Hammelburg/Wildflecken

Wie groß ist die Waldbrandgefahr auf Truppenübungsplätzen?

Dort, wo normalerweise Stellungskämpfe und praktische Handlungen trainiert werden, könnte erhöhte Waldbrandgefahr drohen. Foto: Bundeswehr/Schleicher

Nach dem großflächigen Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände in Lübtheen stehen nun auch die Truppenübungsplätze in der Region im Fokus. In Unterfranken erstreckt sich alleine der Truppenübungsplatz in Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen) auf einer Fläche von 7000 mal 6000 Metern. Insgesamt stehen den Übungstruppen dort 4000 Hektar mit unterschiedlichen Naturflächen zur Gefechts- und Schießausbildung zur Verfügung. Der Truppenübungsplatz Wildflecken (Lkr. Bad Kissingen) hat sogar eine Fläche von über 7000 Hektar. Sowohl in Hammelburg als auch in Wildflecken bestehen die Flächen jeweils zu einem großen Teil aus Wald. Und sind somit besonders gefährdet.

Zuständig für die Übungsgebiete in Deutschland ist die Truppenübungsplatzkommandantur der Bundeswehr. Laut Bundeswehr herrscht dort generell kein höheres Brandrisiko als anderswo. "Für den Übungsplatz der Bundeswehr gilt der entsprechende Gefahrenindex des jeweiligen Landkreises", sagt ein Presseoffizier gegenüber dieser Redaktion. Für den entsprechenden Landkreis Bad Kissingen und somit auch für die Übungsplätze gab der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch die zweithöchste Warnstufe aus.

Sind die Einsatzkräfte auf den Katastrophenfall vorbereitet?

"Für Notfälle beziehungsweise Waldbrände auf Übungsplätzen gibt es entsprechende Regelungen von zivilen Behörden, deren Anwendung und Umsetzung auch regelmäßig geübt werden", erklärt der Presseoffizier. Dadurch sei man im Ernstfall bestmöglich vorbereitet. Doch welche Gefahr geht von herumliegender Munition oder Blindgängern aus? "Wenn bei Waldbränden Munition durch die Flammen ausgelöst wird, besteht in Abhängigkeit von Art und Menge der Munition eine Gefährdung innerhalb eines bestimmten Abstandes", sagt der Sprecher.

Beim Einsatz in Lübtheen durften sich die Feuerwehrleute dem Brandgebiet aus Sicherheitsgründen nur bis auf 1000 Meter nähern, was die Löscharbeiten erschwerte. Um die Flammen einzudämmen, kamen Löschpanzer und Löschhubschrauber zum Einsatz.

Beim Brand in Mecklenburg-Vorpommern kreist ein Löschhubschrauber über den Wald.  Foto: Jens Büttner, dpa

Blindgänger sind bei entsprechenden Waldbränden besonders gefährlich. Die "nicht zur Wirkung gelangte Munition" könne sich sowohl an der Oberfläche, als auch unter der Erde befinden. Allerdings betont die Bundeswehr, dass die betroffenen Flächen in aller Regel "auf fest begrenzten Bereichen", wie etwa auf Schießbahnen lägen. Genauere Angaben dazu, wie viel Munition sich auf den Gebieten in Wildflecken und Hammelburg befindet, konnte die Bundeswehr nicht machen.

Welche Feuerwehr ist zuständig?

Die Truppenübungsplätze in Wildflecken und Hammelburg sind aktuell nicht von Bränden betroffen. Sollte es dort dennoch zu einem Feuerausbruch kommen, so seien Berufsfeuerwehren der Bundeswehr ohnehin vor Ort. Sie seien für den speziellen Einsatz geschult und ausgestattet, heißt es bei der Bundeswehr. Je nach Ausmaß des Waldbrandes arbeiteten diese Einsatzkräfte auch mit den regional zuständigen Feuerwehren zusammen. Dies bestätigt auch die Regierung von Unterfranken. So helfe umgekehrt auch die Bundeswehr aus, wenn sie außerhalb der Übungsplätze gebraucht werde.

Generell ist in der Region "die Waldbrandgefahr aktuell hoch", sagt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken. Es gelte die zweithöchste Gefahrenstufe. Erst am vergangenen Montag kreisten Beobachtungsflieger über Unterfranken, um Brandherde aufzuspüren. Sie waren in der Luft, nachdem am Wochenende sogar die höchste Warnstufe ausgerufen worden war. "Zurzeit ist es grundsätzlich sehr trocken in den Wäldern", so Hardenacke.

Lage könnte sich am Freitag zuspitzen

"Wir prüfen die Lage täglich neu", sagt er weiter. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst und der unterfränkischen Beobachtungsstelle in Kitzingen. Die Beobachtungsflüge erfolgen auf zwei Routen, beginnen in der Regel am Nachmittag und enden in den Abendstunden, wenn es etwas abkühlt. Tagsüber sei man dagegen auf Beobachtungen von Forstpersonal und Waldarbeitern angewiesen.

Aktuell fänden keine Flüge statt. "Es könnte aber sein, dass sich die Lage zum Freitag hin weiter zuspitzt", sagt Hardenacke und spricht die Wetterprognose an. Bei Warnstufe 4 werden die Kontrollflieger erst wieder am Wochenende in die Luft geschickt. Bei Gefahrenstufe 5 fliegen sie aber auch unter der Woche. Generell appelliere die Regierung Unterfrankens an einen verantwortungsvollen Umgang in der Bevölkerung. Beispielsweise sollte man offene Feuerstellen oder das Rauchen im Wald unbedingt vermeiden.

Warnstufen bei Waldbrandgefahr (WBI)
Der Deutsche Wetterdienst gibt einen sogenannten Waldbrand-Gefahrenindex heraus. Dieser beschreibt das meteorologische Potential für die Gefährdung durch Waldbrand. Er zeigt die Waldbrandgefahr in fünf Gefahrenstufen an. Die täglichen Warnstufen für die verschiedenen Bundesländer und Landkreise finden Sie hier.
Gefährdungsstufe 1: sehr geringe Gefahr
Gefährdungsstufe 2: geringe Gefahr
Gefährdungsstufe 3: mittlere Gefahr
Gefährdungsstufe 4: hohe Gefahr 
Gefährdungsstufe 5: sehr hohe Gefahr

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