BAD KISSINGEN

Wo das Weltbad noch lebt

Luitpoldpark

Die gemeinsame Bewerbung von elf europäischen Badeorten um den Eintrag als Great Spas of Europe in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes biegt auf die Zielgerade ein. „Noch in diesem Herbst“, so berichtete Oberbürgermeister Kay Blankenburg jetzt dem Kissinger Stadtrat, wollen die einstigen Weltbäder „einen vorläufigen Probeantrag einreichen“. Der endgültige Antrag solle Anfang nächsten Jahres folgen.

Bufferzone gleich Pufferzone

Die Kissinger hatten lange nichts mehr gehört vom Weltkulturerbe. Diese Woche traf der Stadtrat nun aber eine für den Antrag wichtige Festlegung. Einstimmig und ohne ein Wort der Diskussion legte das Gremium auf Vorschlag der Verwaltung ein so genanntes Property und eine Bufferzone fest.

Mit Property sind Flächen und Gebäude gemeint, die das Kerngebiet des Kissinger Beitrags zur Bewerbung definieren. Bufferzone (Pufferzone) heißt jener Bereich, der das eigentlich für den Welterbestatus wichtige Gut umgibt und durch Abschirmung dazu beiträgt, den Kern vor ungünstigen Einflüssen zu schützen. Diese Festlegungen können sicherlich später auch Grundlagen und Kriterien zur Überprüfung der Frage werden, ob der Welterbestatus noch angemessen ist.

Viel größer als ursprünglich gedacht

Die Kernzone fällt deutlich größer aus, als es die Stadt in einer früheren Bürgerinformation angedeutet hatte. Wie Kulturreferent Peter Weidisch im Stadtrat erklärte, reicht das Property vom Kaskadental im Norden über die Auen, die Obere Saline, die Promenade, die Kernstadt mit dem eigentlichen Kurquartier und den Luitpoldpark bis hinunter zum Golfplatz. Es erstreckt sich ziemlich geradlinig von Norden nach Süden. Auf Höhe des Kurtheaters finden sich zwei Auskragungen Richtung Osten.

Sichthorizonte

Die Pufferzone begleitet das Kerngebiet fast auf der ganzen Länge mit einem östlichen und einem westlichen Bereich. Die Grenzen dieser Pufferzone seien so gezogen, so Peter Weidisch, dass sie den „Sichthorizont aus dem Property heraus“ berücksichtigen. Besonderes Augenmerk liege auf den historischen Sichtbeziehungen Richtung Altenberg, Staffelsberg und Botenlaube.

Das Bewerbungsverfahren und alles, was dazu gehört, ist ziemlich anspruchsvoll, eine Art Wissenschaft für sich. Wie der Kulturreferent dem Stadtrat erklärte, sollen die Grenzen des Property so festgelegt werden, „dass sie alle Gebiete und Merkmale umfassen, die den außergewöhnlichen universellen Wert des Gutes unmittelbar physisch zum Ausdruck bringen“.

Merkmale eines Weltbads

Konkret heißt das, dass in dem Bereich typische Merkmale eines Weltbads aus dem so genannten langen 19. Jahrhundert vorhanden sein müssen. Gemeint sind damit Kurviertel, Villenviertel, Garten- und Parkanlagen und ein fließender Übergang in die umgebende Landschaft.

Zum klassischen Besatz an Gebäuden gehören Brunnenhäuser und Wandelgänge oder -hallen, Badeanstalten, Kurhäuser, Casinos, Theater, Konzerthallen, Unterkünfte und Gastronomie in großer Bandbreite, Kirchen verschiedener Glaubensrichtungen sowie Tempel und Pavillons, Ausflugsgaststätten und Aussichtstürme in der Umgebung. Eine Liste, die sich liest, als wäre sie von einer Bad Kissinger Bestandsliste abgeschrieben.

Hohe Ansprüche

Dass die Festlegungen des Property einen hohen Anspruch an den Umgang mit dem Welterbe formulieren, wird an den Anforderungen deutlich. Nach Weidischs Angaben muss dafür ein Managementplan entwickelt werden. Der lege Ziele und Maßnahmen fest, „mit denen der Schutz, die Pflege, die Nutzung und Entwicklung von Welterbestätten verwirklicht werden sollen“. Dazu komme die Verpflichtung „regelmäßig über den Zustand des Welterbes zu berichten“. Bei „Bauvorhaben und allen anderen Eingriffen, die das Welterbe in seinem Wert beeinträchtigen könnten“, müsse mit dem Welterbekomitee und dem Welterbezentrum der Unesco kooperiert werden.

Schutzmechanismen

Darüber hinaus listete Weidisch dem Stadtrat eine lange Reihe bestehender Schutzmechanismen auf, die für die Kernzone natürlich weiterhin Bedeutung haben. Dabei geht es nicht nur um die Ausweisung von Einzeldenkmalen und Denkmalensembles. Wichtig seien auch diverse Satzungen für das Bauen und Wirtschaften in der Stadt. Gemeint sind damit Bebauungspläne, die Gestaltungssatzung oder die Werbeanlagenverordnung. Dazu kommen einschlägige gesetzliche Rahmenbedingungen, wie Naturschutzgesetz, Wassergesetz, Waldgesetz und Denkmalschutz.

Nur noch elf Orte dabei

Wie berichtet, gehören zur seriellen transnationalen Bewerbung der Great Spas of Europe inzwischen gehören außer Bad Kissingen in Deutschland Baden-Baden und Bad Ems, in Tschechien Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, in England Bath, in Frankreich Vichy, in Belgien Spa, in Italien Montecatini Terme und in Österreich Baden bei Wien. Bis vor einem Jahr waren es noch 16 Anwärter gewesen.

Kriterien des Weltkulturerbes

Um auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes zu kommen, müssen Kulturgut hohe Anforderungen erfüllen. Sie müssen einzigartig sein, authentisch und integer. Kernanforderung ist der so genannte Outstanding Universal Value, so Kulturreferent Peter Weidisch im Stadtrat, „ein außergewöhnlicher universeller Wert“, der über nationale Grenzen hinausreicht „und sowohl für gegenwärtige als auch für zukünftige Generationen der gesamten Menschheit von Bedeutung ist“.

Die Bewerbung der Great Spas of Europe bezieht ihre Bedeutung nicht bloß aus den Merkmalen eines einzigen ehemaligen Weltbads, sondern aus diesem in vielen Ländern Europas vorhandenen Phänomen, das dem so genannten langen 19. Jahrhundert zugeordnet wird.

Für Bad Kissingen gelte, so Weidisch, dass „die im 19. Jahrhundert und bis in die 1920er Jahre entwickelte Kurstruktur einschließlich der Verorgungseinrichtungen“ bis heute „weitgehend unverfälscht im Stadtbild ablesbar“ sei. Sie sei nicht nur erhalten, sondern „in Funktion, gepflegt und unter der Prämisse der Kurverträglichkeit angepasst und und erweitert worden“.

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