Oberthulba

Alte Quellen und Brunnen bereiten neue Kosten

Die Hitze- und Trockenperioden der vergangenen Jahre haben den Grundwasserpegel in der Region sinken lassen. Davon betroffen ist auch Oberthulba.
Mit einer Art Staubsauger wurde im Dezember 2018 die unterirdische Quellstube der Thulbaer Probstei auf der Suche nach dem Quellenzulauf von Wasser und Schlamm gereinigt. Foto: Thomas Kirchner
Mit einer Art Staubsauger wurde im Dezember 2018 die unterirdische Quellstube der Thulbaer Probstei auf der Suche nach dem Quellenzulauf von Wasser und Schlamm gereinigt. Foto: Thomas Kirchner

Der Gemeinderat hat sich von Fachberatern des Ingenieurbüros BaurConsult (Haßfurt) über die Situation der örtlichen Brunnen und Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung informieren lassen. "Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1", bereitete Bürgermeister Gotthard Schlereth (CSU/FWG) auf notwendiges Handeln in baldiger Zukunft vor. "Die Gemeinde hat deshalb Vorsorge zu treffen."

Zu einem ernsthaften Problem hatte sich die Quelle unterhalb der Probstei in Thulba entwickelt. Unkontrolliert austretendes Quellwasser hatte zu Schäden sowohl an denkmalgeschützten Bauten wie auch an anderen direkt benachbarten Wohnhäusern geführt. Schlereth erklärte: "Was über Jahrhunderte funktioniert hatte, wirkt sich in neuer Zeit negativ aus."

Ein Grund ist die sorglose Überbauung der Fläche um die Quelle nach Einführung der Versorgung mit Leitungswasser in den 1960er Jahren. Heute weiß niemand mehr, wie es um die Quelle unter der Probstei bestellt ist.

Man weiß nicht einmal, wo genau die Quelle ist. Auch nachdem der Bauhof im vergangenen Dezember die Quellstube an der Probstei leergepumpt und von Schlamm befreit hatte, war kein Quellzufluss zu finden.

Dort, wo "die ganze Geschichte von Thulba geballt ist", muss die Quelle nicht nur neu gefasst, sondern erst einmal gefunden werden, wies Ingenieur Tobias Decoster die Gemeinderäte auf den überhaupt nicht einzuschätzenden Arbeitsaufwand hin. Dazu sei viel Vorarbeit nötig: Es muss mit benachbarten Eigentümern gesprochen werden, und dann müssen die erforderlichen Maßnahmen und Arbeitsschritte festgelegt werden. Nach Fassung der Quelle muss der Wasserüberlauf um die Privatgrundstücke herumgeleitet werden, um in den örtlichen Kanal abgeleitet werden zu können. Als mögliche Gesamtkosten gab Decoster einen Nettobetrag von 462 000 Euro an, "was eher noch vorsichtig geschätzt ist".

Als Bürgermeister Schlereth meinte, dass dies eine "sowohl technisch als auch finanziell große Herausforderung" sei, gab Decoster für den Fall des Verzichts auf eine Sanierung zu bedenken: "Der Schutz denkmalgeschützter und privater Bauten kann langfristig noch teurer werden."

Nicht ganz so teuer wird mit einer geschätzten Nettosumme von 74 000 Euro das hydrologische Basisgutachten für den aus den 1960er Jahren stammenden Brunnen 1 und den jüngeren Brunnen 2 in Thulba. Geowissenschaftlerin Katharina Popp erläuterte das Vorgehen und die Maßnahmen, wozu unter anderem die Ermittlung der Altersstruktur des Grundwassers, chemische Analysen der Quellaustritte, geophysikalische Messungen, Wassermengenmessungen an vorhandenen Grundwasseraufschlüssen und der Einbau einer Grundwassermessstelle gehören. Die Grundwassermessstelle, die allein die Hälfte der Gesamtkosten ausmacht, ermöglicht eine Abschätzung der Veränderung künftiger Ausschüttungen beider Brunnen .

Als weitere Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung der Marktgemeinde sollen die Entnahmestellen für Brauchwasser aus der Grabenbrunnenquelle und der Brühlquelle in Oberthulba neu angelegt und die Wasserleitung von Hassenbach nach Oberthulba erneuert werden. Seit 2011 habe es jährlich in zunehmender Zahl Rohrbrüche an dieser Leitung gegeben, berichtete Bernd Wald aus der Bauverwaltung.

Eine neue Leitung sollte zwecks Kostenminderung zeitgleich mit dem Bau des Radwegs verlegt werden, empfahl Decoster. Vorsichtig geschätzt nannte er Kosten von etwa 200 Euro pro Meter. Bei einer Länge von 2 000 Metern ergibt sich daraus eine Bausumme von netto 400 000 Euro allein für diese Einzelmaßnahme.

Rechnet man alle vom Büro BaurConsult vorgestellten und teilweise nur angesprochenen Sanierungsmaßnahmen für die Wasserversorgung zusammen, so summieren sich die Baukosten auf etwa 1,5 Millionen Euro. Auch wenn bei gleichbleibender Trockenheit und weiteren Dürreperioden "allen Einwohnern grundsätzlich ein vernünftiger Umgang mit Brauchwasser zu empfehlen ist, sind wir gut beraten, diese Themen zügig weiter voranzubringen", meinte Schlereth. Da er selbst zum Ende der Amtsperiode im kommenden Frühjahr in den Ruhestand geht, wird sich sein Nachfolger mit diesen Zukunftsaufgaben befassen müssen.

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