DIEBACH/WÜRZBURG

Warum der Dschungel so viele Fans hat

Matthias Mangiapane, Reality-TV-Darsteller aus Diebach (Lkr. Bad Kissingen) nimmt am RTL-Dschungelcamp teil. Foto: Michael Czygan

Kurz bevor er sein Smartphone abgeben musste, hat Matthias Mangiapane in den sozialen Netzwerken noch einmal kräftig Werbung für sich gemacht. Der Reality-TV-Darsteller aus Diebach (Lkr. Bad Kissingen) will beim RTL-Dschungelcamp unter die letzten Drei kommen. Diesen Freitag (21.15 Uhr) startet die zwölfte Staffel der schrillen Show. Warum „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ so beliebt ist, weiß der Psychologe Benjamin Lange von der Universität Würzburg.

Lange (39), der am Institut Mensch-Computer-Medien über Phänomene wie die Partnerwahl im Internet forscht, ist kein regelmäßiger Dschungelcamp-Gucker. „Aber ich kenne die Sendung vom Durchzappen.“ Nach fünf bis zehn Minuten schalte er in der Regel wieder um. „Mehr ertrage ich nicht“, sagt der Wissenschaftler und lacht. Sein Urteil fällt wenig schmeichelhaft aus: „Das Dschungelcamp ist Affektfernsehen prototypischter Machart.“ Die Macher bedienten sich in „unglaublicher Konsequenz“ an Stereotypen und Klischees.

Sendung appelliert an Instinkte

Der Medienpsychologe kann den Erfolg der Sendung jedenfalls erklären. Sie appelliere an die „menschlichen Instinkte“. Die Zuschauer könnten zugucken und sich daran ergötzen, „wie die sogenannten Promis im Dreck hocken und Würmer essen“. Dies erhebe sie zumindest vorübergehend in der sozialen Hierarchie – und vermittle ihnen so ein gutes (Selbstwert-)Gefühl. Psychologen sprechen vom „abwärts gerichteten sozialen Vergleich“. Auch andere Reality-Shows wie „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ funktionierten nach diesem Prinzip. Schadenfreude und der Ekel, den die sogenannten Dschungelprüfungen auslösen, spielten ebenfalls eine Rolle, wenn es um die Wirkung geht.

Er brauche das Dschungelcamp nicht, bekräftigt Lange. Er habe einfach keinen Spaß an der Sendung, daran könnten auch die ironisch-sarkastischen Kommentare der beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, die das Geschehen für die Zuschauer wie ein „Erzähler“ einordnen, nichts ändern. Bedenken, von der Sendung könnten irgendwelche Gefahren für Minderjährige ausgehen, wie sie Jugendschützer vor allem während der ersten Staffeln geäußert hätten, hat der Psychologe aber nicht.

Man dürfe die Wirkung von Fernsehen nicht überschätzen, mahnt Lange zu Gelassenheit. Niemand müsse sich den Trash anschauen, kleine Kinder säßen zur Sendezeit am späten Abend „hoffentlich“ eh nicht mehr vorm Bildschirm.

„Exzentrisch und narzisstisch sind sie alle“

Über die Motive der Kandidaten, die mitmachen, möchte der Medienpsychologe nicht spekulieren. „Extrovertiert und narzisstisch sind sie alle, sonst wären sie nicht zum Fernsehen gegangen“ sagt er. RTL wähle sehr geschickt die unterschiedlichen Typen aus, hier den Schweiger, dort den Aufsprecher oder die Heulsuse. „Wer mitmacht, muss eine bestimmte Rolle spielen.“ Manchmal habe auch er angesichts eines solchen Settings in der Vergangenheit sogar Mitleid mit Kandidaten gehabt, „etwa mit dem ehemaligen ,Der Preis ist heiß'-Co-Moderator Walter Freiwald“, der sehnsüchtig hoffte, das Camp verlassen zu dürfen, von den Zuschauern aber lange nicht herausgewählt wurde.

Und was erwartet der Psychologe von Matthias Mangiapane, dem Mainfranken im aktuellen Dschungelcamp, der in manchen Boulevardmedien bereits als Mitfavorit für den Dschungelkönig gehandelt wird? Langes Antwort ist lapidar: „Matthias wer?“

Rückblick

  1. Dschungelcamp: Das Wiedersehen
  2. Jenny gewinnt die Dschungelkrone
  3. Dschungelcamp-Finale: Königin Tollpatsch vor Prinz Fluppe
  4. Dschungelcamp: Tag 15: Tina, Jenny und Daniele sind im Finale
  5. Matthias Mangiapane: "Ich bin stolz und glücklich"
  6. Der Dschungelkönig kommt nicht aus Hammelburg
  7. Dschungelcamp: Matthias quiekt nach den Sternen
  8. Dschungelcamp: Ein rauer Hals rettet Matthias
  9. Heiratsantrag im Dschungel
  10. Dschungelcamp Tag 11: Matthias Mangiapane sagt Ja!
  11. Dschungelcamp Tag 10: Ansgar Brinkmann geht vom Platz
  12. Dschungelcamp: Tag 9
  13. Dschungelcamp Tag 8
  14. Mangiapane im Dschungelcamp: Das sagt sein Dorf über ihn
  15. Dschungelcamp Tag 7: Noteinsatz beim Musik-Duo
  16. Dschungelcamp Tag 6: Super-Mangiapane auf Sternenjagd
  17. Dschungelcamp Tag 5: Der Toiletten-Eklat
  18. Der Mann aus Diebach bringt Spaß in den Dschungel
  19. Dschungelcamp: Tag 4
  20. Dschungelcamp: Tag 3
  21. Dschungelcamp: Tag 2
  22. Dschungelcamp: Tag 1
  23. Warum der Dschungel so viele Fans hat
  24. Dschungelcamp: Zwölf „Stars” für die zwölfte Staffel
  25. Von Diebach ins Dschungelcamp
  26. Unterfranke Matthias Mangiapane wagt sich beim Dschungelcamp 2018 in die Wildnis
  27. Geht ein Hammelburger ins Dschungel-Camp?

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