Euerdorf

Warum Patricia Schießer wieder Bürgermeisterin von Euerdorf werden will

Statt hauptamtlich arbeitet die Chefin der Gemeindeverwaltung im Fall einer Wiederwahl künftig ehrenamtlich: Schmälert das ihre Ambitionen?   
Patricia Schießer will wieder Bürgermeisterin in Euerdorf werden.  Foto: Anand Anders

Dass Patricia Schießer auch künftig an der Spitze der Gemeindeverwaltung in Euerdorf stehen möchte, überrascht manche. Doch mit dem dann bevorstehenden Einschnitt beim Gehalt könnte sie sich offenbar gut arrangieren. Schließlich habe sie sich 2013 zur Kandidatur bereit erklärt, als der Gemeinderat die Aufstufung des Amtes noch gar nicht beschlossen hatte, argumentiert sie auf entsprechende Nachfrage der Redaktion. Sie sei seinerzeit zunächst von einer ehrenamtlichen Beschäftigung ausgegangen.                 

Am Status könne man ihre Ambitionen folglich nicht messen: "Mein Herz schlägt schon immer für Euerdorf und Wirmsthal", sagt die 56-Jährige. Schließlich habe sie seit dem Amtsantritt 2014 Einiges erreicht. Zuallererst nennt sie, dass die Gemeinde unter ihrer Leitung 2,2 Millionen Euro für maßgebliche Bauprojekte an Land zog. Kritik daran, dass der Rathausbau im Ortskern teurer wird, weist sie zurück. Mit den Verzögerungen  und den damit verbundenen Verteuerung des 4,2-Millionen-Euro-Projektes liege man im Trend von Bauvorhaben. So habe sich ja bereits die Fertigstellung des Rohbaus verzögert. Hohe Auslastung der Betriebe und steigende Materialkosten nennt Schießer als Ursachen. Nicht zu vergessen sei, dass die Gemeinde sich für diese Belebung des Ortskerns 1,2 Millionen Euro an Förderung sicherte.

Weiter gekommen sei man im Ort seit 2014 auch mit anderen wichtigen Infrastrukturprojekten. Darunter fällt die Sanierung der Bahnhofstraße und der Alten Kissinger Straße samt Vorbereitung der Gasversorgung für das gesamte Baugebiet Breet. "Daran, dass die Straße nach Aura fertig geworden ist, bin ich auch nicht ganz unbeteiligt", sagt Schießer. Der Radweg nach Wirmsthal sei genauso auf der Habenseite der laufenden Amtsperiode, wie die Arbeiten am Friedhof. Die 1300-Jahr-Feier mit 13 Anlässen habe man ja auch erst mal hinbekommen müssen. Vorangekommen sei man mit dem schnellen Internet in einem Großteil des Ortes. Froh könne man sein, dass das Altenheim durch die Übernahme von der Carl-von-Heß'schen Stiftung renoviert worden ist.

40 neue Bauplätze 

Breiten Raum nehmen laut Schilderung von Schießer inzwischen die Vorbereitungen für das geplante Neubaugebiet zwischen Breet und Karwinkel mit 40 Bauplätzen ein. Vorfreude gebe es auf die beschlossene Freizeitanlage an der Saale mit Angeboten für alle Generationen.

Viele Entscheidungen im Gemeinderat seien einvernehmlich gefällt worden und die ersten viereinhalb  Jahre habe man im Gemeinderat gut zusammengearbeitet. Dem Klima geschadet habe der Bürgerentscheid zum Status des Bürgermeisteramtes. "Seitdem sind wir im Wahlkampfmodus", bedauert Schießer. Die Entscheidung zugunsten der Ehrenamtlichkeit habe sie nicht überrascht, die Deutlichkeit schon. Das führt sie aber auch auf die Art der Fragestellung zurück, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen.

Für wünschenswert hält sie es, den Anteil junger Menschen und Frauen im Gemeinderat zu steigern. Aktuell zwei weibliche Gemeinderatsmitglieder seien zu wenig, um den Bevölkerunganteil  von Frauen widerzuspiegeln. "Vielleicht stehen sich die Frauen manchmal selbst im Weg", bedauert sie eine stärkere Bereitschaft, sich einzumischen. Dabei leisteten Frauen ja zum Beispiel in Elternbeiräten beispielhafte Arbeit. Schon seit jeher sei die CSU-Liste in Euerdorf offen für parteilose Mitarbeit gewesen, wirbt sie für Mitarbeit an der Kommunalpolitik.

Gemeindepolitik ist allgegenwärtig 

"Mir fällt nichts ein, wo ich etwas weglassen könnte", sagt Partricia Schießer zur Frage, ob sie unter den Vorzeichen der Ehrenamtlichkeit ihren Einsatz entsprechend zurückfahren möchte. Der Tag habe acht bis zehn Stunden, dazu kämen abendliche Veranstaltungen. Nicht zu vergessen, dass man auch bei privaten Begegnungen  immer wieder mit der Gemeindepolitik konfrontiert wird.   

Wie die Amtsausübung künftig honoriert wird, ist noch offen. Darüber entscheidet der Gemeinderat nach der Wahl. Der Richtwert liegt unter der bisherigen Entlohnung nach A 13. "Wer nur auf den Stundensatz schielt, ist in der freien Wirtschaft sowieso besser aufgehoben", sagt die Bürgermeisterin.

Für die Zukunft setzt Patricia Schießer unter anderem auf eine weitere Erneuerung des Ortskernes auch durch private Bauherren. Mit Eröffnung der neuen Arztpraxis sei man schon einen Schritt weiter. Zufrieden ist sie, dass im künftigen Baugebiet keine Bauplätze gehortet werden können, weil die Gemeinde das Gelände erst komplett selbst erwirbt.

Ob es auch einen Wunsch gibt, der auch in der kommenden Amtsperiode voraussichtlich nicht in Erfüllung gehen wird? Ja, räumt sie ein. Schön wäre es ihrer Ansicht nach, wenn es von der bestehenden Verwaltungsgemeinschaft zu einer Großgemeinde mit Ramsthal, Sulzthal und Aura kommt. Alleine durch eine Vereinheitlichung des Gebührenwesens ließe sich viel Arbeit im Rathaus einsparen, findet Schießer. Sie lässt zu dem Thema aber auch Verständnis dafür durchklingen, dass die Menschen ihren Bürgermeister vor Ort haben wollen. Die Nominierungsversammlung der CSU für die Bürgermeisterkandidatin ist für Mitte November geplant.

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