Bad Kissingen

Wichtige Begleitung für Familien im Kreis Bad Kissingen

Nach guten Erfahrungen überträgt der Kreis erneut Aufgaben der Kinderschutzstelle an den Verein "Generationen-Netz".
Die Arbeit mit Kindern liegt Tagesmutter Stefanie Ziegler (links) und Familienbegleiterin Eva Sauer sehr am Herzen. Der Jugendhilfeausschuss verlängerte die Zusammenarbeit mit dem Verein Generationen-Netz, dem Träger des Mehrgenerationenhauses, im Bereich der Frühen Hilfen.  Foto: Archiv/Benedikt Borst
Die Arbeit mit Kindern liegt Tagesmutter Stefanie Ziegler (links) und Familienbegleiterin Eva Sauer sehr am Herzen. Der Jugendhilfeausschuss verlängerte die Zusammenarbeit mit dem Verein Generationen-Netz, dem Träger des Mehrgenerationenhauses, im Bereich der Frühen Hilfen. Foto: Archiv/Benedikt Borst
Familienhebammen und Familienbegleiterinnen leisten nach Ansicht von Jugendamtsleiter Siegbert Goll gute Arbeit im Landkreis Bad Kissingen. "Die Erfolge sind wirklich phänomenal", lobte er in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor allem die Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus. Gleichzeitig warb er dafür, einen neuen Vertrag mit dem Träger-Verein "Generationen-Netz Landkreis Bad Kissingen" abzuschließen. Damit soll der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass immer mehr Personal fest angestellt und stetig weiterqualifiziert wird. Goll erhofft sich davon mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit.


Sinkende Kosten für den Kreis

Im Jahr 2010 hat das Jugendamt die so genannte Koordinierende Kinderschutzstelle, kurz: KoKi, eingerichtet. "Es hat sich gezeigt, dass die Familienbegleitung mehr Potenzial hat", zieht Goll jetzt Bilanz. Rund 310 000 Euro investierte der Kreis im vergangenen Jahr in diese "Frühen Hilfen". Besonders erfreulich sei die Förderung der Familienhebammen: Von den Ausgaben über rund 88 000 Euro finanziert der Bund rund 75 000 Euro. Insgesamt haben sich die Einnahmen im Bereich Jugendhilfe von 2015 auf 2016 mehr als verdoppelt: von 2,03 Millionen auf 4,53 Millionen Euro. Die Ausgaben stiegen um 2,07 Millionen oder 27 Prozent von 7,68 auf 9,75 Millionen Euro. Unterm Strich muss der Landkreis also 5,22 Millionen Euro bei der Jugendhilfe draufzahlen, das sind rund 0,43 Millionen Euro weniger als noch 2015.


Kosten für Flüchtlinge gedeckt

Den Löwenanteil der Kosten machen die Einzelfallhilfen aus: Die Unterbringung im Heim etwa schlägt mit rund 104 bis 180 Euro je Belegtag pro Kind zu Buche, insgesamt summierten sich die Ausgaben für stationäre Hilfen im vergangenen Jahr auf 6,39 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 3,44 Millionen Euro, erhielt der Landkreis aber zurück. Das liegt vor allem an der steigenden Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF): Im Jahr 2014 waren 79 Kinder zeitweise in Heimen untergebracht, darunter kein umF, ein Jahr später waren unter den 86 Jugendlichen in Heimen 34 umF, im vergangenen Jahr entfielen 82 der 126 bearbeiteten Fälle auf unbegleitete Minderjährige.
Allerdings entstanden dem Landkreis 2016 durch umF keine Kosten. Im Gegenteil: Den Gesamtausgaben von 2,60 Millionen Euro standen laut Goll Einnahmen von 2,66 Millionen Euro gegenüber. Vor allem bei der Inobhutnahme nach unbegleiteter Einreise blieb ein Überschuss, während bei Vormundschaften die Kosten deutlich über der Förderung liegen.

Viele Kommunen stehen laut Jugendamtsleiter Siegbert Goll vor großen Herausforderungen: "Das ist ähnlich wie bei den Russlanddeutschen in den 1990er Jahren", zieht er einen historischen Vergleich. Deshalb hat der Jugendhilfeausschuss bereits 2015 Stellen in der "Integrationsbezogenen Jugendsozialarbeit", kurz: InJusa, gefördert: In Bad Brückenau läuft ein Projekt bis Jahresende, in Wildflecken bis Januar 2018 und in Münnerstadt bis September 2018. Auf Grundlage der gemachten Erfahrungen hat der Ausschuss nun neue Förder-Richtlinien beschlossen.


Mindestens sieben Stunden

Jeweils sieben Wochenstunden pädagogischer Arbeit speziell für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind möglich. Beantragen können die Stellen Kommunen aus dem Landkreis Bad Kissingen, die mindestens 14 Stunden gemeindliche Jugendarbeit anbieten. "Es geht um die soziale Integration", nannte Goll als Unterschied zu anderen Projekten. Charakteristisch bei Migrantenkindern sei die geringere Fähigkeit oder Bereitschaft, Freundschaften aufzubauen und bestehende Angebote zu nutzen. "Viele tauchen freiwillig einfach nie auf", berichtet Goll. Schwierig sei auch, dass etwa Beziehungen aus der Schule oft nicht weitergeführt werden können, weil die Kinder nicht mobil sind.
Zudem habe sich gezeigt, dass die Struktur an den drei Standorten völlig unterschiedlich sei. "In einigen Kommunen gibt es billigen Wohnraum, der sich auf ein Viertel konzentriert, woanders haben wir gewachsene dörfliche Strukturen", nannte Goll als Beispiel.


Interkulturelle Öffnung

Zustimmung gab es auch für die grundsätzliche interkulturelle Öffnung der Jugendarbeit im Landkreis. Die Notwendigkeit dazu sei zum einen ein Ergebnis der repräsentativen Jugendbefragung, zum anderen gebe es "Rückmeldungen aus der Praxis". Goll sagte auch, dass es sehr unterschiedliche Erfahrungen gebe, je nachdem, ob die Jugendlichen selbst geflüchtet sind, aus anderen Gründen einwanderten oder in Deutschland als Kinder von Migranten geboren wurden.

Aufgabe Der Jugendhilfeausschuss ergänzt die Arbeit des Jugendamtes und entscheidet in Angelegenheiten der Kinder- und Jugendhilfe mit. Im Landkreis Bad Kissingen besteht der Ausschuss aus 15 stimmberechtigten und zehn beratenden Mitgliedern. Von den stimmberechtigten Sitzen entfallen neben Landrat Thomas Bold (CSU) acht auf den Kreistag und sechs auf anerkannte Freie Träger der Jugendhilfe und der Jugendverbände. Zu den beratenden Mitgliedern gehören neben Jugendamtsleiter Siegbert Goll Vertreter von Behörden, des Amtsgerichtes, der Schulen, der Polizei und der Kirchen.

Aufgaben Zu den Aufgaben des Jugendamtes gehören die Jugendsozialarbeit, die Förderung der Erziehung in der Familie, , ambulante Hilfen etwa bei Trennung, Hilfen für junge Volljährige, rziehungsbeistandschaften sowie stationäre und teilstationäre Unterbringungen. Stark zugenommen hat im vergangenen Jahr die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen: Die Fallzahlen stiegen laut Goll von 17 auf 39, darunter fünf umF.

Personal Das Jugendamt hatte zum Jahresende 2016 einen Personalstand von gut 37 Vollzeit-Stellen, das entspricht einem Betreuungsschlüssel von 1,92 Mitarbeitern je tausend Einwohner unter 21 Jahren. Die Personalausgaben (ohne Zuschüsse) summierten sich 2016 auf 2,13 Millionen Euro.

Kindertageseinrichtungen Im Landkreis Bad Kissingen waren Anfang 2016 insgesamt 723 Plätze in Kitas für Kinder unter drei Jahren genehmigt. Das macht bei 2460 Kindern unter drei Jahren eine Deckungsquote von 29,4 Prozent. Tatsächlich betreut wurden 876 Unter-Drei-Jährige, also 35,6 Prozent. Bei den Kindern ab drei Jahren bis Schuleintritt gibt es dagegen eine Überdeckung: 2416 der 2801 Kinder in diesem Alter hatten die Auswahl aus 3334 genehmigten Kita-Plätzen. Das Problem ist die Verteilung: In einigen Kommunen platzen die Kitas aus allen Nähten, in anderen Kommunen sind viele Plätze ungenutzt. Spitzenreiter war dabei Anfang 2016 Geroda: Dort wurden nur 13 Kinder betreut, obwohl 30 Plätze genehmigt sind.

Einzelposten Kinder in Tageseinrichtungen wurden mit rund 689 700 Euro gefördert. Für die Vollzeitpflege in Pflegefamilien gab der Kreis im vergangenen Jahr 917 000 Euro aus, bei 101 bearbeiteten Fällen macht das im Schnitt 4825 Euro pro Fall. Dagegen schlagen bei der Heimunterbringung 10 322 Euro pro Fall zu Buche, insgesamt gut 4 Millionen Euro. Die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche summierte sich auf 1,58 Millionen Euro, rund 25 700 Euro pro Kind.

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