OBERWILDFLECKEN

Tage des Kreuzberghofs sind gezählt

Eine alte Postkarte aus der Rhön: Der Kreuzberghof in Oberwildflecken am Fuße des Heiligen Bergs der Franken. Foto: Archiv familie nowak

Seit 61 Jahren betreibt die Familie Nowak den Kreuzberghof in Oberwildflecken. Obwohl die Gaststätte weit über die Rhön hinaus bekannt geworden ist, müssen sich die Oberwildfleckener langsam von ihrem beliebten Treffpunkt verabschieden. „Wir machen eigentlich nur noch Familienfeiern, Geburtstage und Partyservice. Regulär geöffnet ist die Wirtschaft nun nicht mehr“, sagt Inhaber Theo Nowak, der den Kreuzberghof 1979 mit seiner Schwester Helene von Mutter Hedwig übernommen hatte.

„Mit 63 Jahren werde ich also kürzer treten. Auch wenn es mir gesundheitlich wieder besser geht. Zwischenzeitlich musste auch ich feststellen, dass die Gesundheit an oberster Stelle steht.“ Die Metzgerei im Kreuzberghof, die der Metzgermeister mit seiner Frau Monika rund drei Jahrzehnte lang geführt hatte, ist ebenfalls geschlossen. „Wenn die Gesundheit mitgespielt hätte, wäre der Abschied sicherlich nicht so schnell gekommen.“ Doch eine langfristige Perspektive für die Gastwirtschaft gibt es ohnehin nicht, denn Theo Nowaks Kinder Stefanie und Herbert werden die Gaststätte nicht weiterführen. „Und verpachten kommt eigentlich nicht in Frage.

Meistens gehen die Familienbetriebe doch den Bach runter, sobald sie erst einmal verpachtet werden.“ Zumal es baulich auch gar nicht so einfach wäre, Metzgerei oder Gaststätte komplett abzutrennen vom restlichen Teil des Kreuzberghofs, der einige Mietwohnungen und die Privatwohnung beherbergt.

Die Wurzeln der Familie liegen im Sudetenland und in Kothen. Herbert Nowak, der 1971 gestorben ist, kam zum Ende des Zweiten Weltkrieges nach Werberg. Nach dem Umzug auf den Schmelzhof lernte er seine Frau Hedwig aus Kothen kennen. 1953 musste das Ehepaar, das mit Helene und Theo zwei Kinder hatte, den Hof verlassen, weil eine Zwangsumsiedlung für den späteren Truppenübungsplatz bevorstand.

Nowak, als Landwirt tätig, bewarb sich um eine Gastwirtschaft in Oberwildflecken, die 1954 bereits Kreuzberghof hieß. Das war ein Wagnis: „Denn Ahnung von einer Gastwirtschaft hatte mein Vater natürlich zunächst nicht.“ Dass den Nowaks der Kreuzberghof zugesprochen worden ist, war nicht selbstverständlich. Bewerber gab es genügend. Doch Herbert Nowak machte nach der Zwangsumsiedlung so viel Druck bei den Behörden, dass die Entscheidung zugunsten der entwurzelten Familie fiel.

Arbeiter untergebracht

Zunächst pachteten die Nowaks den Kreuzberghof, der Kauf des gesamten Areals folgte mehr als zehn Jahre später. „Anfangs gab es im Kreuzberghof sogar noch Fremdenzimmer in den Seitenteilen. Als die Kaserne in Oberwildflecken gebaut wurde, waren dort vor allem Arbeiter von der riesigen Baustelle untergebracht“, berichtet Theo Nowak. „Irgendwann blieb die Nachfrage aber aus.“ So wurden aus den Fremdenzimmern Mietwohnungen, die bis heute Bestand haben.

„Alle 14 Tage gab es Tanzveranstaltungen im Großen Saal im Kreuzberghof. Mit dem Aufkommen der Diskos war das natürlich nicht mehr so gefragt.“ Mehr als drei Jahrzehnte zog der Rosenmontagsball die Besucher an. Bis zu tausend Faschingsnarren drängten in den Großen Saal. Mit der Stärkung von Jugendschutzbestimmungen und zusätzlichen gesetzlichen Auflagen kam dann auch das Ende des beliebten Rosenmontagsballs.

Zwischenzeitlich wurde der Kreuzberghof als Anlaufpunkt für Kaffeefahrten genutzt. „Die Kegelbahn war früher jeden Abend besucht.“ Der kleine Saal war sogar mal als Kino umgebaut worden. Doch mit dem Abzug der Amerikaner und der Schließung der Oberwildfleckener Bundeswehrkaserne kam in den 90er Jahren „der erste große Bruch“. Die Wochenenden liefen weiter gut: „Wir hatten ja zahlreiche Stammgäste, die immer gerne in den Kreuzberghof gekommen sind.“

An den Werktagen brach die Nachfrage weg. „Und so hat sich in den letzten Jahren der Partyservice für Familienfeiern entwickelt, den ich weiter beibehalten möchte.“ Zwei Generationen der Nowaks haben den Kreuzberghof zu einem Zentrum der Oberwildfleckener Geselligkeit gemacht. Mit dem schleichenden Abschied vom Kreuzberghof endet auch eine Ära in der Geschichte der Marktgemeinde.

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