Münnerstadt

Zollkontrollen stets willkommen und unspektakulär

Beamte des Hauptzollamtes Schweinfurt kontrollierten die Bauarbeiter im Fränkischen Hof. Bei den Verantwortlichen sind solche Routine-Besuche sehr gerne gesehen.
Und wieder ist ein Mythos zerstört. Die meisten Menschen denken wohl bei einer Zollkontrolle an quietschende Reifen der Fahrzeuge, an illegal Beschäftigte, die versuchen, sich zu verstecken oder zu fliehen und dann doch von den Beamten geschnappt werden. Dieses Bild ist falsch und stammt wohl eher aus älteren Fernsehsendungen. "Natürlich geht es um illegale Beschäftigung", sagt Tanja Manger, Pressesprecherin des Hauptzollamtes Schweinfurt, wobei dies ein weit gefasster Begriff sei. In erster Linie gehe es um Prävention, um Präsenz und um die Einhaltung tariflicher Bestimmungen, wie den gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Und deshalb ist der Zoll sogar manchmal gerne gesehen - zumindest bei denen, die sich an die Bestimmungen halten.


Ganz unspektakulär

Als jetzt zwei Zoll-Fahrzeuge ohne quietschende Reifen vor der Baustelle Fränkischer Hof hielten, ging es ganz unspektakulär zu. Die Zollbeamten gingen ins Haus, verrichteten ihre Arbeit und fuhren wieder fort. Niemand zu sehen, der einen Fluchtversuch wagte. Und was ist dabei herausgekommen? "Die Ergebnisse liegen noch nicht vor", sagt Tanja Manger und arbeitet weiter fleißig an der Zerstörung des Mythos vom Schwarzarbeiter jagenden Zollbeamten. Denn die Schwarzarbeit selbst ist ein ganz weit gefasster Begriff.

Statt fliehenden Illegalen hinterherzujagen, haben die Zollbeamten Fragebögen verteilt. Die Bauarbeiter müssen auf diesen unter anderem angeben, wie viel sie verdienen, wie viel Urlaub sie haben und wie es mit den Überstunden aussieht. Sollte es Probleme geben, wird natürlich auch die Gegenseite - also der Arbeitgeber - befragt. Deshalb liegen die Ergebnisse noch nicht vor.

Dass der Fränkische Hof ins Visier der Zollbeamten geraten ist, hat keinen besonderen Grund. "In der Regel liegt kein Hinweis vor", sagt die Pressesprecherin. Diese Kontrollen seien rein präventiv. Der Zoll sei tagtäglich unterwegs, um Baustellen zu besuchen. "Wo ein Baukran steht, besteht die Gefahr, dass der Zoll vorbeikommt." Kontrolliert wird übrigens nicht nur, ob die Bauarbeiter ihren rechtlich gesicherten Mindestlohn bekommen, sondern auch, ob beispielsweise Arbeiter gleichzeitig Leistungsempfänger (Hartz IV) sind und es eventuell Ungereimtheiten gibt. Eine Angelegenheit, die dann für den Arbeitnehmer sehr unangenehm werden kann.


Vertrag unterzeichnen

Der für die Sanierung des Fränkischen Hofes zuständige Architekt Andreas Halboth ist erst nachträglich über die Kontrolle informiert worden und sieht sie äußerst gelassen. "Jede Firma, die für uns arbeitet, muss einen Vertrag unterzeichnen, dass sie sich an die Tarifbestimmungen hält", sagt er. Deshalb sehe er diese Kontrollen völlig positiv. Und er geht sogar ein Stück weiter: "Wenn ich auf einer Baustelle Zweifel habe, rufe ich auch selbst den Zoll", sagt er, was beim Fränkischen Hof aber nicht der Fall war. Für sich und die Bauherren Gertrud und Martin Kuchler fasst er zusammen: "Jeder von uns kann gut schlafen."


Ganz normale Angelegenheit

Gut geschlafen hat Martin Kuchler tatsächlich, denn von der Kontrolle hat er eine ganze Weile gar nichts gewusst. Sein Architekt hält das für eine so normale Sache, dass er keine Notwendigkeit dafür sah. "Ich finde die Kontrolle absolut gut", sagt Martin Kuchler jetzt. Beruflich hat er mit externen Personalabteilungen zu tun und kennt deshalb die Probleme. Für ihn ist der Zoll immer willkommen.

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