Bad Kissingen

Altes Stück neu interpretiert

Das Theater Maßbach gastiert mit Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" am Donnerstag, 31. Januar, im Kurtheater.
Marc Marchand (links) und Alexander Bräutigam in einer Szende des Stücks Biedermann und die Brandstifter.  Foto: Sebastian Worch       -  Marc Marchand (links) und Alexander Bräutigam in einer Szende des Stücks Biedermann und die Brandstifter.  Foto: Sebastian Worch
| Marc Marchand (links) und Alexander Bräutigam in einer Szende des Stücks Biedermann und die Brandstifter. Foto: Sebastian Worch

Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter", das 1958 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde, gilt als bekanntestes Schauspiel eines der bekanntesten Bühnenautoren der Nachkriegszeit. Obwohl er es selbst in Anspielung auf Bertolt Brechts Lehrstücke, die ja immer eine ziemlich eindeutige Lehre hatten, als "Lehrstück ohne Lehre" bezeichnet, wurde es seitdem immer wieder als warnende Parabel auf die Gefahr des schleichenden Kommunismus (Frisch schrieb unter dem Eindruck des Einmarsches der Sowjets in Ungarn) oder Faschismus interpretiert, hundertfach gespielt, in den Schulen gelehrt.

Und es wurde im Bewusstsein vieler abgespeichert als typisch für die Nachkriegszeit, allenfalls noch tauglich zur Illustration der Verführungsmechanismen der Nazis bzw. der Kommunisten für jeweils aktuelle Schülergenerationen.

Wieder sehr aktuell

Doch ebenso schleichend wie die gewaltbereiten Einflüsterer im Stück haben auch die Zeitläufte Frischs Warnungen eingeholt, gibt es allenthalben wieder Brandstifter in unseren so sicher geglaubten Demokratien, die Brand legen wollen an deren Grundfesten und sich sicher sind, dass die ebenso bequemen wie vertrauensseligen Biedermänner schon nichts merken werden von ihrer schamlosen Zündelei. Und plötzlich wird das gute, alte Stück wieder sehr aktuell, erkennt man das selbstgefällige Grinsen der Brandstifter auch in unserer Realität wieder.

Das Theater Maßbach hat diese Brisanz erfasst, und Regisseur Ingo Pfeiffer hat es für unser 21. Jahrhundert inszeniert: "Biedermann und die Brandstifter behandelt auf unterhaltsam groteske Weise die Unfähigkeit des Menschen, voraussehbare Katastrophen zu erkennen und durch beherztes Handeln zu verhindern."

Pfeiffer hat geschickt die Lehrstückfalle vermieden, stattdessen das Potenzial der Frischschen Dialoge, die groteske Komik der Hauptfigur genauso ausgelotet wie die Spannung trotz der Unausweichlichkeit des Endes. Bühnenbildner Robert Pflanz schuf eine Bühne, die spannend ist in ihrer Mehrschichtigkeit, Verwandelbarkeit, technischen Raffinesse und die ironisch gewitzt mit der Muffigkeit, gutbürgerlichen Prätention und Scheinheiligkeit aller Biedermänner spielt. Denn das Stück meint nicht nur die Anderen, vor denen es sich zu schützen gilt.

Max Frisch setzt mit diesem Stück alles in Brand: den Gut-Menschen, den Böse-Menschen und das Vertrauen der beiden Gattungen ineinander, meint Ingo Pfeiffer zu seiner Inszenierung Mit ihr liefern die Maßbacher eine rundum stimmige Neuinterpretation des alten Stücks, die bei der Premiere das Publikum im Intimen Theater begeisterte.

Karten im Vorverkauf

Das Gastspiel im Rahmen des Kissinger Theaterrings ist am Donnerstag, 31. Januar. Beginn ist um 19.30 Uhr im Kurtheater. Karten gibt es in der Tourist-Information Arkadenbau(Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8.30 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 14 Uhr) sowie im Internet unter kissingen-ticket@badkissingen.de oder an der Abendkasse im Kurtheater.

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