HAMMELBURG

Wo schon Prinzessin Victoria weilte

Karlheinz Hofmann vor seinem skandinavischen Wohntraum
Karlheinz Hofmann vor seinem skandinavischen Wohntraum Foto: Wolfgang Dünnebier

Der Besuch von Königin Silvia in Würzburg freut den Hammelburger Karlheinz Hofmann. Bei allem Respekt gegenüber der Majestät aus Schweden wird er aber nicht Spalier stehen. Für seinen skandinavischen Traum muss er nicht außer Haus. Seine Immobilie ist ein echter Hingucker. Mit einem Tieflader kamen die charakteristischen Gebäudeteile 2006 aus München nach Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen). Es handelt sich um einen Messestand der Hypo-Kulturstiftung. Hofmann ersteigerte ihn für einen Euro im Internet.


Die Holzkonstruktion war Publikumsmagnet bei der Ausstellung „Carl Larsson – Ein schwedisches Märchen“. Larsson (1853-1919) gilt als bekanntester Maler Schwedens. In der Ausstellung weilte unter 100 000 Besuchern auch die schwedische Prinzessin Victoria.

Neun fleißige Jahre später lebt der inzwischen 50-jährige Bauherr sein Hammelburger Märchen. Gäste fühlen sich in einer anderen Welt. Inmitten kunstvoll verzierter Holzapplikationen, Sprossenfenstern, Figuren und einer beeindruckenden Hinterglasmalerei im Wohnzimmer kann man sich regelrecht wegträumen. Fast originalgetreu genau so sah das Atelier Larssons aus. Samt einer Luke, mit der der Künstler aus seinem Schlafzimmer auf seine Bilder schauen konnte.

Die Larsson-Tochter Foto: Wolfgang Dünnebier

Alles ist bunt. Drinnen und an der Fassade. „Larsson ist der Erste, der das so gemacht hat“, sagt Hofmann zur Farbgebung. Eine schwedische Möbelhauskette nehme Anleihen bei diesem Landhausdesign.

Schon immer interessierte sich Hofmann für besonderes Wohnen, vom Baumhaus über Schlösser, Burgen bis zu Klöstern. „Gerne einfach“, fasst er sein Lebensmotto zusammen.

Rein zufällig fand Hofmann seine Immobilie bei Ebay. „Vorher hatte ich keine Ahnung von Larsson“, gibt er zu. Um so mehr sprang der Funke über, als er sich mit dem schwedischen Meister befasste. „Seine Bilder könnten von mir sein“, zieht Hofmann geschmackliche Parallelen.

Verzierter Pfeiler einer Eckbank Foto: Wolfgang Dünnebier

Weil er ohnehin in der Münchner Gegend war, schaute er sich das Versteigerungsobjekt in der Kunsthalle an. „Die waren alle sehr nett zu mir“, erinnert sich Hofmann gerne zurück. Darunter auch der Direktor der Kunsthalle, Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern, zugleich Schwager des schwedischen Königs.

Der Prinz sah es wohl gerne, dass der aufwendige Messestand eine neue Heimat fand. Zum Wegwerfen war er zu schade. Stück für Stück war dafür am Originalhaus in Schweden vermessen worden, um den markantesten Teil in der Ausstellung zu rekonstruieren. Inklusive massiver Türen und Sprossenfenster sowie dem überstehenden Kamin.

Sogar das Podest in dem knapp 30 Quadratmeter großen Wohnzimmer ist vorhanden. Auf dem Original in Schweden hat die Frau Carlssons einst genäht und Teppiche gewebt. Der Messestand hat bestimmt 100 000 Euro gekostet, schätzt Hofmann.

Da klingt der Kaufpreis von einem Euro nach einem Schnäppchen. Doch Hofmann kaufte sich viel Arbeit ein. Zunächst musste er den Abbau und Transport organisieren. Am neuen Standort mussten ein Fundament gegossen, die Grundkonstruktion zusammengeschraubt, stabilisiert, bedacht und isoliert werden. Gegen Witterungseinflüsse war der Messestand in der Kunsthalle ja ursprünglich nicht ausgelegt.

Damit nicht genug der Handwerkerei. Rund 30 Prozent Gebäudefläche hat Hofmann an der Hinterseite selbst ergänzt. Das für einen Ein-Personen-Haushalt konzipierte Quartier verfügt über eine Wohnfläche von 100 Quadratmeter. Geheizt wird nur mit Holz.

Besonders schätzt der Eigentümer die Nähe zum Garten mit seinen geschotterten Wegen. Das rund 500 Quadratmeter große, zentrumsnahe Hanggrundstück in unscheinbarer Zwischenlage galt als nicht bebaubar. Jetzt passt es wunderbar zum Charme des Hauses. Kein Nachbarhaus stört die Blicke.

„Fertig werde ich eigentlich nie“, sagt Hofmann. Für alle Wohnbereiche hat er stilsicher Accessoires gesammelt und zum Teil auf alt gemacht. Selbst hat er die Küche gebaut.

Künftig kann er sich kulturelle Veranstaltungen oder Lesungen an seinem Schmuckstück vorstellen. Wer weiß? Vielleicht macht ja der eine oder andere Schwede auf halber Fahrt gen Süden mal Stop in Hammelburg. Die farbenfrohen Erinnerungen an ein skandinavisches Künstleridol ziehen in den Bann.

Stilvolles Badezimmer Foto: Wolfgang Dünnebier

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