Bad Kissingen

Wo der Wolf im Bäderlandkreis angekommen ist

Ein Foto sorgt für letzte Gewissheit. Während das Landesamt für Umwelt zum Ort der Aufnahme mauert, wartet der Bund Naturschutz mit einer überraschenden Erkenntnis auf.
Das erste offizelle Bild eines Wolfes im Landkreis Bad Kissingen.
Das erste offizelle Bild eines Wolfes im Landkreis Bad Kissingen. Foto: LfU

Kaum machte die Nachricht über die Wolfssichtung am Dienstag die Runde, gab es auch schon Diskussionen. Es ist ein kräftiges Tier, das auf dem Foto über eine Wiese läuft, die es so überall in der Rhön gibt. Aufgenommen wurde es am 15. April im Landkreis Bad Kissingen. Und es zeigt einen Wolf. Das stellte das für Wolfsnachweise zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) jetzt offiziell fest.

Weitere Auskünfte über den genauen Ort der Aufnahme oder über das Zustandekommen des Bildes will ein Sprecher des des Amtes allerdings nicht machen. Unter anderem, um den sogenannten Wolfstourismus möglichst gering zu halten. Ob es sich bei dem ersten offiziellen Nachweis für einen Wolf im Landkreis Bad Kissingen um das Tier handelt, das bislang schon mehrfach im benachbarten Rhön-Grabfeld nachgewiesen wurde, lässt sich nicht feststellen. Da sich ein Wolf in einem Radius von 50 bis 70 Kilometern bewege, so der LfU-Sprecher, lasse sich das aber auch nicht ausschließen.

Schon zweieinhalb Jahre da?

Beim Bund Naturschutz begrüßt man die Entwicklung. Kreisvorsitzender Franz Zang zeigt sich gar nicht überrascht.  "Das ist doch der vom Truppenübungsplatz Wildflecken", sagt er auf Nachfrage, ohne zu zögern. Insider wüssten das. Das Tier lebe dort schon seit zweieinhalb Jahren und sei noch nie negativ in Erscheinung getreten. Der Wolf werde weiter Einzug halten, vielleicht mit der einen oder anderen Irritation, aber insgesamt friedlich. Ähnlich wie der Luchs, der erst negativ aufgefallen ist, sich aber dann wohl in die Wälder zurückgezogen habe.

"Davon sind wir ja die ganze Zeit schon ausgegangen", sagt Daniel Lohfink (Ramsthal) zum jetzt unzweifelhaft dokumentierten Vorkommen des Wolfes in der Region. Er ist Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands. Jagdkameraden aus seinem  Zuständigkeitsbereich hatten bereits öfters vermeintliche Rückschlüsse auf die Ankunft des Tieres verkündet. Eine offizielle Anerkennung solcher Thesen durch das Landesamt für Umwelt gab es mit Hinweis auf fehlende Beweise noch nie.     

Kritik am Landesamt für Umwelt

Lohfink räumt ein, dass weiter Vieles noch Spekulation sei. Aber nach seiner Einschätzung seien inzwischen mindestens zwei Wölfe in der Region. Ob dabei der Wolf in Rhön-Grabfeld eingerechnet ist, sei ungewiss. Feststellen könnte man das mit Gen-Spuren an Beutetieren. "Wenn man denn will", sagt Lohfink mit einem Seitenhieb auf die Informationspolitik des Landesamtes für Umwelt.        

Mit seinen Vermutungen geht der Jäger sogar noch weiter. "Vielleicht sehen wir in diesem Jahr im Landkreis Bad Kissingen schon Nachwuchs", lässt er durchblicken. Dafür spricht nach seiner Auffassung, dass das LfU das Foto nicht näher lokalisiert, während es mit der Ansiedlung des Wolfes in Rhön-Grabfeld schon offener umgehe. Vielleicht solle nach der aktuellen Entdeckung ein Paar mit Jungen geschützt werden. Diese Vermutung findet er nicht zu weit hergeholt. Im Neuwirtshäuser Forst sei in diesem Winter schon Wolfsgeheul wahrgenommen wurde, was für die Paarungsbereitschaft spreche. Die zusammenhängende Waldfläche dort sei für den Wolf prädestiniert.       

Erfahrungen sammeln

Trotzdem plädiert er für eine gewisse Gelassenheit. "Wir kommen mit dem Wolf klar, und werden lernen, mit ihm zu leben", spricht sich Lohfink dafür aus, erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Ändern könne man daran angesichts der eingeschlagenen Politik erst einmal nichts. Beobachten werde man die Auswirkungen auf das Wildvorkommen. Eines macht er aber auch deutlich: Sollte es zu Übergriffen auf Nutztiere auf den Weiden kommen, seien Jäger kaum bereit, Problemwölfe abzuschießen. "Das sollen dann die machen, die für die Ansiedlung sind", findet Lohfink.          

Edgar Thomas (Nüdlingen) signalisiert, dass die Landwirte ebenfalls mit dem neuen Bewohner in der  Natur arrangieren können. Man dürfe sich aber nicht der Illusion hingeben, dass sich hungrige Wölfe mit Zäunen und Herdenschutzhunden von weidenden Nutztieren abhalten lassen, sagt der Kreisvorsitzende des Bauernverbands. Noch sei es zu früh, sich solche Szenarien auszumalen.

Aber ein Widerspruch sei jetzt schon erkennbar. Denn zunehmend gehen Landwirte dazu über, ihre Rinder aus Gründen des Tierschutzes wieder auf der Weide zu halten. "Die Resonanz in der Bevölkerung ist positiv", sagt Thomas dazu, der selbst 80 Rinder im Grünen hält. Ein Wolf habe mit Kälbern leichtes Spiel und treibe Weidetiere möglicherweise in die Flucht. "Bei Problemfällen müssen wir klar Grenzen setzen", spricht sich Thomas  dafür aus, Abschüsse nicht ganz auszuschließen. Es gehe letztlich um die Frage, "ob wir Wildnis oder Kulturlandschaft" haben wollen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Wolfgang Dünnebier
  • Bauernverbände
  • Edgar Thomas
  • Kühe und Rinder
  • Landwirte und Bauern
  • Naturschutz
  • Nutztiere
  • Problemwölfe
  • Tiere und Tierwelt
  • Tierschutz
  • Wölfe
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
10 10
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!