Bad Kissingen

Alle Hürden erfolgreich gemeistert

Als Flüchtling kam er in die Kurstadt. Nun wurde Aman Mohammadi Quartalssieger der Maler-Innung.
Malergeselle Aman Mohammadi bei der Arbeit Foto: Andrea Hofmann       -  Malergeselle Aman Mohammadi bei der Arbeit Foto: Andrea Hofmann
| Malergeselle Aman Mohammadi bei der Arbeit Foto: Andrea Hofmann

Vor zwölf Jahren floh der erst neunjährige Aman Mohammadi allein aus Afghanistan und machte sich auf die Suche nach dem "besseren Leben". Nach einem Aufenthalt im Iran kam er 2016 nach Bad Kissingen , wo der dann 17-Jährige Asyl beantragte. Später bekam er einen Ausbildungsplatz beim Putz- und Malerbetrieb Ulsamer. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er von der bayerischen Maler-Innung zum " Azubi des Quartals IV/2019" gekürt. Hat Aman Mohammadi also das "bessere Leben" in Bad Kissingen gefunden?

Bürgerkrieg in der Heimat

In seiner Kindheit hatte Aman Mohammadi nur den Bürgerkrieg in seiner Heimat erlebt. Als er sich 2008 als erst Neunjähriger zur Flucht aus Afghanistan entschloss, waren seine Eltern bereits tot und die sieben Kinder für sich selbst verantwortlich - so auch Aman als Jüngster. Zunächst floh er ins Nachbarland Iran, wo er die nächsten acht Jahre illegal lebte und als Maurer arbeitete. Doch der Heranwachsende hatte Ziele. "Ich wollte einen Ausweis und ein besseres Leben." Beides konnte ihm der Iran nicht bieten. Also setzte der inzwischen 16-Jährige seine Flucht über die Türkei und Griechenland nach Österreich fort. "Deutschland war nicht unbedingt mein Ziel." Aber die Flüchtlingswelle zog ihn mit und er landete schließlich als "unbegleiteter Flüchtling " in Bad Kissingen . Hier wurde Mohammadi zunächst im AfZ-Campus untergebracht und besuchte in der Berufsschule die für jugendliche Asylbewerber eingerichtete Berufsintegrationsklasse für Maler und Lackierer. Für den inzwischen 17-Jährigen war es eine harte Zeit, zumal Maler nicht sein Traumberuf war. "Eigentlich wäre ich gern Polizist geworden - wie mein Bruder in Afghanistan." Entsprechend fiel das Abschlusszeugnis der Berufsschule nur mäßig aus.

Doch von September 2016 bis Juli 2017 hatte Mohammadi seine Praktikumswochen im damals noch in Wirmsthal ansässigen Putz- und Malergeschäft Ulsamer absolviert. "Er war immer sehr nett, war dankbar und einsatzbereit", erinnert sich Büroleiterin Lena Heilmann gern an jene Zeit. Wegen der fehlenden Busverbindung holte sie ihn an jedem Arbeitstag im AfZ-Campus ab, brachte ihn zum Praktikumsplatz und fuhr ihn abends wieder zurück. Bald wechselten sich auch Kollegen in diesem täglichen Fahrdienst ab.

An Mohammadis Einsatzfreude hat sich bis heute nichts geändert. Heilmann: "Er hilft, wo er kann, und läuft immer mit einem Lächeln über die Baustellen." Diese sichtbare Arbeitsfreude waren für Malermeister Lorenz Ulsamer und seine Mannschaft Grund genug, dem jungen Asylbewerber nach Abschluss des Integrationsschuljahres eine Chance zu geben und ihn ab September 2017 zum Maler und Lackierer auszubilden.

Die Ausbildungsjahre waren nicht leicht für den jungen Mann: Nicht nur die sprachlichen Hindernisse erschwerten das Lernen in der Berufsschule , sondern auch die alleinige Organisation seines Privatlebens mit Wohnungssuche, Umzug und Behördengängen war es, die ihn zusätzlich herausforderte. Heilmann: "Aman hat sich wirklich durchgebissen, alle Hürden gemeistert und sogar noch bei der Gesellschaft zur beruflichen Förderung einen Zusatzunterricht absolviert." Aman Mohammadi nahm seine Ausbildung sehr ernst und zeigte erfreuliche Leistungen, weshalb ihn Ausbilder Lorenz Ulsamer im Spätsommer 2019 für den von der bayerischen Maler-Innung ausgelobten Wettbewerb um die Auszeichnung zum " Auszubildenden des 4. Quartals 2019" anmeldete. Der Bewerbung waren sehr gute Zwischenzeugnisse Mohammadis beigefügt, die die Jury überzeugten: Er erhielt im Februar 2020 die erhoffte Auszeichnung der Landesinnung. Nur die Überreichung der Urkunde durch Staatsminister Thorsten Glauber verzögerte sich wegen Corona bis zum Herbst.

Mittlerweile hatte Aman Mohammadi seinen Gesellenbrief bereits in der Tasche und war unmittelbar danach von seinem Ausbildungsbetrieb Ulsamer in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen worden. Jetzt will er noch einige Berufserfahrung sammeln, bevor er sich vielleicht in einem Jahr an den Meisterbrief heranmacht. "Wenn er möchte, werden wir ihn auch dabei kräftig unterstützen", versichert Büroleiterin Lena Heilmann spontan. Die Zeichen für ein "besseres Leben" in Bad Kissingen stehen also gut: Er hat einen festen Arbeitsplatz und eine eigene Wohnung. Er hat Deutsch gelernt, trifft sich in der Freizeit mit Freunden und seiner Freundin, er joggt gern oder spielt Fußball im Verein. Doch noch immer ist die Zukunft des heute 21-Jährigen nicht gesichert. Das Asylverfahren läuft noch. Aber von dieser Unsicherheit lässt sich Mohammadi nicht abschrecken: Er will möglichst bald seinen Führerschein machen. Die ersten Fahrstunden hat er sogar schon gemacht, doch Corona kam ihm dazwischen. Jetzt muss er warten - auf den Führerschein und auf die Anerkennung seines Asylantrags. Seine Wünsche für das Jahr 2021? "Gute Arbeit und Gesundheit."

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