HAMMELBURG

Wahllokal dicht – Briefwahl boomt

Ganz so schlimm war es nicht: Die Freien Wähler gingen nicht baden, wenngleich sie sich ein besseres Ergebnis erhofft hatten.
Ganz so schlimm war es nicht: Die Freien Wähler gingen nicht baden, wenngleich sie sich ein besseres Ergebnis erhofft hatten. Foto: Roland Pleier

Spannende Stunden erlebt CSU-Listenkandidat Martin Wende. Ob der politische Senkrechtstarter aus Hammelburg mit seinem aussichtsreichen vierten Platz in Unterfranken mit seiner wieder erstarkten Partei in den Landtag einzieht, wird erst am Mittwoch zuverlässig zu erfahren sein, heißt es bei der Kreiswahlleitung.

Für Reimar Glückler dagegen ist der Käse gegessen. Der Freie Wähler und Zweiter Bürgermeister der Stadt Hammelburg hatte keine Chance gegen Sandro Kirchner (wir berichteten). Ein genauer Blick auf das Abstimmverhalten im Landkreis gibt interessante Aufschlüsse und lässt trefflich spekulieren.

Je näher an der politischen Wirkungsstätte Glücklers, umso größer ist der Zuspruch. Häufig hat er persönlich mehr Stimmen eingefahren, als seine Partei Zweitstimmen.

Sandro Kirchner zu übertrumpfen, gelang ihm jedoch nirgends. Am meisten Stimmen heimste er mit 29,7 Prozent in Diebach ein, seiner früheren kommunalen Wirkungsstätte als Ortssprecher.

Auffallend sind die starken Stimmenschwankungen des CSU-Kandidaten Sandro Kirchner im Hammelburger Stadtgebiet. Sie reichen von 30,8 Prozent in Morlesau bis zu 61 Prozent in Untererthal. Letzteren Stadtteil feiern die CSU selbst gerne als „schwarze Hochburg“, zuletzt beim Besuch von Bundestagsabgeordnetem Peter Gauweiler.

Für seine Verhältnisse einen Spitzenwert verzeichnet Glückler mit 28 Prozent in Feuerthal. Hier muss sich ein anderer Kandidat um seine Sympathiewerte sorgen. Robert Römmelt (SPD) bescherte sein Bekenntnis für regenerative Energien dort den Minusrekord von drei Prozent. Ob dieses Ergebnis der Windkraftdiskussion am Ort zu verdanken ist, oder der Tatsache, dass Glückler vor allem Römmelt Stimmen abluchste, ist unklar.

Auch dies eine Erkenntnis dieses Urnengangs: Engenthal droht sein Wahllokal zu verlieren. Nur 54 Einwohner des Angerdorfes gaben ihre Stimme persönlich ab. Unter 50 zu erwartenden Wählern muss es einem anderen Wahllokal zugeschlagen werden. Relativ auffällig: Die Piraten bringen es in Engenthal auf 5,56 Prozent (drei Wähler). Auch in Morlesau und Feuerthal knackten sie die Fünf-Prozent-Hürde. Dafür reichen in den kleinen Orten wenig Stimmen. Für Glückler gab es in Engenthal zwei Stimmen, aber keine für seine Freien Wähler.

Ungewöhnlich viele ungültige Stimmen gibt es in Oberthulba. Ihre Zahl beträgt rund zwei Prozent. Einen Bonus haben die Freien-Wähler hier nicht, obwohl Bürgermeister Gotthard Schlereth dort aktiv ist. Oberthulba wählte schwarz und mit rund 60 Prozent sogar das beste Ergebnis im Altlandkreis.

Zwei Drittel Briefwähler

Knapp gefolgt von Wartmannsroth. Dort schob die viel diskutierte Konzentration auf zwei Wahllokale für alle Ortsteile die Briefwahl gewaltig an. Mehr als zwei Drittel der Wähler erschienen nicht mehr persönlich zur Stimmabgabe. Der Trend ist aber auch anderenorts übersehbar. In Hammelburg und Euerdorf lag die Briefwahlquote über 50 Prozent.

Dieser erhöhte Anteil lässt keine Rückschlüsse mehr darüber zu, wie hoch die Wahlbeteiligung in einzelnen Ortsteilen tatsächlich ist, weil die Briefwähler gebündelt erfasst werden. In Hammelburg Stadt sowie Pfaffenhausen/Lager liegt die Wahlbeteiligung der Urnengänger bei unter 30 Prozent. Der Briefwahlanteil dürfte dort entsprechend hoch sein.

Traditionell sind die Grünen in Langendorf vergleichsweise stark. Dort holten sie 16,3 Prozent. Zweistellig war die Öko-Partei ansonsten nur in Hammelburg Stadt (11 Prozent). Trimberg macht wieder mit einem relativ hohen Linken-Anteil auf sich aufmerksam. Von 63 Wählern in der Wahlkabine kreuzten sieben (11 Prozent) diese Partei an. Ihren Spitzenwert im Altlandkreis holt die SPD in Sulzthal mit 19,7 Prozent, während sie es selbst in Hammelburg nur auf 13,7 Prozent bringt.

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