Formate seien zudem "deutlich sichtbar". Das sogenannte Education-Programm und die Meisterkurse, heißt es an einer Stelle in der Sitzungsunterlage, sei "in der Ära Schlömp zu einem wichtigen Bestandteil des Kissinger Sommers geworden".

Der Kartenumsatz liege auf dem Niveau der beiden Vorjahre, "wie auch auf dem der Jahre vor 2016", heißt es in dem Papier, das er zur Ratssitzung vorlegte.  Sichtbar sei auch, dass der Umsatz durch Orchesterkonzerte zurückgehe, obwohl sie weiter in ähnlicher Größenordnung stattfänden.

Keine Tendenz, den Max-Littmann-Saal zu vernachlässigen

Schlömp widersprach auch der Einschätzung, es gebe weniger Konzerte im großen Max-Littmann-Saal des Regentenbaus. Es seien zwar andere Spielstätten hinzugekommen, das Luitpoldbad etwa, oder die Therme und das Kurgartencafé. Es gebe aber keine Tendenz, den Großen Saal zu vernachlässigen.

So liegt es auch nahe, dass das Festival seinen Hauptumsatz nach wie vor mit den Konzerten im Max-Littmann-Saal und im Rossinisaal macht. Auch das Luitpoldbad habe 2019 viel Umsatz "generiert". Bei den Spielstätten außerhalb Bad Kissingens sei der Umsatz aber zurückgegangen, "obwohl deren Anzahl über die Jahre stabil" sei.

Am Montag kommen die wenigsten, am Sonntag die meisten

Aufschluss über die Entwicklung des Besucherverhaltens liefert die Analyse auch. Unterscheidet man den Verkauf von Karten nach Wochentagen, dann ergibt sich eine klar ansteigende Tendenz vom wenig besuchten Montag zum hoch ausgelasteten Sonntag hin. Überhaupt habe sich das Gewicht in den vergangenen Jahren insgesamt Richtung Wochenende verschoben.

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