Rannungen

Zehner: "In Rannungen stehen jetzt etliche Großprojekte an"

Das Porträt: In Rannungen tritt Amtsinhaber Fridolin Zehner (CSU) bei der Kommunalwahl wieder an. Es reizt ihn, die Kommune weiter zu entwickeln.
Kandidiert 2020 wieder: Bürgermeister Fridolin Zehner vor dem Rannunger Rathaus. Foto: Isolde Krapf

Fridolin Zehner ist seit 18 Jahren Bürgermeister in Rannungen. Er habe lange überlegt, ob er noch einmal kandidieren soll, sagt er. "Ich bin schließlich 68, wenn die Amtsperiode endet. Aber ich bin gesundheitlich fit. Also dachte ich, ich trete noch einmal an." Es reize ihn, weil in der Gemeinde auch in den kommenden sechs Jahren große Aufgaben anstehen. "Aber ich hoffe, es läuft alles in ruhigeren Bahnen."

Macht ihm die politische Arbeit also nach drei Amtsperioden noch Spaß? Mit dem Begriff "Spaß" und "Spaßgesellschaft" könne er nicht viel anfangen, sagt der knapp 62-Jährige. "Die Arbeit macht zufrieden und sie ist erfüllend", definiert er den Arbeitsbegriff für seine Person. Aber es komme natürlich auch vor, dass man nachts mal schlaflos im Bett liegt und grübelt. "Man ist nicht mehr so unbefangen."

Der neue Schul-/Kirchhof gefällt nicht jedem. Laut Bürgermeister Fridolin Zehner soll die Fläche nun ins gesellschaftliche Leben des Dorfes integriert werden. Foto: Isolde Krapf

Zustimmung auch von jungen Leuten

Nach 18 Jahren Amtszeit gebe es freilich auch Bürger, die mit der Politik in der Kommune unzufrieden sind, so Zehner weiter. "Aber andererseits habe ich in jüngster Zeit auch von vielen jungen Leuten Zustimmung erfahren." Als positiv verbuche er auch sein Abschneiden bei der jüngsten Nominierungsversammlung von CSU/Freien Wählern: Es kamen 50 Leute zur Versammlung, 44 davon haben gewählt. Davon sprachen sich 39 für ihn aus. "Da geht man zuversichtlich in die Zukunft."

Als kommunalpolitisches Urgestein habe man Kollegen, die kürzer im Amt sind, freilich auch ein bisschen was voraus. Das Kontakt-Umfeld sei größer, man kenne bereits Ansprechpartner in anderen Kommunen, im Landratsamt und bei der Regierung von Unterfranken. "Da tut man sich leichter, wenn mal eine Problemstellung zu klären ist."

Stimmungen im Dorf erfassen

Nach einer so langen Amtszeit kann man auch die Menschen im Ort besser einschätzen, sagt Zehner. Die Stimmungen im Dorf zu erfassen, hält er für besonders wichtig. "Man muss das Ohr ständig am Bürger haben." Für ihn sei es selbstverständlich, dass er auch privat, beispielsweise beim Einkaufen oder Spazierengehen am Wochenende, für die Leute jederzeit ansprechbar ist. Das sei besonders wichtig, wenn es Themen gibt, die den Ort spalten, wie zum Beispiel damals, als der Ausbau der Kreisstraße 43 bei Rannungen im Gespräch war.

Bei der Wahl 2020 hat Zehner keinen Konkurrenten zu fürchten. 2002 und 2014 war das anders, als Werner Keller von der Bürgerliste gegen ihn antrat. Bei seinem Amtsanritt im Jahr 2002 ging Zehner mit 53 Prozent relativ knapp aus dem Rennen um den Bürgermeisterstuhl heraus. 2014 verzeichnete er 61,5 Prozent. Ein Achtungserfolg für seine Politik? Damals seien er und sein Mitbewerber Keller gleichermaßen vom Ergebnis überrascht gewesen, sagt Zehner und macht klar, dass er seinen langjährigen Stellvertreter im Amt, der 2019 aus dem Gemeinderat austrat, stets geschätzt habe.

Pro-Kopf-Verschuldung bei 220 Euro

Die Kommunalpolitik in Rannungen war lange Jahre vom Schuldenabbau geprägt. Derzeit liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 220 Euro, so Zehner weiter. Freilich sei das mehr als beispielsweise in Burkardroth, wo die Kommune schuldenfrei ist, oder in Thundorf, wo sie bei 30 Euro liegt. Laut Zehner bewege sich Rannungen mit diesem Wert immerhin noch unter dem Landesdurchschnitt. "Aber die Verschuldung wird wieder hochgehen", prognostiziert der Gemeindechef. Denn es stünden jetzt Großprojekte an, wie die komplette Erneuerung der Brunnenstraße und die Sanierung der Mehrzweckhalle.

Drei Fragen an den Bürgermeisterkandidaten Fridolin Zehner (CSU):

Main-Post: Was ist Ihnen in den vergangenen sechs Jahren in der Gemeinde Rannungen gelungen, worauf sind Sie vielleicht auch ein bisschen stolz?

Fridolin Zehner: Dass wir nun doch den Beschluss für ein Baugebiet im Gemeinderat endlich durchgebracht haben, ist für die Zukunft ganz entscheidend. Aus Gesprächen mit Bürgern weiß ich, dass der neue Schul-/Kirchhof nicht jedem gefällt. Aber die Maßnahme wurde zu 40 Prozent vom Amt für Ländliche Entwicklung und zu 20 Prozent von der Diözese gefördert. Wir werden jetzt sehen, dass wir die Fläche gut ins gesellschaftliche Dorfleben integrieren. Worüber ich auch sehr froh bin, ist natürlich, dass es nach langem Hin und Her eine Entscheidung zur Mehrzweckhalle gab. Nach dem Fasching 2021 wird sie geschlossen und komplett saniert.

Um welche Projekte wollen Sie sich in der neuen Amtsperiode zuvorderst kümmern?

Zehner: Vorantreiben müssen wir die Sicherung der Wasserversorgung. Denn es ist noch nicht raus, ob ein dritter Brunnen kommt oder Rannungen an die Fernleitung angeschlossen wird. Die Untersuchungen des Ingenieurbüros laufen gerade. Wichtig ist auch, dass die jungen Leute endlich ihren Jugendtreff im neuen Dorfgemeinschaftshaus bekommen.

Was muss einen Bürgermeister auf jeden Fall auszeichnen?

Zehner: Er muss zusehen, dass er seine Kommune für die Zukunft rüstet. Dazu gehören zum Beispiel ausreichend Bauplätze für junge Familien, genug Kindergartenplätze und eine gute Nahversorgung der Bürger. Ebenso wichtig ist es, dass ältere Menschen sich wohl fühlen. Wir planen aktuell den Bau einer Tagespflegeeinrichtung. So müssen alleinstehende Senioren im Alter nicht woandershin gebracht werden, sondern können tagsüber in diese Einrichtung gehen.

Fridolin Zehner:
Der gebürtige Rannunger meldete sich nach Abitur und Bundeswehrzeit zum Biologie-Studium in Heidelberg an. Später sattelte er um und machte in Gießen sein Diplom zum Agraringenieur. Für ihn stand fest, wie er sagt, dass er den elterlichen Hof (damals noch ein Vollerwerbsbetrieb) übernehmen wird. Das tat er dann auch 1986. Heute führt er die Landwirtschaft im Nebenerwerb. Zu seinem Hobby, dem Lesen, kommt er nur noch selten, sagt er. Derzeit liest er "Stella" von Takis Würger,  in dem es um eine Jüdin geht, die von der Gestapo gezwungen wird, Landsleute zu verraten, um die eigene Familie zu retten.

Rückblick

  1. Kreis Kissingen: Bei Stichwahlen zeichnet sich hohe Beteiligung ab
  2. Euerdorf: Patricia Schießer tritt Gemeinderatsmandat nicht an
  3. Hammelburg: Katja Heinz schafft es in Obernburg nicht
  4. Ramsthal: Spannung vor der Stichwahl ums Bürgermeisteramt
  5. Münnerstadt: Thomas Reuß ist daheim jetzt Fast-Stadtrat
  6. Ein Kissinger in Wunsiedel: Nicolas Lahovnik wird Bürgermeister
  7. Bad Kissingen: CSU und SPD müssen die meisten Federn lassen
  8. Kommentar zur Stadtratswahl: Schwierige Suche nach Mehrheiten
  9. Bad Kissingen: Die SPD ist der Verlierer der Stadtratswahl
  10. Oberleichtersbach: Dieter Muth bleibt im Amt
  11. Standpunkt zum Wahlausgang in Oberleichtersbach: Mehrere Gewinner
  12. Münnerstadt: Michael Kastl gewinnt die Wahl
  13. Bad Brückenau: Stichwahl zwischen Vogel und Stumpe
  14. Standpunkt: Sensation statt Überraschung
  15. Hammelburg: Deutlicher Sieg für Amtsinhaber Armin Warmuth
  16. Neu im Amt in Oberthulba: Mario Götz
  17. Thundorf: Judith Dekant, eine Frau als Bürgermeisterin
  18. Fuchsstadt: René Gerner wird noch abgefangen
  19. Bergel wirft in Euerdorf Schießer aus dem Amt
  20. Standpunkt zum Wahlausgang in Euerdorf : Mit Ansage
  21. Standpunkt zum Wahlausgang in Hammelburg: Keine große Überraschung
  22. Standpunkt: Judith Dekants absoluter Sieg
  23. Bad Kissingen: Dirk Vogel wird neuer Oberbürgermeister
  24. Kreis Kissingen: Der alte Landrat ist der neue
  25. Standpunkt: Klares Ergebnis für Bold
  26. Standpunkt: Amtsmalus
  27. Liveticker: So laufen die Kommunalwahlen im Kreis Bad Kissingen
  28. Kommentar zu Oberleichtersbach: CSU muss sich von ihrem Kandidaten distanzieren
  29. CSU Oberleichtersbach: Wirbel um rechte Internet-Kommentare
  30. Euerdorf: Schießer sähe gerne mehr Frauen in der Verantwortung
  31. Bürgermeisterwahl 2020 in Hammelburg: Das sind die Kandidaten
  32. Euerdorf: Peter Bergel will die Bürger besser informieren
  33. Bad Kissingen: OB-Kandidaten legen die Karten auf den Tisch
  34. Ramsthal: Bürgermeister konzentriert sich voll auf sein Ehrenamt
  35. Live: Die Podiumsdiskussion der Bad Kissinger OB-Kandidaten
  36. Daniel Lohfink: "Mit dem Geheimrat muss Schluss sein"
  37. Wahlforum: Live-Ticker für die Daheimgebliebenen
  38. Bürgermeisterwahl 2020 in Münnerstadt: Wer sind die Kandidaten?
  39. Rainer Morper in Ramsthal: "Ich trete an, um es besser zu machen"
  40. Warum der Bürgerliste "Zukunft Bad Kissingen" ein Kandidat nicht mehr gefällt
  41. Bad Kissingen: Wo Sie sehen, wen Sie wählen
  42. Bad Kissingen: Suche nach der besten Führung für den Landkreis
  43. Landratswahl 2020 im Kreis Kissingen: Wer sind die Kandidaten?
  44. Sulzthal: Der Bürgermeister will es mit 67 noch einmal wissen
  45. Bürgermeisterkandidatin in Münnerstadt: Aufgaben nach Talent verteilen
  46. Volker Partsch ist glaubwürdig und kompetent
  47. Aus Hammelburg in Obernburg auf den Bürgermeister-Sessel?
  48. Kommunalwahl Wartmannsroth: Betz tritt als Querdenker an
  49. Johannes Krumm ist hohe Belastung gewohnt
  50. Kommunalwahl 2020 in Bad Brückenau: Wer sind die Kandidaten?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Rannungen
  • Isolde Krapf
  • Brunnen
  • Bürger
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • CSU
  • Fridolin Zehner
  • Gesellschaft und Bevölkerungsgruppen
  • Gestapo
  • Kommunalpolitik
  • Kommunalwahl 2020 im Landkreis Bad Kissingen
  • Kommunalwahlen
  • Main-Post Würzburg
  • Regierung von Unterfranken
  • Senioren
  • Spaßgesellschaft
  • Stadträte und Gemeinderäte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!