BAD KISSINGEN/BAD NEUSTADT

Wenn die Hausarztpraxis zu ist

Krankenkassen sollen Millionen in Prävention investieren
Ab Dienstag, 27. November, haben Patienten im Landkreis Bad Kissingen am Abend und am Wochenende eine zentrale Anlaufstelle: die Bereitschaftspraxis in der Helios-St-Elisabeth-Klinik. Foto: dpa

Eine Bronchitis am Wochenende? Ein Hexenschuss am Mittwochabend? Ist der Hausarzt nicht verfügbar, hilft der kassenärztliche Bereitschaftsdienst. Der ist in der Region neu aufgestellt worden und startet nun in seiner neuen Form. Ab Dienstag, 27. November, gibt es für Patienten im Landkreis Bad Kissingen außerhalb der Öffnungszeiten der Hausärzte eine neue Bereitschaftspraxis. Sie ist als zentrale Anlaufstelle mit festen Öffnungszeiten am Helios-St.Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen angesiedelt.

Eine zweite Bereitschafts-Praxis startet im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld gleichzeitig in der Rhön-Kreisklinik Bad Neustadt. Künftig werden die ehemaligen Bereitschaftsdienstgruppen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen eng zusammenarbeiten, sie bilden eine gemeinsame Bereitschaftsdienstregion.

Fester Anlaufpunkt

Bisher arbeiteten die Ärzte im Bereitschaftsdienst rotierend von ihrer jeweils eigenen Praxis aus. Die nun installierte Bereitschaftspraxis am Eli soll dagegen ärzteübergreifend ein fester Anlaufpunkt sein. Das vertiefe die „enge Zusammenarbeit zwischen Helios-St.-Elisabeth-Krankenhaus und der ambulanten Versorgung Bad Kissingens“ weiter, teilt das Eli dazu mit.

Aus Sicht des Krankenhauses haben solche zentralen Bereitschaftspraxen für Patienten grundsätzlich den Vorteil, dass er nicht mehr suchen muss, welcher niedergelassene Arzt gerade Bereitschaftsdienst hat und wo dessen Praxis liegt. Außerdem würden „die Notaufnahmen der Krankenhäuser von leichteren Fällen entlastet, die ambulant behandelt werden können“, teilt das Eli weiter mit.

Ohne Voranmeldung

Die Bereitschaftspraxis könne „ohne Voranmeldung aufgesucht werden“, heißt es in der Mitteilung des Eli. Sollten Patienten die zentrale Anlaufstelle „aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst aufsuchen können“, ergänzt das Krankenhaus, seien auch „medizinisch notwendige Hausbesuche“ möglich.

Unterschied zum notärztlichen Dienst

Telefonisch erreichen Patienten den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117. Allerdings legt das Krankenhaus Wert auf den Unterschied zwischen Ärztlichem Bereitschaftsdienst und notärztlicher Versorgung. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen sei stets der Notarzt unter der Rufnummer 112 zu verständigen.

In Bad Neustadt ist die Bereitschaftspraxis bis Ende dieses Jahres in der Goethestraße in der Rhön-Kreisklinik angesiedelt. Am 1. Januar wechselt sie mitsamt der Klinik hoch zum Rhön-Klinikum Campus. Geöffnet ist die Bad Neustädter Bereitschafts-Praxis montags, dienstags und donnerstags von 18 Uhr bis 21 Uhr. Mittwochs und freitags werden Patienten von 17 bis 21 Uhr behandelt. Am Wochenende und an Feiertagen ist von 9 bis 21 Uhr ein diensthabender Arzt vor Ort. Die Bad Kissinger Bereitschaftspraxis ist mittwochs und freitags sogar jeweils eine Stunde früher geöffnet: Ab 16 Uhr ist dort ein Arzt im Einsatz.

Und nachts?

Und wer versorgt die Menschen nachts ambulant? „Bei gehfähigen Patienten gilt: Die jeweilige Klinik, an der eine Bereitschaftspraxis implementiert ist, übernimmt während der Nacht den Dienst“, heißt es in einer Mitteilung der kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB).

Fahrdienst

Für die beiden Landkreise seien zwischen einer und vier Ärzte zeitgleich im Fahrdienst im Einsatz, erklärt Birgit Grain, Pressesprecherin der kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Fahrer für die bis zu vier Bereitschaftsdienstwagen stellt der Rettungsdienstanbieter RKT. Der private Anbieter aus Regensburg bekam nach einer Ausschreibung den Zuschlag.

Die KVB will durch die zentrale Bereitschaftspraxis verhindern, dass Menschen mit vergleichsweise harmlosen Erkrankungen in die Notaufnahmen der Kliniken gehen. Das taten bislang viele. Dr. Martin Wünsch aus Bischofsheim geht davon aus, dass die neue Regelung für die Notaufnahme eine Entlastung bringen dürfte.

Weniger Dienste für die Ärzte?

Bislang war Wünsch Obmann der diensthabenden Ärzte in Rhön-Grabfeld. Auch künftig wird er sich noch – dann als „Quasi-Obmann“ – um die Einteilung der Dienste in Rhön-Grabfeld kümmern. Die würden glücklicherweise nicht in München zugeteilt. „Das gibt uns eine gewisse Flexibilität. So können wir auch Härtefälle bei der Dienstplanung berücksichtigen“, sagt Wünsch.

Dass die Reform für die Ärzteschaft eine „nennenswerte Entlastung“ bringt, erwartet Wünsch nicht. Zwar erklärt die KVB: In den Pilotregionen konnte die Dienstfrequenz der Ärzte „deutlich gesenkt“ werden. Dafür, sagt Wünsch, sei der Ärztepool in der Region aber zu klein.

Gespannte Ärzteschaft

Künftig arbeiten er und seine Kollegen in fremden Räumen mit ungewohnter Technik und nicht vertrautem Personal. Circa zehnmal pro Jahr werden die insgesamt etwa 55 Rhön-Grabfelder Ärzte vermutlich einen Dienst in der Bereitschaftspraxis übernehmen müssen. Dazu kommen die Fahrdienste, die gemeinsam mit den Kissinger Kollegen übernommen werden.

„Die Stimmung ist sehr gespannt“, gibt er die Gefühlslage der Ärzte wieder. „Aber wir sind alle vernünftige Menschen, da wird es keine großen Pannen geben.“

Ab 27. November gibt es im Helios St. Elisabeth-Krankenhaus eine neue Kassenärztliche Bereitschaftspraxis. Foto: Markus Höppner

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